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Raumfahrt

Start von SpaceX mittels der Trägerrakete Falcon 9

Richard Branson contra Elon Musk

Wettlauf ins All

Stand: 02.07.2015, 17:14 Uhr

Milliardäre sind nicht mehr mit dem irdischen Glück zufrieden. Sie greifen nach den Sternen. Tesla-Chef Elon Musk und Virgin-Gründer Richard Branson träumen von der Eroberung des Weltalls. Wer gewinnt das Duell?

"Nach Hause telefonieren!"- der Wunsch von E.T. könnte bald Wirklichkeit werden. Sowohl der 44-jährige Tesla-Gründer Musk als auch der 64-jährige Branson, Herrscher des Virgin-Imperiums, basteln an einem Satelliten-Netz im Weltall. Musk will damit nicht nur die Menschen auf der Erde, sondern auch die Marsbewohner der Zukunft mit einem Internet-Zugang versorgen. Denn in einigen Jahrzehnten sollen sich Menschen auf dem Roten Planeten ansiedeln, wünscht sich Musk.

Satelliten-Schlacht zwischen OneWeb und SpaceX

Beide Unternehmer und Milliardäre verfolgen jeweils eigene Projekte und lehnen es ab, sich zusammenzutun. Branson will mit OneWeb bis 2018 ein weltweites Satelliten-Internet aufbauen. Musk plant, in fünf Jahren mit SpaceX ein Netz von Satelliten in Betrieb zu nehmen. Bei der US-Regierung hat er sich bereits die Genehmigung für den Test von Satelliten eingeholt.

Virgin Galactics SpaceShip2 im All

Virgin Galactics SpaceShip2 . | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bisher scheint Branson die Nase vorn zu haben. Auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget verkündete Airbus, dass OneWeb 900 Satelliten bestellt habe. Es sei ein Zeichen des Aufbruchs, dass Airbus jetzt an einem Internetprojekt beteiligt sei, verkündete Airbus-Chef Tom Enders stolz. "Das ist der Beginn eines neuen Weltraum-Zeitalters."

Qualcomm fördert OneWeb, Google SpaceX

OneWeb ist ein Unternehmen des Amerikaners Greg Wyler, der bis 2014 für das Satellitenprogramm von Google zuständig war. Die Firma wird finanziert vor allem von Bransons Virgin Galactic und Halbleiterhersteller Qualcomm.

Richard Branson

Richard Branson. | Bildquelle: picture alliance / dpa

SpaceX wird neben Musk auch von Google finanziell unterstützt. Der Internet-Riese stieg vor kurzem mit einer Milliarde Dollar bei der Raumfahrt-Firma ein. Zweiter neuer Geldgeber ist der Finanzkonzern Fidelity. Auch Silicon-Valley-Millionär Peter Thiel hat in das Projekt investiert. Die Großaktionäre halten zusammen knapp zehn Prozent der Anteile. Damit wird SpaceX insgesamt mit rund zehn Milliarden Dollar bewertet.

Doch das Duell Branson-Musk ist noch längst nicht entschieden. Die jüngsten Ereignisse in der privaten Raumfahrt haben gezeigt, wie schnell es Rückschläge geben kann.

Musk schießt gegen Branson

In der US-Presse liefern sich Branson und Musk einen heftigen Schlagabtausch. "Ich mag Richard, und er macht ein paar coole Sachen. Technik ist nicht aber nicht wirklich seine Stärke", soll Musk gelästert haben, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Branson gibt zu, dass er nicht einmal eine Zündkerze austauschen könnte. "Aber ich bin gut darin, brillante Leute zu finden und mich mit brillanten Leuten zu umgeben."

Elon Musk vor seiner Raumkapsel SpaceX

SpaceX und Elon Musk. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Beide wollen die Ersten und Alleinherrscher im All sein. "Für ein zweites Netzwerk ist kein Platz", meint Branson. Musk hält sein Satelliten-Konzept für strukturell überlegen. Er rechnet mit 4.000 Satelliten für das geplante Kommunikationsssystem. Branson hingegen gibt sich schon mit rund 650 Satelliten zufrieden.

Erste Aufträge für SpaceX

Bisher hinkt Branson mit seinen Raumfahrt-Plänen denen von Elon Musk hinterher. Der Tesla-Gründer hat es geschafft, für SpaceX von der Nasa einen 1,6 Milliarden Dollar großen Auftrag für zwölf Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation zu bekommen. Mit der Falcon9-Rakete und der neuartigen "Dragon"-Kapsel lässt sich ein unbemanntes Raumschiff sicher zur ISS und zurück zur Erde bringen.

Am vergangenen Woche musste Musk freilich einen herben Rückschlag hinnehmen. Am Sonntag - ausgerechnet zum 44. Geburtstag von Musk - explodierte eine "Falcon9"-Trägerrakete von SpaceX nur wenige Minuten nach dem Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Die Rakete sollte Essen und Ausrüstung zur ISS bringen. Nun bleiben die Raketen von SpaceX erst mal ein paar Monate am Boden, bis die Unglücksursache eindeutig geklärt ist.

Bransons Weltraum-Touristen müssen warten

Branson erging es mit seiner Weltraum-Tourismus-Vision noch schlechter. Bei einem Testflug stürzte das private Raumschiff "SpaceShipTwo" über der kalifornischen Mojave-Wüste ab. Der Co-Pilot starb.

Wann nun endlich gut betuchte Promis ihre erste Reise ins All starten können, steht in den Sternen. Die gut 800 Touristen, darunter viele prominente Schauspieler, die vorab ihr Ticket für 250.000 Euro gebucht haben, können ihr Geld wieder zurückverlangen. Ursprünglich war für dieses Jahr der Start des Weltraum-Tourismus geplant.

Tesla-Kurs nahe Rekordhoch

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
201,49
Differenz absolut
0,09
Differenz relativ
+0,04%

Dem Aktienkurs von Tesla hat der jüngste Absturz der "Falcon9"-Trägerrakete kaum geschadet. Nach einem kleinen Knick drehte der Titel wieder auf und nähert sich seinem Rekordhoch. Das liegt freilich an den starken Absatzzahlen, die der Elektroauto-Pionier meldete. Im zweiten Quartal wurden mit 11.507 "ModelS"-Fahrzeugen so viele Elektroautos verkauft wie nie. Die Credit Suisse hob das Kursziel auf 325 Dollar. Die Raumfahrt-Träume von Elon Musk spielen an der Börse noch keine große Rolle.

nb

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Die wichtigsten Stationen im Leben von Elon Musk

Erst gemobbt, dann vergöttert

Klein-Elon Musk mit Telefonhörer

Das frühreife Kind

Am 28. Juni 1971 erblickt Elon Musk in Südafrika das Licht der Welt. Er wächst in wohlhabenden Verhältnissen auf. Sein Vater ist Ingenieur und arbeitet an großen Projekten, seine Mutter hat eine Praxis als Ernährungsberaterin. Elon ist neugierig und frühreif. Manchmal verfällt der kleine Junge in eine Art Trance, dann hört er nicht mehr hin. Ärzte machen Tests mit ihm und beschließen, seine Polypen herauszunehmen. Das ändert nichts.

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