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Versicherer 2016

Ausblick 2016 Versicherungen

Ausblick

Versicherungen, solide und unaufgeregt

von Robert Minde

Stand: 07.12.2015, 17:31 Uhr

Wer es etwas konstanter mag am Aktienmarkt, der ist mit Versicherungsaktien bisher meist gut gefahren. Auch 2016 sollte die Branche mit soliden Fundamentaldaten punkten. Ein Feuerwerk ist aber nicht zu erwarten.

Denn der Markt hat die sehr solide Entwicklung der Versicherungsaktien im zu Ende gehenden Jahr 2015 bisher gewürdigt. Mit einem KGV zwischen elf und zwölf sind europäische Versicherungsaktien aktuell vergleichsweise gut bewertet, erläutert Versicherungsanalyst Andreas Schäfer vom Bankhaus Lampe.

Allerdings erwartet der Experte, dass es 2016 etwas ruhiger zugehen dürfte. Denn 2015 war ein insgesamt schadenarmes Jahr und die Erfahrung zeigt, dass eine solche Entwicklung nicht auf ewig fortgeschrieben werden kann. Zudem muss sich die Branche im Jahr 2016 unter dem neuen Eigenkapitalregime "Solvency II" neu aufstellen.

Solvency II

Solvency II bezeichnet die neuen Eigenkapitalregeln für Versicherer. Ziel ist es, dass sich das vorzuhaltene Eigenkapital strikt nach den Risiken richtet, die es trägt. Dadurch sollen diese verringert werden. Die Regeln treten 2016 in Kraft und sind vergleichbar mit den unter dem Begriff "Basel III" bekannten Eigenkapitalrichtlinien für Banken. Sie sind als Folge der Finanzkrise in jahrelangen Verhandlungen der Aufsichtsbehörden mit der Industrie neu formuliert worden.

So wie 2015 kann es gerne weitergehen

Wer 2015 auf Versicherungsaktien gesetzt hat, hat ein gutes Geschäft gemacht. Platzhirsche wie Allianz oder Münchener Rück haben den Dax bisher deutlich hinter sich gelassen. Allianz sind seit Jahresbeginn um 18,2 Prozent gestiegen, Münchnener Rück um 12,4 Prozent, wobei die Dividenden von 6,85 beziehungsweise 7,75 Euro noch gar nicht eingerechnet sind. Der Dax selbst hat bisher 9,65 Prozent zugelegt (alle Angaben per Stichtag 4.12.15).

Hannover Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
95,75
Differenz absolut
0,41
Differenz relativ
+0,43%

Den Vogel hat aber bisher die Hannover Rück aus dem MDax abgeschossen, die mit 45,54 Prozent in diesem Jahr am stärksten zugelegt hat. Zum Vergleich: Der MDax rückte zwar auch kräftig um 23,4 Prozent vor (und lag damit mal wieder deutlich besser als der Dax), gegen Hannover Rück kommt er aber nicht an. Auch Talanx, die 50,2 Prozent an Hannover Rück halten, stiegen immerhin noch um 14,4 Prozent.

Auch international brauchen sich Versicherungsaktien nicht zu verstecken, gerade auch beim Vergleich mit dem Zinsmarkt. Die Aktie der französischen Axa legte 19,2 Prozent zu und gehört ebenfalls zu den Gewinnern. Lediglich Zurich mussten in Heimatwährung Federn lassen nach einer gescheiterten Fusion mit der britischen Royal Sun Alliance, einem Sachversicherer.

Zinsen auch 2016 nahe Null

Vor allem Personenversicherungen wie die klassische Lebensversicherung haben mittlerweile endgültig vor Mario Draghis Dauer-Nullzins-Politik kapituliert. Das Thema Niedrigzinsen bleibt trotzdem auf der Agenda der Assekuranz ganz oben. In Deutschland bietet von den Großen derzeit nur noch die Allianz dieses Produkt an, das derzeit eine Garantieverzinsung von 1,25 Prozent abwirft und jahrzehntelang das Lieblingskind der deutschen Sparer war.

Renditeentwicklung deutscher Staatsanleihen

Renditeentwicklung deutscher Staatsanleihen. | Bildquelle: Deutsche Bundesbank

Das Zinsumfeld dürfte sich sehr zum Leid der Branche auch 2016 nicht wesentlich ändern, im Gegenteil. Wie der Chart zeigt, sind die Renditen der als risikolos geltenden Bundeswertpapiere schon bis über Laufzeiten von fünf Jahren negativ. Ein weiter schwieriges Marktumfeld also besonders für die deutsche Lebensversicherung, die immer noch den Großteil ihrer Anlagegelder in festverzinslichen Wertpapieren angelegt hat.

Die Innovationskraft der Branche ist angesichts dieser Verhältnisse 2016 im Neugeschäft stärker gefragt denn je. Trend ist dabei, dass immer mehr Kapitalmarktrisiken auf die Schultern der Versicherungsnehmer gepackt werden. Ob Fondsgebundene Lebensversicherung oder lediglich eine Garantie des eingesetzten Kapitals am Laufzeitende. Wer eine neue Leben-Police abschließt, wird zukünftig mehr Risiken am Kapitalmarkt selbst tragen müssen.

Besser sollte es für die Branche in der Sachversicherung laufen, wo Experten trotz des intensiven Wettbewerbs sogar Preiserhöhungen erwarten. Insgesamt, so Experte Schäfer, wird 2016 operativ kaum eine Steigerung zu erwarten sein, bestenfalls eine Stagnation in der Erstversicherung. In der Rückversicherung werden Erlöse und Erträge sogar leicht rückläufig sein.

Solide Bilanzen sind attraktiv

Was aber treibt (und trieb) die Anleger trotz des mauen Zinsumfeldes in die Versicherungsaktien und bescherte ihnen dann auch noch überdurchschnittliche Gewinne? Interessant waren die soliden Bilanzen und die darauf fußenden attraktiven Ausschüttungen. Das wird auch 2016 so sein. Wer als Langfristanleger nicht mit der Erwartung eines bevorstehenden Kursfeuerwerks in den Markt geht, dürfte in dieser Hinsicht sicher wieder auf seine Kosten kommen.

Denn die Gesellschaften werden auch 2016 eine strikt risikoorientierte Zeichnungspolitik fahren. In der Schadenversicherung gilt schon seit langem die Devise, dass die Schaden-Kosten-Quote im Neugeschäft unter 100 Prozent liegen muss. Das operative Geschäft muss also weiter profitabel bleiben, denn die Erträge der Kapitalanlagen schmelzen mit jedem endfälligen festverzinslichen Papier weiter dahin.

Aufteilung der Anlagegelder deutscher Lebensversicher

Aufteilung der Anlagegelder deutscher Lebensversicher. | Bildquelle: Assekurata

Bisher sind die Gesellschaften damit gut gefahren, begünstigt auch durch ein schadenarmes Jahr 2015. In der Bilanz haben sich daraufhin über die Jahre fette Polster gebildet, die die Begehrlichkeiten der Aktionäre wecken. Da das Kapital operativ nicht vielversprechender eingesetzt werden kann, geht ein Großteil eben an die Aktionäre zurück. Fast alle großen Gesellschaften haben Erhöhungen ihrer Ausschüttungsquoten auf im Schnitt 50 Prozent bekannt gegeben und/oder kaufen eigene Aktien zurück.

Die Branche gilt damit als Dividendenbranche schlechthin mit Renditen von im Schnitt über vier Prozent. Sie füllt damit die Lücke, die die Versorger im Zuge der Energiewende verloren haben. Witwen- und Waisenpapiere jedenfalls sind Eon & Co. schon lange nicht mehr, im Gegenteil.

Gerade das Schicksal der Versorger zeigt aber auch, dass Aktien trotz aller vermeintlich solider Relationen eben kein Dauerersatz für festverzinsliche Wertpapiere sind. Dessen sollte sich der Anleger immer bewusst sein. Wer sich aber am Markt bewegt und es solide und eher unspektakulär mag, der kann auch 2016 auf Versicherungsaktien setzen.

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