Selbstfahrendes Konzeptauto Mercedes-Benz F015

Das dauert wohl noch Zukunftsmusik selbstfahrende Autos

Stand: 19.06.2017, 16:01 Uhr

Schon heute darf heftig geträumt werden. Vom selbstfahrenden Auto, das einem Zeit für andere Dinge lässt. Aber geht es nach den Experten der Deutschen Bank, könnte dieser Traum noch länger dauern als gedacht.

Selbstfahrende Autos von Fiat Chrysler

Selbstfahrende Autos von Fiat Chrysler. | Bildquelle: picture alliance / Kyodo

Nicht vor dem Jahr 2040 könnten die computergestützten selbstfahrenden Autos den Markt durchdrungen haben, so die Kernaussage der am Montag von den Experten der Deutschen Bank vorgestellten Studie. Die Branche stehe vor enormen technologischen Herausforderungen, ein "chaotisches" System wie den Straßenverkehr zu automatisieren, sagte Analyst Eric Heymann. Übersetzt bedeutet dies, dass es einfach zu viele unterschiedliche Verkehrssituation zu simulieren gilt, als dass es zu schnellen Lösungen kommen könnte. Dafür biete sich der Schienenverkehr zunächst viel eher an.

Zudem werden noch für lange Zeit Fahrzeuge auf den Straßen sein, die nicht digitalisiert sind. Daher sei eine Übergangszeit von mehreren Jahrzehnten realistisch.

Dämpfer für Google & Co.

Es ist kein Geheimnis, dass sich die Autoindustrie von den Technologiegrößen aus Amerika bedrängt sieht. Droht der Abstieg zur reinen Werkbank, während Tech-Riesen wie Google oder Apple den digitalen Auto-Inhalt und damit den Markt beherrschen? Eine Horrorvorstellung für die Autobauer, die natürlich auch im technologischen Wettlauf die gesamte Wertschöpfungskette in ihrem Kerngeschäft bestimmen wollen.

Und dabei könnten sie durchaus eine gute Figur abgeben, bescheinigt ihnen die Deutsche-Bank-Studie. Denn die Branche sei anpassungsfähig, zudem lägen die Einstiegshürden für die Autoproduktion hoch. Die Chancen der Tech-Riesen lägen dafür eher im automobilen Datenmarkt, so die Experten weiter.

Kein Preisproblem

Probefahrt für automatisiertes Fahren von Bosch mit Kartenmaterial von TomTom

Probefahrt für automatisiertes Fahren von Bosch mit Kartenmaterial von TomTom . | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Anders als mit den batteriebetriebenen Autos wäre die zunehmende Digitalisierung der Fahrzeuge auch kein größeres Kostenproblem. Neue Versionen würden einfach in die Modelle eingebaut. Beim Blick in die Glaskugel erwartet Experte Heymann, dass alternative Dienstleistungen rund um die Mobilität stark wachsen dürften. Car Sharing sieht er als ein wachstumsstarkes Zukunftsmodell, das in zehn bis 15 Jahren rund fünf Prozent des motorisierten Verkehrs abdecken könnte. Das hört sich zwar nicht nach viel an, es könnten aber schnell Umsätze im zweistelligen Milliardenbereich erzielt werden.

Aufzuhalten ist der digitale Zug eh nicht mehr. Wie am Montag bekannt wurde, plant die Robert Bosch GmbH, ein wichtiger Zulieferer der Automobilindustrie, den Bau einer neuen Halbleiterfabrik in Dresden ab 2018 und will dafür rund eine Milliarden Euro investieren. Mit staatlichen Zuschüssen könnte sich die Investitionssumme bis auf 1,3 Milliarden Euro erhöhen. Nicht zuletzt mit dem steigenden Bedarf an Technik für vernetzte Fahrzeuge, aber auch Alltagsgegenständen begründet Bosch-Chef Volkmar Denner die größte Einzelinvestition in der 130-jährigen Geschichte des Konzerns.

rm

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