Skyline von New York vor US-Flagge.

Stresstest mit Bravour bestanden US-Banken summa cum laude

Stand: 29.06.2017, 08:36 Uhr

Die Aktionäre der großen US-Banken können sich die Hände reiben. Die Finanzkrise ist für die amerikanischen Institute endgültig Geschichte. Den Stresstest der Notenbank Federal Reserve haben sie mit Bravour bestanden.

Welch ein Gütesiegel für die amerikanische Kreditwirtschaft. Alle 34 großen Geldhäuser des Landes haben erstmals seit 2011 den alljährlichen Stresstest der Notenbank Federal Reserve (fast) ohne Beanstandung absolviert.

In diesen Tests modelliert die Fed im ersten Teil ein konjunkturelles Krisenszenario und prüft, wie stabil die Bilanzen der Banken in einem solchen Fall sein würden. In einem zweiten Teil stehen neben der Kapitalstärke auch Faktoren wie das Risikomanagement oder interne Kontrollen im Blick.

Die Dividenden steigen

Lediglich ein einziges Institut, die Capital One Financial, wurde angehalten, bis zum Jahresende einen überarbeiteten Finanzplan vorzulegen. Allerdings darf die Bank wie alle anderen Institute auch ihre Kapitalpläne vorantreiben. Dazu gehören Pläne für Aktienrückkäufe oder Dividenden. Vor allem letzteres wird die Aktionäre freuen, denn die Banken haben jetzt von den Aufsehern grünes Licht dafür bekommen, größere Teile ihrer Erträge an die Eigentümer weiterzugeben.

Konkret hat bereits die Bank of America, das zweitgrößte Institut des Landes, als Reaktion auf das gute Zeugnis eine Erhöhung der Dividende um 60 Prozent auf 0,48 Dollar ab dem dritten Quartal angekündigt (in den USA werden die Dividenden meist quartalsweise ausgeschüttet). Großaktionär des Hauses aus Charlotte im Bundesstaat North Carolina ist übrigens Warren Buffett. Auch für ihn also ein warmer Geldregen.

Bank of America-Werbung am Times Square in New York

Aufbruchsstimmung in Manhattan. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auch das wohl größte Sorgenkind während der Finanzkrise, die Citigroup, macht keine halben Sachen. Die Bank will für 15,6 Milliarden Dollar eigene Aktien zurückkaufen und die Dividende auf 0,32 Dollar verdoppeln. Das sei ein weiterer Meilenstein für die Bank, die in der Finanzkrise tief abstürzte und von der US-Regierung gestützt werden musste, sagte Analyst Peter Nerby von der Rating-Agentur Moody's. Auch die US-Tochter der Deutschen Bank, die beim letzten Mal durchgefallen war, hatte keine Probleme.

Spätestens mit dem Amtsantritt der Trump-Regierung haben die Banken wieder Oberwasser. Denn die neue Administration will die regulatorischen Auflagen für die Branche senken, die als Konsequenz aus der Finanzkrise eingeführt worden waren. Das glänzende Bild, das die Branche derzeit bietet, nimmt den Kritikern jedenfalls den Wind aus den Segeln.

Die Börse jubelt

Bankaktien laufen schon lange gut, wie die Charts zeigen. So hat sich der Wert der größten Bank des Landes, JPMorgan Chase, in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Anders als so mancher europäische Staat haben die USA nicht gezögert, die Banken nach der Krise schnell zu rekapitalisieren, so dass sie relativ schnell wieder arbeiten konnten.

Goldman Sachs: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
189,91
Differenz relativ
-0,85%
JPMorgan Chase: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
78,46
Differenz relativ
-1,87%
American Express: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
72,65
Differenz relativ
-0,92%

In einem freundlichen Marktumfeld legten im Leitindex Dow Jones JPMorgan Chase 2,01 Prozent und Goldman Sachs 1,33 Prozent zu. Auch die beiden im Index enthaltenen Kredikartenaktien, Visa und American Express, waren gefragt. Citigroup gewannen 1,48 und die Bank of America 1,14 Prozent.

rm

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JP Morgan, New York

JPMorgan Chase

JPMorgan Chase ist ein Zwitter: Sie ist einerseits Investmentbank, andererseits hat sie ein großes und stabiles Privatkundengeschäft im US-Heimatmarkt. Während der Krise ab 2008 wurden beide Bereiche durch Zukäufe notleidender Konkurrenten gestärkt, die Bank schluckte Washington Mutual und Bear Stearns.

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