Seitenueberschrift

Automobile

Mercedes, Audi und BMW

Nach dem Kurseinbruch

Sind Autoaktien jetzt ein Kauf?

von Lothar Gries

Für die Anleger von Volkswagen, Daimler & Co kam es zuletzt knüppeldick. Die Papiere rauschten um bis zu 25 Prozent in den Keller. Von diesen Tiefstwerten haben sich die Autobauer wieder erholt. Und glaubt man den Experten, sind die Papiere noch deutlich unterbewertet.

So trauen die Analysten der Commerzbank und des Analysehauses Warburg Research der Daimler-Aktie einen Anstieg auf mindestens 80 Euro zu, nachdem das Unternehmen im dritten Quartal einen Absatzrekord eingefahren hat.

Eckzahlen hatten die Stuttgarter bereits vergangenen Dienstag bekannt gegeben. Seitdem ist die Aktie um mehr als fünf Prozent gestiegen, während sich der Dax im selben Zeitraum nur um 1,5 Prozent verbessern konnte. Auch ein Blick auf das KGV von knapp 10 deutet darauf hin, dass das Papier eigentlich unterbewertet ist, liegt doch das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei den Dax-Konzernen im Schnitt der vergangenen Jahre bei über 14. Und bei einem heutigen Kurs von knapp 60 Euro hätte die Daimer-Aktie also noch erheblich Luft nach oben.

Noch beträchtliches Potenzial

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
60.18
Differenz absolut
-0.20
Differenz relativ
-0.33%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
160.45
Differenz absolut
-0.85
Differenz relativ
-0.53%

Damit befindet sie sich in guter Gesellschaft. Auch bei den Vorzügen von Volkswagen klaffen Realität und vermeintliches Potenzial noch weit auseinander. So beziffern die meisten Analysten den fairen Wert des Wolfsburger Autobauers auf mehr als 200 Euro. Allein die Experten der Deutschen Bank trauen dem Papier ein Kursziel von 205 Euro zu. Das Hamburger Analysehaus Warburg Research hält sogar einen Anstieg auf 230 Euro für möglich. Dabei verweisen die Fachleute nicht nur auf die anhaltend guten Absatzchancen des Unternehmens, sondern auch auf das niedrige KGV von gerade einmal 7,5.

Auch die BMW-Aktie ist von ihrem Jahreshöchstkurs bei 96 Euro noch ein gutes Stück entfernt. Dabei dürften die Bayern bei der Vorlage ihrer Quartalszahlen am 4. November nach Ansicht von Analysten hervorragende Zahlen präsentieren. In China dürfte China zwar Marktanteile verloren haben, glaubt Deutsche Bank-Analyst Jochen Gehrkein, in der Nafta-Region, also in Nordamerika und Mexiko, aber gewonnen haben. Und mit einem KGV von knapp 9 scheint auch diese Aktie günstiger als der Gesamtmarkt. Ein Kursziel von 103 Euro hält der Experte deshalb für möglich.

Risiken bleiben

Die erwartete oder wie im Fall von Daimler tatsächliche Absatzstärke der heimischen Autobauer sowie der heftige Kursrückgang im Herbst sprechen also für einen (Wieder-)Einstieg bei diesen Werten - zumal die Papiere ihren Boden gefunden zu haben scheinen und sich von ihren Jahrestiefständen bereits erholt haben.

Somit erscheint das Kurspotenzial beträchtlich, zumal die Autowerte von ihren Jahreshöchstständen sowie von den Kurszielen der Analysten noch meilenweit entfernt sind. Allerdings haben sich die zahlreichen, zu den Kurseinbrüchen beigetragenen Risiken bis heute nicht verflüchtigt. Deshalb bleibt die Frage, wie lange Daimler und seine deutschen Konkurrenten den Aufwärtstrend der letzten Monate noch halten können.

Rückgang in Russland und anderen Schwellenländern

In Europa ist der Hoffnungsmarkt Russland wegen des Konflikts um die Ukraine eingebrochen. Dies dürfte besonders die Premiumhersteller Audi, Mercedes und BMW treffen. Unheil droht auch aus China. Am weltgrößten Pkw-Markt hat das Wachstumstempo zuletzt spürbar nachgelassen. Gleichzeitig sind besonders einige Premiumhersteller in den Fokus der chinesischen Wettbewerbsbehörden geraten, wegen Verdachts auf illegale Preisabsprachen.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
82.29
Differenz absolut
-0.86
Differenz relativ
-1.03%
Audi: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
630.10
Differenz absolut
1.45
Differenz relativ
+0.23%
Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
151.30
Differenz absolut
-1.50
Differenz relativ
-0.98%

Auch in anderen Teilen der Welt haben sich die Aussichten zuletzt eingetrübt. Daimler-Chef Dieter Zetsche persönlich hat in einem Interview mit dem "Handelsblatt" vom 8. September ein schwarzes Bild für die Automärkte in wichtigen Schwellenländern wie Indien und Brasilien gemalt. Nicht gerade förderlich für den Autoabsatz ist natürlich auch die schwache europäische Konjunktur. Die für Daimler und für VW mit den Töchtern MAN und Scania wichtigen Lkw-Sparten dürften noch stärker unter der schwächelnden Konjunktur.

Hausgemachte Probleme

In einigen Fällen, wie bei Volkswagen, erschweren auch hausgemachte Probleme die Lage. So erwirtschaftet besonders die Kernmarke VW eine im Branchenvergleich niedrige Marge. Auch kämpft der Konzern in den USA mit rückläufigen Absätzen, weil das von den US-Verbrauchern nachgefragte Modell erst 2016 auf den dortigen Markt kommt.

Chancen und Risiken liegen also bei den deutschen Automarken eng beieinander. Die bei VW, BMW und dem Zulieferer Continental noch anstehenden Quartalsbilanzen dürften allerdings für etwas mehr Klarheit sorgen.

Darstellung: