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Stahlproduktion

Hilfe aus China?

Stahlkocher sehen Licht am Ende des Tunnels

Stand: 01.03.2016, 10:35 Uhr

Die westlichen Stahlkonzerne ächzen seit Jahren unter der anhaltenden Überproduktion und der schwächelnden Weltkonjunktur. Nun gibt es erste Anzeichen der Besserung. Davon profitiert auch der Händler Klöckner.

Der von der Branchenkrise gebeutelte Stahlhändler Klöckner & Co setzt nach Verlusten im vergangenen Jahr auf eine Belebung der Geschäfte. 2016 peile der Konzern einen deutlichen Anstieg des operativen Ergebnisses und ein leicht positives Ergebnis an, teilte das Unternehmen am Morgen mit.

Sowohl in Europa als auch den USA erwartet Vorstandschef Gisbert Rühl eine etwas stärkere Stahlnachfrage. 2017 solle es weiter bergauf gehen. Im vergangenen Jahr habe KlöCo wegen des Preisdrucks in der Branche und hoher Abschreibungen einen Fehlbetrag von 347 Millionen Euro eingefahren. Eine Dividende gibt es nicht.

Erwartungen übertroffen

Die Branche steckt seit Jahren in der Krise. "Die vor allem durch die Überproduktion in China auf die Weltstahlmärkte drängenden Mengen an Billigstahl haben auch bei uns deutliche Spuren in der Umsatz- und Ergebnisentwicklung hinterlassen", sagte Rühl. Er steuert mit Kostensenkungen gegen. Zudem will sich KlöCo stärker auf gewinnträchtigere Produkte konzentrieren, bei denen der Konzern den Kunden einen Teil der Bearbeitung abnimmt.

Im vierten Quartal konnte KlöCo mit einem operativen Ergebnis von elf Millionen Euro die Markterwartungen übertreffen. Für Januar bis Ende März stellte Rühl ein Ebit von zehn bis 15 Millionen Euro in Aussicht nach zehn Millionen im Vorjahreszeitraum. Ab dem zweiten Quartal dieses Jahres solle es deutlich bergauf gehen.

1,8 Millionen Stahlarbeiter weniger?

An der Börse kommen die Aussichten gut an. Die im MDax notierten Klöckner-Aktien steigen zeitweise um über fünf Prozent an und sind damit die mit Abstand stärksten Werte in dem Index. Kräftig nach oben geht es heute auch mit den Papieren der beiden Stahlkonzerne ThyssenKrupp und ArcelorMittal.

ThyssenKrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,58
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-0,38%

Arcelor gewinnen zeitweise über fünf Prozent, Thyssen über zwei Prozent. Grund sind Meldungen, wonach China beabsichtigt, seine Stahlproduktion zu reduzieren und zahlreiche Arbeitsplätze abzubauen. Die Jobs sollen im Zusammenhang mit dem verschärften Vorgehen der Behörden gegen Überkapazitäten und Umweltverschmutzung wegfallen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen zu Reuters. Gestern hatte die Regierung in Peking angekündigt, zum Abschmelzen der Überkapazitäten in der Kohle- und Stahlindustrie 1,8 Millionen Arbeiter entlassen zu wollen. Ein Zeitplan dafür nannte sie nicht.

Blick auf den Volkskongress

Experten verweisen auf den Nationalen Volkskongress, der am kommenden Wochenende in Peking beginnt und weitreichende wirtschaftliche Entscheidungen treffen dürfte. Die Delegierten könnten über eine Reduzierung der Stahlproduktion ebenso entscheiden wie über eine Absenkung der Wachstumsprognose des Landes. Bisher rechnet die Regierung mit einer Spanne 6,5 bis 7,0 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg 2015 mit offiziell 6,9 Prozent so langsam wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

lg

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