Fracking in Pennsylvania

Die Fracking-Preisspirale - abwärts Ölpreis gen 30 Dollar?

Stand: 22.06.2017, 11:45 Uhr

Und weiter geht die Talfahrt beim Öl. Die Nordseesorte Brent ist inzwischen das Fass wieder für weniger als 45 Dollar zu haben - so billig wie seit sieben Monaten nicht mehr. Und es könnte noch viel billiger werden. Das alte Tief von knapp 28 Dollar? Gar nicht so abwegig. Schuld sind die neuen Preismacher am Ölmarkt: die Fracking-Firmen.

Was früher die Opec, sind heute die vielen Fracking-Firmen in den USA. Sie gestalten die Preise am Ölmarkt. Da können die Opec-Länder noch so viel Förderkürzungen beschließen: Wenn die Amerikaner das immer wieder ausgleichen und ihre Fördertürme hochfahren, gibt es eben Öl im Überfluss. Und das drückt die Preise wieder.

Wie entwickelt sich das weiter? Am Finanzmarkt schaut man immer wieder darauf, wie voll die Öl-Lager sind. Am Mittwoch hatte vorübergehend ein etwas stärker als erwartet ausgefallener Rückgang der wöchentlichen US-Vorräte gestützt. Aber nur kurz.

"Fracken, was der Schiefer hergibt"

Allgemein setzt sich die Meinung durch, dass das Überangebot noch weiter anhält. So fiel die Sorte Brent aus der Nordsee wieder unter 45 Dollar das Barrel, zeitweise war das 159 Liter große Fass für 44,36 Dollar zu haben. Die US-Sorte WTI sank bis auf 42,05 pro Fass. Denn die Schiefergasproduktion läuft auf Hochtouren.

"Öl ist billig, weil die USA fracken, was der Schiefer hergibt, und damit die Entscheidung der OPEC, bis März 2018 weniger zu fördern, verpufft", sagte Ulrich Stephan, Anlagestratege der Deutschen Bank. Ähnlich Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg: "Das Überangebot ist noch lange nicht verschwunden und die OPEC trotz ihrer eisernen Disziplin nicht am Ziel."

Die Bohrloch-Statistiken zeigen die Aufbruchstimmung. Seit Monaten nimmt die Ölproduktion zu. Viele Fördertürme gehen wieder in Betrieb. Die Zahl der Bohrlöcher steigt und steigt - nun schon seit 22 Wochen in Folge. Von dem Tiefpunkt im Mai 2016 bei 400 Bohrstellen kletterte die Zahl auf jetzt 747 Bohrlöcher, wie die jüngsten Zahlen der Ausrüsterfirma Baker Hughes zeigen. Es ist der höchste Wert seit mehr als zwei Jahren.

Und theoretisch ist da noch viel mehr drin. Zu Spitzenzeiten, im Oktober 2014, waren 1.609 Öl-Bohrlöcher in den USA in Betrieb. Der höchste Wert, den Baker Hughes in seinen seit 1987 geführten Statistiken zählte. Durchaus denkbar, dass diese Werte wieder erreicht wird - und vielleicht noch mehr.

Grafische Darstellung der Fracking-Methode

So läuft Fracking: mit Chemikalien wird Öl aus Gestein gespült. | Quelle: picture-alliance/dpa

Die Fracking-Preisspirale

Als Öl 2015 und 2016 immer billiger wurde, hatten etliche Fracking-Firmen dicht machen oder die Zahl ihrer Bohrlöcher reduzieren müssen. Die Öl-Förderung kostete mehr, als sich damit erlösen ließ. Ein Verlustgeschäft also. Als Schmerzgrenze galten vor zwei Jahren noch 70 Dollar, dann 50 Dollar. Preise darunter waren nicht lange zu verschmerzen. Der Tiefpreis von rund 28 Dollar bei WTI Anfang 2016 kostete etliche Unternehmen die Existenz.

Fracking ist zwar deutlich teurer als die konventionelle Förderung. Aber irgendwann wurde der Ölpreisverfall auch für die Opec-Länder existenzbedrohend. Sie einigten sich auf die Drosselung der Produktion, um das Überangebot zu beseitigen und den Preis zu stabilisieren. Ein Glücksfall für die US-Fracking-Firmen. Der von der Opec-Einigung ausgelöste Preisanstieg hat den Amerikanern überraschend neue Perspektiven eröffnet. Es lohnte sich plötzlich wieder zu bohren. Und davon machten und machen sie auch reichlich Gebrauch.

Die Fracking-Firmen haben dabei leichtes Spiel. Die Produktion kann relativ einfach wieder gestartet werden. Außerdem finden sie in den USA weiterhin leichten Zugang zu Kapital und Unterstützung von Private-Equity-Firmen.

Was für weiter fallende Ölpreise spricht

Was die Lage aber erheblich erleichtert: Fracking-Firmen haben enorme technologische Verbesserungen erreicht, aus der Not heraus. Das erhöhte die Produktivität und senkte die Förderkosten. Viele Firmen haben es inzwischen geschafft, auch bei weniger als 50 Dollar für das Fass Rohöl noch rentabel zu arbeiten.

Die Break-Even-Grenze variiert je nach Region. Laut einer UBS-Studie wird bei den Projekten in den wichtigen Regionen Bakken, Eagle Ford oder Niobrara ein Ölpreise von 45 Dollar benötigt. Im Delaware Basin betragen die Kosten 30 Dollar. Repräsentanten des Bundesstaates North Dakota behaupten beispielsweise, dass die Bohrlöcher im Dunn County ein Barrel Öl sogar schon für 15 Dollar fördern. Auch wenn das wohl nicht in jeder Region möglich ist, sieht es eher danach aus, dass die Preise weiter sinken. Womöglich sogar noch unter 40 Dollar je Barrel.

Fällt der Preis zu stark, hätte das wieder eine reinigende Wirkung. Manches Fracking-Unternehmen würde seine Produktion zurückfahren und das Angebot ginge kurzfristig zurück. Der Fracking-Kreislauf eben.

bs

Fracking in Pennsylvania

Öl überall: You can not swing a cat in the US without hitting a barrel of oil", sagte der Ölanalyst Stephen Schork dem Finanzinformationsdienst Bloomberg. Man könnte in den USA alle paar Meter ein Loch bohren und würde immer auf Öl stoßen. | Quelle: picture-alliance/dpa

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