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Vorsicht: Rückschlaggefahr!

Warren Buffett und der Run auf Solaraktien

von Bettina Seidl

Für die Börsengemeinde ist er so was wie ein Guru: Warren Buffett, auch das Orakel von Omaha genannt. Legendär sein Riecher für lukrative Investments. Nun folgen ihm seine Jünger in die Solarbranche. Wenn sie sich da mal nicht verschätzen!

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Buffett setzt auf Solar - ein Sonnenaufgang für die deutsche Solarbranche bedeutet das noch lange nicht.

Der Einstieg der amerikanischen Finanzlegende in US-Solarprojekte hat eine Rally bei deutschen Solaraktien ausgelöst. Die Kurssteigerungen in der totgesagten Branche sind beinah unheimlich: Der deutsche Branchenprimus Solarworld verbucht nun schon den dritten Tag in Folge Zugewinne im zweistelligen Prozentbereich: Am Donnerstag plus 15 Prozent, Freitag plus 12 Prozent, heute klettert die Aktie noch einmal 16 Prozent.

Über 40 Prozent Zugewinn zum Beginn des Jahres, das dürfte der stärkste Jahresauftakt der Unternehmensgeschichte werden. Im vergangenen Jahr hatten die Titel allerdings gut 67 Prozent eingebüßt. Bei SMA Solar ein ähnliches Bild: Hier summiert sich das Kursplus der ersten Handelstage 2013 auf gut 20 Prozent. Auch für diese Aktie war das vergangene Jahr mit einem Minus von 56 Prozent das bislang schwärzeste.

Buffett setzt auf ein Großkraftwerk...

Börsianer entdecken ihre Liebe zu Solaraktien neu, weil die von Buffett kontrollierte Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway vergangene Woche einen Milliardendeal in der Solarbranche bekannt gab. Über ihren Energieversorger Midamerican kauft sie der US-Firma Sunpower ein Solarprojekt in Kalifornien ab, für rund 2,5 Milliarden Dollar was etwa 1,9 Milliarden Euro entspricht.

Wenn der milliardenschwere Investor irgendwo sein Geld reinsteckt, dann sind die Investments meist von Erfolg gekrönt. Weil er so bekannt für seinen guten Riecher ist, folgen ihm seine Jünger. Nun scheint es, als folgten sie ihm ohne Verstand. Denn: "Buffetts Projekt in Amerika hat mit den deutschen Solar-Anbietern wenig zu tun, der Zusammenhang ist schwach", erklärt Equinet-Analyst Stefan Freudenreich gehen. Buffett investiert in ein Großkraftwerk. Die deutschen Anbieter haben eher die Hausdächer der Privatleute im Sinn.

... nicht auf Hausdächer

Noch dazu leidet die deutsche Branche weiter unter den chinesischen Wettbewerbern, die dank starker Subventionen mehr Kraft haben und den Markt mit ihren niedrigen Preisen überschwemmen.

Zwar gibt es auch Erfolgsmeldungen aus der Branche. 2012 wurde zum Beispiel wieder der Rekord beim Bau neuer Solaranlagen gebrochen. Das stimmt einige Analysten zuversichtlich. Deshalb aber gleich eine Trendwende auf dem deutschen Solarmarkt auszurufen, so weit mag Equinet-Analyst Stefan Freudenreich nicht gehen. Die einzelnen Anbieter sind zu unterschiedlich. "Die Frage ist immer: Welches Unternehmen profitiert von welchem Wachstum in welchem Markt", sagte Freudenreich im Interview mit boerse.ARD.de.

SMA Solar: "Solide und wachstumsstark"

SMA Solar gehört zu seinen Favoriten in dem Sektor. Das Unternehmen weise eine solide Bilanzstruktur auf und sei in aufstrebenden Wachstumsmärkten wie China vertreten. Bis zu den Bundestagswahlen im Oktober sei zudem mit keinen Veränderungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz zu rechnen.

Vorsichtig ist Freudenreich hinsichtlich Wacker Chemie. Der Konzern hat zwar auch gute Wachstumschancen in China und Amerika. Aber es bestünden noch starke Polysilizium-Überkapazitäten, dem Grundstoff für Solarzellen.

Solarworld - nichts als eine Wette

Solarworld beurteilt der Solarexperte eher negativ, weil das Unternehmen gegenüber asiatischen Konkurrenten nicht wettbewerbsfähig ist. Freudenreich rät die Aktie zu verkaufen, Kursziel 0,80 Euro. Die derzeitigen Kurssteigerungen dürften sich als Strohfeuer entpuppen. Nur zwei Spekulationen tragen die Aktie noch: Die Hoffnung einen möglichen Zusammenschluss von Solarworld mit einem strategischen Partner. Und die Hoffnung auf ein Importverbot für die Chinesen - ohne das droht Schlimmes. Dann sei das Unternehmen pleitegefährdet, so der Analyst.

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