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Stahl

Stahlproduktion bei Salzgitter

Strafzölle verhängt

Erste Hilfe aus Brüssel beflügelt Stahlaktien

Stand: 12.02.2016, 15:18 Uhr

Am Montag wollen Europas Stahlkocher in Brüssel im Rahmen einer Großdemonstration gegen die Dumpingpreise aus China protestieren. Jetzt kündigt die EU erste Hilfen an.

Danach will die Brüsseler Kommission bestimmte Stahlerzeugnisse aus China und Russland vorläufig mit Einfuhrzöllen belegen. Die Aufschläge sollen zwischen 13,8 und 26,2 Prozent betragen. Betroffen sind chinesische und russische Erzeugnisse wie nahtlose Rohre, schwere Bleche und warmgewalzter Flachstahl.

Allesandro Abate von der Privatbank Berenberg schätzt, dass damit auch die Preise für diese Produkte aus der Eurozone um mindestens 20 bis 30 Euro pro Tonne steigen könnten. Die Meldung hat bei den seit Wochen unter heftigem Druck stehenden Stahlaktien für Entspannung gesorgt. Die Papiere von Salzgitter, Deutschlands zweitgrößtem Stahlhersteller, schossen um bis zu elf Prozent in die Höhe. Aber auch ThyssenKrupp-Titel wurden von der Nachricht aus Brüssel beflügelt und legen trotz neuerlicher Quartalsverluste deutlich im Plus

Wasser bis zum Hals

Tatsächlich steht Europas Stahlherstellern derzeit das Wasser bis zum Hals. So haben die Billigimporte aus China und Russland ArcelorMittal, dem in Luxemburg ansässigen größten Stahlkonzern der Welt, im vergangenen Jahr einen Verlust von 7,9 Milliarden Dollar beschert. Auch im operativen Geschäft lief es deutlich schlechter. Der Umsatz brach vor allem wegen gesunkener Stahlpreise um ein Fünftel auf 63,6 Milliarden Dollar ein.

ThyssenKrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch der deutsche Branchenprimus ThyssenKrupp ist wegen der Dumpingimporte im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2015/16 wieder zurück in die roten Zahlen gerutscht. Analyst Björn Voss vom Hamburger Analysehaus Warburg Research rechnet sogar damit, dass das Jahr für ThyssenKrupp härter werden könnte als zunächst erwartet.

Kein unfairer Wettbewerb

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström sagte, dass Handelsbeschränkungen die Probleme der Stahlbranche zwar nicht alleine lösen könnten, die Kommission wolle sich aber dafür einsetzen, dass die europäischen Hersteller möglichst zu den gleichen Bedingungen produzieren könnten wie die Konkurrenten aus dem Ausland. "Wir können nicht zulassen, dass unfairer Wettbewerb durch künstlich verbilligte Importe unsere Industrie gefährdet."

Doch ganz so einfach ist das natürlich nicht. Noch immer sind die Löhne und Gehälter in China und Russland oder auch in Brasilien deutlich niedriger als in Europa. Entsprechend günstiger können die Firmen dieser Länder ihre Produkte anbieten. Zudem profitieren sie von der Abwertung ihrer Währungen. Auch hält die EU an ihren Vorhaben fest, China den Status einer Marktwirtschaft zuzusprechen. Dies würde die Einfuhren nach Europa erleichtern und somit die hiesigen Stahlhersteller weiter unter Druck setzen.

lg

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