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Geht die Rally weiter?

"Manche Luxus-Aktien sind immer noch unterbewertet"

Luxusgüter-Aktien von Swatch, Richemont und LVMH haben 2012 mit ihrer rasanten Kursrally die Investoren begeistert. Welche Titel mittlerweile zu teuer sind und welche noch Aufholpotenzial haben, erläutert Vontobel-Experte René Weber im Gespräch mit boerse.ARD.de.

René Weber

René Weber, Analyst bei der Schweizer Privatbank Vontobel

boerse.ARD.de: Der Luxusgüterbranche geht es auf den ersten Blick blendend. Viele Aktien notieren nahe ihrer Allzeithochs. Herr Weber, geht diese Hausse noch weiter – oder hat sie ihren Zenit bereits überschritten?

René Weber: Man muss sich schon bewusst sein, dass wir von der Bewertungsseite her bei vielen Aktien dort angelangt sind, wo man sehr genau hinsehen muss. Dass eine Swatch-Aktie 2013 nochmals um rund 30 Prozent wie im Jahr 2012 wachsen wird, ist mit Blick auf das historische KGV nicht sehr wahrscheinlich. Allerdings ist selbst eine Swatch-Aktie immer noch unterbewertet. Insgesamt beurteilen wir die Luxusgüterindustrie weiterhin positiv, gehen aber davon aus, dass sich das Wachstum abflachen wird. So ist die Uhrenindustrie 2012 um zwölf Prozent gewachsen, für 2013 rechnen wir "nur" noch mit einem Wachstum von acht Prozent, was dem langfristigen Durchschnitt entspricht.

boerse.ARD.de: Das Jahr 2013 wird unter dem Stern der Normalisierung stehen?

Weber: Genau. Eine Normalisierung werden wir auch mit Blick auf die Wachstumsraten der einzelnen Regionen erleben. So war 2012 Europa der mit Abstand beste Wachstumstreiber: Uhren legten hier wegen der vielen chinesischen Touristen 17 Prozent zu, in China selbst nur 4 Prozent. 2013 wird es in China und Hongkong wieder zu einer Beschleunigung mit zweistelligen Wachstumsraten kommen. Für Europa und die USA rechnen wir hingegen nur noch mit einstelligen Wachstumsraten.

boerse.ARD.de: Wenn China also niest, bekommt die Luxusgüterindustrie einen Schnupfen?

Weber: So ist es. Beispiel Uhrenindustrie: Dort ist die Region Greater China für 32 Prozent der Umsätze verantwortlich. Sie ist also der mit Abstand wichtigste Markt. Und selbst die Umsätze in Europa sind zu zirka 50 Prozent auf Touristen, vor allem chinesische Touristen, zurückzuführen. Wenn Sie auf die Zürcher Bahnhofstraße gehen, dann ist dort der chinesische Kunde mit einem Umsatzanteil von zirka 30 Prozent schon fast genauso wichtig wie der Schweizer Kunde. Insgesamt dürfte China beim weltweiten Uhrenabsatz auf einen Anteil von fast 50 Prozent kommen. Es besteht somit eine sehr große Abhängigkeit, das ist schon beeindruckend.

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Richemont: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
70.20
Differenz absolut
-3.19
Differenz relativ
-4.35%
Swatch: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
457.95
Differenz absolut
-13.25
Differenz relativ
-2.81%

boerse.ARD.de: Welche Einzeltitel favorisieren Sie?

Weber: Wenn man dran glaubt, dass China 2013 wieder kommen wird, muss man einfach Swatch favorisieren. Swatch macht 38 Prozent seines Umsatzes in Greater China und ist dort nicht nur im High-End-Bereich, sondern auch im mittleren Feld mit Marken wie Longines und Tissot gut vertreten. Bei Richemont haben wir die Bewertung auf Neutral zurückgenommen, einfach weil die jüngste Performance massiv besser war (2012: plus 50 Prozent) als die aller anderen Luxusgüter-Aktien. Bei Swatch sehen wir hingegen noch Aufholpotenzial.

PPR
PPR: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
172.60
Differenz absolut
-2.45
Differenz relativ
-1.40%
LVMH: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra EU Stars für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
137.20
Differenz absolut
-3.85
Differenz relativ
-2.73%

boerse.ARD.de: Und wie sieht es mit den breiter aufgestellten Luxuskonzernen aus wie PPR und LVMH?

Weber: PPR ist sicherlich mit Blick auf die niedrige Bewertung der spannendste Wert. Allerdings ist er auch mit großen Unsicherheiten behaftet. Der Markt will hier erst noch weitere Schritte in Richtung Fokussierung auf den Luxusgüter- und Lifestyle-Bereich sehen. LVMH als weltgrößter Luxusgüterkonzern ist dagegen einfach die Benchmark: Wenn jemand in den Sektor investieren will, ohne sich große Gedanken machen zu müssen, ist LVMH sicherlich die erste Wahl. Allerdings bleibt LVMH sowohl von den Wachstumsraten als auch von den Margen her deutlich hinter den beiden Schweizer Konzernen Swatch und Richemont zurück.

Das Gespräch führte Angela Göpfert.

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