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Fintech

Salome Preiswerk, Whitebox

Unternehmensgründerin Salome Preiswerk

"Wir bieten eine komplette Online-Vermögensverwaltung“

Stand: 18.03.2016, 16:52 Uhr

Der Bereich der "Robo-Advisors", also der "automatisierten Geldanlage", ist eines der zentralen Wachstumsfelder der FinTech-Szene. Mit Whitebox ist vor wenigen Wochen ein neuer Player gestartet. boerse.ARD.de sprach mit der Gründerin Salome Preiswerk.

boerse.ARD.de: Frau Preiswerk, Sie starten in einen neuen Markt, in dem aber schon einige Mitbewerber unterwegs sind. Was ist das Besondere an Whitebox?

Salome Preiswerk:
Wir betrachten uns als Robo-Advisor der zweiten Generation, der auch den Ansprüchen einer qualitätsbewussten Kundschaft gerecht wird. Dabei geht es vor allem um den Kern unseres Angebots: Das Portfolio-Management. Anders als bestehende Anbieter können wir ein echtes Portfolio-Management liefern und das auf allerhöchstem Niveau.

boerse.ARD.de: Das heißt, Sie dürfen als Vermögensverwalter und nicht lediglich als Vermittler auftreten?

Preiswerk: Richtig, wir sind bei der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht) als Finanzportfolio-Verwalter registriert und werden von ihr entsprechend beaufsichtigt.

boerse.ARD.de: Wie sieht das für die Kunden in der Praxis aus?

Preiswerk: So ausgefeilt das Portfoliomanagement im Hintergrund sein mag, so einfach ist das Nutzererlebnis für den Kunden. Er definiert eines oder mehrere Anlageziele, für die jeweils ein individuelles Portfolio aufgesetzt wird. Das kann eine große Anschaffung wie eine Immobilie sein oder auch die Vorsorge fürs Alter. Bezüglich letzterem besteht die Besonderheit, dass der Kunde wählen kann, ob er zu einem bestimmten Zeitpunkt monatliche Entnahmen vornehmen will oder eine Einmalzahlung anstrebt. Sein Portfolio wird dann zum definierten Rentenzeitpunkt hin im Risiko reduziert. Der Vorteil: Bessere Ertragschancen in jungen Jahren, weniger Risiko, wenn das Geld verfügbar sein soll.

boerse.ARD.de: Sie stellen Ihr Risikomanagement beim Anlageprozess heraus, wie werden Risiken bei Whitebox gemanagt?

Preiswerk: Spätestens seit der Finanzkrise ist deutlich geworden, dass die immer noch weit verbreitete Nobelpreis-gekrönte Moderne Portfoliotheorie erhebliche Unzulänglichkeiten aufweist. Die Grundannahme von normalverteilten Renditen führt zu einer massiven Unterschätzung von Risiken. Empirisch gesehen treten extreme Vorfälle rund zehnmal häufiger auf, als die Normalverteilung suggeriert. Hinzu kommt, dass Rendite und Varianz, aber auch VaR, Anlegerpräferenzen nicht zufriedenstellend berücksichtigen. Unser Ansatz arbeitet mit nicht-normalverteilten und auf Fundamentalanalyse basierenden Assetklassenrenditen und nutzt für die Risikomodellierung die Risiko-Kennziffer CVaR (Conditional Value at Risk), welche nicht nur die Wahrscheinlichkeit extremer Vorfälle berücksichtigt, sondern auch die gesamte potenzielle Verlusthöhe. Hinzu kommen komplexe quantitative und qualitative Simulationen. Auf diese Weise zielen wir darauf ab, Risiken in allen denkbaren Marktszenarien zu reduzieren und die Kundenvermögen vor allem in extremen Verlustphasen am Markt besser zu schützen.

boerse.ARD.de: Wieso nutzen nicht mehr Anbieter einen derartigen Ansatz?

Preiswerk: Ein derartiger Ansatz ist bislang nur institutionellen und sehr vermögenden Anlegern zugänglich. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass dessen Umsetzung eines hohen Maßes an Expertise, Tools und der Reichweite eines globalen Teams bedarf. Wir profitieren in diesem Bereich von unserer Partnerschaft mit Morningstar Investment Management, die bereits mehrfach für ihre Kompetenzen und führende Rolle im Bereich Asset Allocation ausgezeichnet wurden.

boerse.ARD.de: Aber Rendite gibt es auch bei Ihnen nicht ganz ohne Risiko?

Preiswerk: Selbstverständlich nicht. Unseren Kunden verdeutlichen wir dies anhand einer Projektion zur Wertentwicklung ihrer Anlage. Dieser liegen dieselben vorwärtsgerichteten Kapitalmarktannahmen zugrunde wie unseren Anlagestrategien. Ein höheres Risiko geht mit einer stärkeren Schwankungsbreite und damit verbunden auch einer höheren Wahrscheinlichkeit von Verlustperioden einher.

boerse.ARD.de: Sie bieten Ihre Vermögensverwaltung bereits ab Beträgen von 5.000 Euro an. Wie viel Geld investiert Ihr Wunschkunde?

Preiswerk: Bisher haben wir fast ausschließlich Kunden gewonnen, die deutlich höhere Beträge bei uns investieren. Es sind besserverdienende Anleger in der Altersgruppe der heute 35- bis 55-Jährigen. Gerade diese Gruppe ist in Deutschland leider allzu oft unzureichend bedient mit herkömmlichen Angeboten – und für diese bieten wir erstmals eine echte Alternative.

boerse.ARD.de: Ihre Gebührenstaffelung gibt ebenfalls einen Hinweis darauf. Einstiegsgebühr bei 5.000 Euro sind 0,95 Prozent jährlich an Kosten – bei größeren Beträgen wird es deutlich billiger.

Preiswerk: Ab 30.000 Euro Anlagevolumen wird die prozentuale Gebühr bereits reduziert. Und bei 500.000 Euro liegen wir nur noch bei 0,35 Prozent jährlich. Darin sind auch alle Kosten für Transaktionen und Depotführung bei unserer Partnerbank, der biw, enthalten - die Mehrwertsteuer übrigens auch. Damit liegen wir bei der Hälfte der Gebühren einer Privatbank.

boerse.ARD.de: Seit wenigen Wochen sind Sie in Deutschland am Markt. Soll zunächst dieser Markt ausschließlich bearbeitet werden oder verfolgen Sie von Anfang an eine internationale Strategie?

Preiswerk: Unser Geschäftsmodell ist dank der Technologie, die wir entwickelt haben, natürlich auf "Skalierbarkeit" angelegt. Wir wollen zunächst in der "DACH"-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) Fuß fassen. Aber natürlich liegt es nahe, auch darüber hinaus zu expandieren.

Das Gespräch führte Andreas Braun.

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