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Branchen

Eine Frau raucht eine Zigarette

Von institutionellen Investoren heiß begehrt

Sind Tabak-Aktien eine Sünde wert?

von Angela Göpfert

Zugegeben: Aus moralischer Sicht mag ein Investment in Aktien von British American Tobacco, Philip Morris, Altria & Co. verwerflich sein. Doch der Depot-Performance könnten Tabak-Titel durchaus von Nutzen sein.

Tatsächlich dürften den meisten Privatinvestoren zunächst eher Gründe einfallen, die gegen ein Investment in Tabak-Aktien sprechen: Werbe- und Verkaufsverbote, sinkende Einkommen in vielen Ländern, Erhöhungen der Tabaksteuer und teure Gerichtsprozesse.

Dennoch sollten Anleger Tabak-Aktien aus diesen Gründen nicht voreilig abschreiben, das lehrt allein schon die Börsengeschichte. Wir erinnern uns: Vor zehn Jahren galt die Branche als dem Untergang geweiht. Damals wurden weltweit Werbeverbote durchgesetzt. Doch die Pessimisten sollten nicht Recht behalten.

Eine äußerst renditeträchtige Branche

Heute steht die Tabak-Branche "gesünder" da denn je. Laut einer Bloomberg-Analyse des MSCI World Tobacco Index warfen die Aktien der Tabak-Industrie von allen 67 MSCI-Branchen in dem Jahrzehnt von 2001 bis 2011 die höchsten Renditen ab. Tatsächlich dürfte beim Blick auf die langfristigen Charts der Tabak-Konzerne wohl das Herz eines jeden strategischen Anlegers höher schlagen.

Und die Rally hält an: Viele Tabak-Aktien haben zuletzt neue Allzeithochs markiert, darunter die Branchenriesen British American Tobacco und Philip Morris. Was also macht Tabak-Aktien für viele Anleger so begehrenswert?

Volumenrückgänge durch Preissteigerungen überkompensiert

Zunächst einmal zeichnen sich Tabakkonzerne durch die schier unglaubliche Fähigkeit aus, Preiserhöhungen durchzusetzen. Trotz der bei fast allen globalen Marken zu beobachtenden Volumenrückgänge konnten sie ihre Umsätze und letztlich auch Gewinne über die vergangenen Jahre konsequent in die Höhe treiben.

Zigaretten liegen auf einem Stapel

Zigarette Zigaretten rauchen Philip Morris 1408. | Quelle: picture-alliance/dpa

Und in Europa könnten die Tabak-Firmen aller regulatorischen Einschränkungen zum Trotz sogar ein Comeback erleben. Sowohl BAT als auch Imperial und Philip Morris arbeiten derzeit an eigenen Versionen der in vielen europäischen Metropolen gehypten elektronischen Zigaretten.

Weiterer Pluspunkt: Der hohe Free Cash-Flow…

Darüber hinaus stecken die Tabak-Riesen jedoch nur wenig Geld in Forschung und Entwicklung. Und das ist aus Aktionärssicht auch gut so. Das hält nämlich die Kosten niedrig und den Free Cash-Flow hoch. Gewinne können somit direkt in Form von Dividenden zurück an die Aktionäre fließen.

Die hohe Dividendenrendite (Philip Morris 3,9 Prozent, BAT 4,3 Prozent) macht Tabak-Titel auch für viele Vermögensverwalter und Fondsmanager attraktiv:

»Bei Tabak-Aktien steht eine hohe und stabile Dividende im Vordergrund des Anlegerinteresses.«

Jens Ehrhardt, Vermögensverwalter DJE Kapital AG

… garantiert verlässlich hohe Dividendenrenditen

Mit dieser Meinung steht Ehrhardt in der Riege der institutionellen Investoren keineswegs alleine da: Auch für Fondsmanager Colin Morton haben sich Tabak-Aktien dank ihrer großzügigen Dividenden ihren Platz in seinem Franklin UK Equity Income Fund "mehr als verdient".

Und Michael Clark, Portfolio-Manager des Fidelity MoneyBuilder Dividend Fund, hat aus dem gleichen Grund Tabak-Aktien "übergewichtet".

Geld zählen

Dividende Geld Euro 1408. | Quelle: colourbox

Für Aufregung ist aber auch gesorgt

Darüber hinaus glänzen die Aktien der Branche mit einer weit unterdurchschnittlichen Volatilität – das schont die Anlegernerven. Für Aufregung dürften hingegen auch künftig die milliardenschweren Gerichtsprozesse insbesondere in den USA sorgen. Sie sind und bleiben wohl eines der größten Risikofaktoren, die es bei einem Investment in diese Branche zu beachten gilt.

Aber auch das von der EU geplante Verbot von Slim- und Mentholzigaretten sowie von E-Zigaretten würde einzelne Branchenvertreter schwer treffen. Wer das Risiko streuen möchte, ist daher mit einem ETF auf den Branchen-Index MSCI World Tobacco besser dran.

Tabak-Aktien schon zu teuer?

Ein weiteres "Problem" der Tabakwerte ist, dass viele von ihnen auf oder nahe Allzeithoch notieren. Und viele Anleger schrecken nun einmal vor dem Kauf von Aktien zurück, die auf Allzeithoch notieren. Diese seien einfach schon zu teuer, heißt es häufig zur Begründung. Im Sprech der Behavioral Finance wird dieses Phänomen auch als "all-time-high bias" bezeichnet.

Behavioral Finance

Die Behavioral Finance beschäftigt sich mit der Psychologie der Anleger. Sie widerspricht klar dem Bild des Homo oeconomicus, der alles weiß und stets effizient und rational handelt. Stattdessen will sie aufzeigen, wie Anlageentscheidungen tatsächlich zustande kommen und welche Fehler Anleger dabei immer wieder typischerweise machen.

Tatsächlich ist aber mit der Markierung eines neuen Rekordhochs nur ganz selten das Ende der Fahnenstange erreicht. Viel häufiger sind nach einer kurzfristigen Korrektur in der mittelfristigen Perspektive anschließende Kursgewinne.

In der technischen Analyse gilt die Markierung eines Allzeithochs sogar als eines der besten Kaufsignale überhaupt, stößt die Aktie damit doch in so genanntes "uncharted territory" vor. Historische Widerstände sind hier naturgemäß nicht mehr auszumachen.

Fazit: Rendite ist alles?!

Auch wenn Tabak-Aktien nicht mehr so billig zu haben sind, wie noch vor Jahren: Zigaretten sind weitgehend sicher und relativ risikoarm – solange man sie nicht raucht, sondern in sie investiert. Ob sich Anleger allerdings Aktien einer Branche ins Depot holen wollen, deren Produkte ihre Kunden letzten Endes töten, das bleibt ihre ganz persönliche Gewissensentscheidung.

Stand: 18.06.2013, 13:58 Uhr

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