Miss IFA 2017

IFA: "Smart-Home"-Geräte im Trend Unterhaltungselektronik im Aufwind

Stand: 04.09.2017, 10:52 Uhr

Leistungsschau der Unterhaltungstechnik: Im Blickpunkt der IFA stehen in diesem Jahr ultraflache Fernseher, neue Smartphones und intelligente Haushaltsgeräte. Die Stimmung in der Branche ist gut. Denn die Deutschen befinden sich in Konsumlaune.

Angesichts des Anlagenotstands und der niedrigsten Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung sitzt das Geld bei vielen Bundesbürgern locker. Besonders für Smartphones und Fernseher geben sie immer mehr Geld aus. Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz der Unterhaltungselektronik-Branche um 2,4 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro. Nimmt man die Hausgeräte noch hinzu, lag der Zuwachs bei 2,2 Prozent.

TV-Geräte und Set-Top-Boxen heiß begehrt

Vor allem Fernseher erlebten ein Comeback - und das, obwohl kein sportliches Großereignis in diesem Jahr für Kaufanreiz sorgte. Der Absatz von TV-Geräten zog in den ersten sechs Monaten um 3,1 Prozent an. Einen regelrechten Boom gab es im Markt für Set-Top-Boxen. Hier schnellte der Absatz um sage und schreibe 255 Prozent nach oben. Grund war die Umstellung auf DVB-T2 und die Abschaltung der analogen Kabelsignale in mehreren Bundesländern.

Der Fernseher-Boom dürfte anhalten. Der Messeveranstalter und Branchenverband GFU rechnet für das Gesamtjahr mit sieben Millionen verkauften TV-Geräten und einem Umsatzplus von 4,3 Prozent. Denn die Bundesbürger zeigen eine hohe Ausgabebereitschaft. 43 Prozent von ihnen sind bereit, mehr als 1.000 Euro für ein Neugerät hinzublättern. Vor einem Jahr waren es gerade mal 30 Prozent. Im Schnitt kostet ein neuer Fernseher 595 Euro.

Starkes Jahr in der Unterhaltungselektronik-Branche

Das starke TV-Geschäft dürfte das Wachstum des klassischen Unterhaltungselektronik-Markts 2017 beflügeln. Der Digitalverband Bitkom prognostiziert ein Plus von 2,6 Prozent auf 9,44 Milliarden Euro. Die Sonderkonjunktur bei Fernsehern kompensiert die schwache Nachfrage nach Digitalkameras. Der Absatz dürfte um 14 Prozent schrumpfen.

Smartphones als Zentrum der Messe

Die diesjährige IFA steht wie noch nie auch im Zeichen der Mobilfunkgeräte. Neben den hochpreisigen Flaggschiffen mit immer neuen Features werden auch Geräte im mittleren Preissegment der Hersteller vorgestellt. Vor allem koreanische und chinesische Hersteller werben damit um neue Kunden. Der Smartphone-Markt in Deutschland dürfte 2017 mit 9,77 Milliarden Euro voraussichtlich einen höheren Umsatz erzielen als der klassische Unterhaltungselektronik-Markt. Das "Alleskönner-Telefon" sei "das Gerät, wofür die Deutschen in den letzten Jahren am meisten Geld ausgegeben haben", sagte Bitkom-Experte Timm Lutter zum Auftakt der Ifa. Laut Bitkom stünden schon heute 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland im Zusammenhang mit dem Smartphone. Vom Nischenprodukt sei das Smartphone zu einem unverzichtbaren Begleiter geworden.

Die gesamte Unterhaltungselektronik-Branche blickt denn auch zuversichtlich auf das näher rückende Weihnachtsgeschäft. "Die Ausgangslage ist hervorragend", meint Hans-Joachim Kampf, Aufsichtsratsvorsitzender des Verbands GFU. Er verweist auf das 16-Jahres-Hoch beim deutschen Konsumklima-Index.

Neues Wachstum im Kameramarkt

Das Smartphone hat dem Markt der Digitalkameras zugesetzt, doch Sony will sich nun dagegenstemmen. Auf der IFA in Berlin stellte das japanische Unternehmen mit der "RXO" eine neue Kompaktkamera vor. Der Kameramarkt sei vor allem in Deutschland nach wie vor "richtig groß", sagte Shigeru Kumekawa, Europa-Chef von Sony, der Deutschen Presse-Agentur. "Deutschland ist für uns der wichtigste Markt." Besonders im hochwertigen Segment gebe es kräftigen Zuwachs. "Viele kommen zurück."

Auch Kameras für 360-Grad-Aufnahmen, neue 3D-Drucker, Freizeit-Drohnen, Fitness-Armbänder und Smartwatches dürften zu den Trends der diesjährigen Ifa zählen. Eine eigene Halle widmet sich den "Wearables", also den Geräten mit Sensoren, die körpernah getragen werden. Erstmals wird es eine Bühne für Innovationen geben: Die "Ifa Next" in Halle 26 präsentiert neue Produkte und Lösungen rund um Virtual Reality, Künstliche Intelligenz, Smart Living, Digital Health und das Internet der Dinge.

Immer mehr vernetzte Haushaltsgeräte

Das eigentliche große Thema der Messe ist aber die Vernetzung. Viele Aussteller zeigen, wie das Smartphone immer mehr in den Haushalt vordringt. Hausgerätehersteller wie Siemens, Bosch, Philips & Co präsentieren in mehreren Hallen intelligente Heizungen, Staubsauger, Waschmaschinen, Lampen und Zahnbürsten. Dabei setzen die Anbieter auf die neuen Möglichkeiten der Sprachsteuerung. Die digitalen Assistenten Alexa und Google Home geben Auskunft, lesen Rezepte vor, schalten die Waschmaschine ein, fahren Rolläden herunter oder beleuchten den Keller. Sie sollen den Alltag erleichtern, Zeit sparen und dem "Smart Home" endlich zum Durchbruch verhelfen. "Die Sprachsteuerung ist 2017 die treibende Kraft auf dem Smart-Home-Markt", sagt Wolfgang Gründinger vom Bundesverband Digitale Wirtschaft.

Das würde den Aktien von Alphabet, Amazon und vielleicht auch Apple neuen Schub verleihen. Sie sind allerdings in den letzten Monaten schon stark gelaufen. Größeren Nachholbedarf haben andere Unterhaltungselektronik-Aktien: zum Beispiel die Titel von Sony oder Acer.

nb/AB

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Samsung The Frame TV

Samsung The Frame TV

Dass ein TV-Gerät nicht nur zum Fernsehen dient, beweist Samsung auf der IFA. Das neuartige Modell "The Frame" zeigt Kunstwerke und Fotografien, sobald das Fernsehprogramm nicht läuft. "Statt wie ein traditioneller Fernseher als schwarze Fläche das Wohnzimmer zu dominieren, wird The Frame im Art Mode zum Kunstwerk", erklärt Kai Hildebrandt von Samsung Deutschland. Das Gerät mit einem 55 Zoll großen Bildschirm soll für 2.300 Euro in den Handel kommen. Wer zehn Zoll mehr haben will, muss 3.200 Euro zahlen.

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