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Banken

Die Skyline von Frankfurt am Main

Kurseinbußen von bis zu 25 Prozent

Stehen Europas Banken vor dem Kollaps?

Stand: 29.06.2016, 13:12 Uhr

Das Brexit-Votum hat die Anleger überrascht und entsprechend hart getroffen. Doch keine Branche ist so tief gefallen wie die Banken. Daran ändert auch die jetzt einsetzende Erholung nichts. Droht Europas Banken der Kollaps?

Tatsächlich ist der Branchenindex EuroStoxx Banks in den ersten beiden Handelstagen nach dem Brexit-Votum um sage und schreibe 25 Prozent eingebrochen, während die Leitindizes der Börsen in Frankfurt und Paris insgesamt nur um rund zehn Prozent gesunken sind.

Besonders hart hat es die italienische Großbank UniCredit sowie die britische Investmentbank Barclays getroffen. Deren Kurse haben rund ein Drittel an Wert eingebüßt. Nur wenig glimpflicher ist es den heimischen Geldhäusern ergangen. Die Papiere der Deutschen Bank sind auf den tiefsten Stand seit Anfang der Neunziger Jahre gesunken. Auch die Aktien der Commerzbank waren zeitweise so billig wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

BaFin-Chef versucht zu beruhigen

Die Entwicklung ist so dramatisch, dass selbst Deutschlands oberster Bankenaufseher Felix Hufeld sich genötigt fühlte, den Banken zur Seite zu springen. "Die Risikomanagement-Systeme bei Banken und Börsen funktionieren", sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Das gelte auch für die Deutsche Bank, die in London stark vertreten ist. "Die Deutsche Bank ist sicher", sagte Hufeld. Daran habe der Brexit nichts geändert.

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Doch warum sind Deutsche Bank, UniCredit, Barclays & Co dann so tief gefallen? Die Gründe für den übrigens schon seit Jahren anhaltenden Niedergang sind vielfältig. Tatsächlich leiden viele Banken Europas noch immer unter den Folgen der Finanzkrise und schleppen milliardenschwere faule Kredite mit sich herum. Die wurden meist in internen Bad Banks versteckt - die Deutsche Bank nennt sie Non Core Operations Unit - belasten aber immer noch die Bilanzen.

Zu geringe Eigenkapitalausstattung

Gleichzeitig leiden Europas Banken unter einer vergleichsweise geringen Eigenkapitaldecke. Analysten befürchten, dass es etwa dem deutschen Branchenprimus nicht schnell genug gelingen könnte, seine Kapitalausstattung aus dem operativen Ergebnis aufzupolstern, wenn die Zinsen wegen des Brexit niedrig bleiben und sich die Wachstumsaussichten in der EU eintrüben.

Kein freundliches Szenario also für eine rasche Kurserholung. BaFin-Chef Hufeld versucht deshalb zu beruhigen und sagt, Kapitalerhöhungen seien im Moment kein Thema. Dennoch richtet die BaFin ein besonderes Augenmerk auf mögliche Liquiditätsabflüsse und sinkende Ratings für einzelne Institute, die deren Refinanzierungskosten in die Höhe schnellen lassen. Ein weiterer Grund zur Beunruhigung ist die anhaltende Ertragsschwäche vieler Institute in einem Umfeld extrem niedriger Zinsen, hohen Regulierungskosten und einer zunehmenden Konkurrenz durch Start-ups, die immer mehr Apps zur Einrichtung von Girokonten und Wertpapierdepots anbieten.

Brexit könnte Krise verschärfen

ARD-Börsenstudio: Mischa Ehrhardt

ARD-Börse: Brexit setzt Bankaktien zu

In diesem angespannten Umfeld könnte ein Brexit die Krise der Banken noch verschärfen, so die Befürchtung vieler Experten. So glaubt die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs, dass die Erlöse und Margen der europäischen Banken so weit schrumpfen könnten, dass die Gewinne bis 2018 um rund elf Prozent sinken werden, falls es tatsächlich zu einem Austritt Großbritanniens aus der EU kommen sollte. Dabei handelt es sich um die potenzielle Summe von 32 Milliarden Euro.

Den britischen Banken werde der Brexit am meisten weh tun, so die Goldman-Experten. Sie rechnen mit rund zehn Milliarden weniger Gewinn für die Geldhäuser der Insel. Zwei Banken wurden von Goldman sogar heruntergestuft: Barclays und Shawbrook Group. Bei Barclays würden betriebsbedingte Risiken die Bilanz belasten. Die Bank würde ihren "EU-Pass" verlieren. Damit sind die einheitlichen regulatorischen Vorschriften für Banken und Finanzdienstleister gemeint, die innerhalb der EU gelten und die Abwicklung von Finanzgeschäften erleichtern.

Goldman Sachs schlägt Alarm

Nach Ansicht von Goldman Sachs sind im Falle es eines Brexit auch Banken der nördlichen EU-Mitglieder sowie der Benelux-Staaten von einem Rückgang der Geschäfte betroffen. Die Deutsche Bank sei da besonders gefährdet, so die Goldman-Analysten, weil ihr Investmentbanking von London aus gesteuert werde.

Nach dem Tief am Montag haben sich die Kurse der Finanzwerte wieder etwas erholt. Doch vom Niveau der vergangenen Woche sind sie noch weit entfernt. Eine Nullzinspolitik, gepaart mit schleppender Konjunktur, hohen Regulierungsanforderungen und einer wachsenden digitalen Konkurrenz dürften die Bankenbranche also noch eine ganze Weile im Griff behalten.

lg

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