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Gekürzte Dividenden
Telekom-Aktien auf sinkendem Ast
Als Anleihenersatz waren sie bisher in aller Munde, schlug die Dividendenrendite der Telekom-Aktien doch regelmäßig die der Festverzinslichen. Nun werden die Ausschüttungen gekürzt oder ganz gestrichen. Verlieren die Papiere damit noch mehr an Attraktivität?
Fast 40 Prozent hat die Telefonica-Aktie in diesem Jahr bereits eingebüßt. Doch für die Aktionäre des spanischen O2-Mutterkonzerns kommt es noch dicker: Ihnen wurde für 2012 die Dividende komplett gestrichen. Zuvor hatte das Unternehmen seinen Anteilseignern 1,52 Euro gezahlt. Bei einem Aktienkurs von zuletzt 10,20 Euro ergäbe das eine Rendite von fast 12 Prozent. Doch daraus wird nun nichts. Nach dem Ausfall in diesem Jahr hat Telefonica für das nächste Jahr eine Halbierung der Ausschüttung in Aussicht gestellt - mit entsprechenden Folgen für die Dividendenrendite.
Damit befindet sich der Konzern aus Madrid in bester Gesellschaft. Wegen des Preiskriegs auf dem Heimatmarkt setzt auch der französische Telekomkonzern France Télécom seine Aktionäre auf Diät. So soll die Gewinnausschüttung in diesem und im nächsten Jahr auf nur noch 0,80 Euro je Anteilsschein absinken.
Auch andere Telekom-Konzerne kürzen
Bislang hatte das Unternehmen für dieses Jahr eine Dividende zwischen 1,21 und 1,35 Euro pro Aktie in Aussicht gestellt. Im vergangenen Jahr wurden sogar 1,40 Euro gezahlt. Wegen des kräftig auf nur noch gut zehn Euro eingebrochenen Aktienkurses hatte sich daraus eine zweistellige Dividendenrendite ergeben.
Davon müssen die Anleger nun Abschied nehmen. Allerdings ist der Titel mit nur noch acht Euro derzeit so billig wie seit zehn Jahren nicht mehr, so dass die erwartete Dividendenrendite für 2012 trotz der Einschnitte immer noch höher ausfallen dürfte als bei anderen europäischen Konkurrenten - von Bundesanleihen ganz zu schweigen.
Auch die Telekom Austria lässt ihre Aktionäre spüren, dass die fetten Jahren vorbei sind. Sie kürzte die Ausschüttung für dieses Jahr auf 5 Cent von 38 Cent je Aktie im Vorjahr. Die niederländische E-Plus-Mutter KPN stutzte bereits kurze Zeit nach dem Einstieg des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim die Ausschüttung drastisch. Statt der erwarteten 90 Cent je Aktie werden es wohl nur 35. Mit den dadurch frei werdenden Mitteln sollten angesichts des ungewissen konjunkturellen Umfelds Schulden abgetragen werden, hieß es.
Was macht die Deutsche Telekom?
In der vergangenen Woche ist nun auch die Deutsche Telekom unter Verdacht geraten, ihre langjährige Dividende von 70 Cent kürzen zu wollen. Angesichts hoher Abschreibungen und Ausgaben für den Netzausbau denke das Unternehmen darüber nach, seine Dividende ab 2013 zu senken, berichtete das "Handelsblatt".
Danach gibt es Überlegungen, die Ausschüttung um bis zu ein Drittel zu verringern. Damit wolle der Telekommunikationskonzern mehr finanziellen Spielraum für Investitionen in seine Netze und in neue Produkte schaffen, heißt es in dem Bericht. Der Konzern wollte sich bisher nicht zu dem Bericht äußern. Ein Sprecher sagte nur, es gebe keine Beschlüsse dazu, "daher auch keine Aussage". Mehr zur künftigen Dividendenpolitik erhoffen sich die Anleger an diesem Donnerstag, wenn die Telekom ihre Quartalszahlen vorlegt.
Immer noch überdurchschnittliche Rendite
Sollte die Dividende wie im Fall von Telefonica nicht völlig gestrichen werden, können die Aktionäre vieler europäischer Telekom-Aktien immer noch mit einer überdurchschnittlichen Rendite von vier bis fünf Prozent rechnen.
Wer derzeit deutsche Staatsanleihen kauft, erhält bei einer Laufzeit von zehn Jahren nur rund 1,5 Prozent Zinsen, bei kürzeren Laufzeiten liegen die Renditen sogar weit unter einem Prozent. In diesen Regionen bewegen sich inzwischen auch die meisten Angebote für Tagesgeld.
Anderes Risikoprofil
Experten wie Bruno Gisler und Jürg Furrer von der Vermögensverwaltung Acquila geben aber zu bedenken, dass Anleger, die Anleihen durch Aktien mit einer hohen Dividendenrendite ersetzen, ein völlig anderes Risikoprofil bekommen. Denn Aktien sind und bleiben deutlich riskanter und schwankungsanfälliger als die meisten Obligationen. Anleger sollten deshalb prüfen, ob ihre Risikobereitschaft oder -fähigkeit groß genug ist für eine Erhöhung des Aktienanteils in ihrem Portfolio.
Bei Auslands-Aktien gilt überdies zu beachten, dass die Dividenden oft bereits mit einer Quellensteuer belegt sind. Anleger, die sich die zu viel gezahlte Quellensteuer aus dem Ausland zurückholen wollen, müssen sich leider auf einen lästigen Papierkrieg einstellen.
Stand: 05.11.2012, 15:23 Uhr