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Touristik

Hapag Lloyd Kreuzfahrtschiff

Mehr Schiffe und mehr Passagiere

Kreuzfahrten: Die Gelddruckmaschine

Stand: 02.02.2016, 15:57 Uhr

Während der Seehandel in einer tiefen Krise steckt, feiert die Kreuzfahrtbranche Rekorde. Ein Ende des Booms ist noch lange nicht in Sicht. Davon zeugen auch die guten Zahlen von Europas größtem Reisekonzern Tui.

So hat sich das Ergebnis aus dem Kreuzfahrtgeschäft im vergangenen Jahr auf 80 Millionen Euro verachtfacht. Allein die Tochter Tui Cruises, ein Joint Venture mit dem US-Wettbewerber Royal Caribbean, verdiente 37 Millionen Euro mehr und bleibt deshalb auf Expansionskurs. Zur Begeisterung der Aktionäre kündigte Tui-Chef Fritz Joussen an, die Dividende von 33 auf 56 Cent anzuheben, wodurch Tui voraussichtlich 328,5 Millionen Euro ausschütten wird.

In Zukunft dürfte die Sparte noch an Bedeutung gewinnen. Tui Cruises lässt derzeit zwei neue Kreuzfahrtschiffe bauen, um von dem anhaltenden Boom dieser Urlaubsform besser zu profitieren. Üblicherweise kostet ein Schiff dieser Größenordnung einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Die beiden Schiffe mit den Namen "Mein Schiff 5" und "Mein Schiff 6" sollen in diesem beziehungsweise im nächsten Jahr ausgeliefert werden. Sie werden wie ihre Schwesterschiffe 295 Meter lang sein, 15 Decks haben und über 1.250 Kabinen verfügen.

Immer mehr Passagiere

Eine Investition in die Zukunft, um die zunehmende Zahl von Kreuzfahrtpassagieren bedienen zu können. Die Branche erwartet, dass der derzeitige Kreuzfahrt-Bomm auch in den kommenden Jahren andauert. Bis 2018 dürften jährliche Wachstumsraten von acht bis zehn Prozent erreicht werden.

2014 kamen allein aus Deutschland 1,77 Millionen Kreuzfahrt-Passagiere - Tendenz steigend. "2016 wollen wir die Zwei-Millionen-Marke knacken, bis 2020 peilen wir noch einmal eine weitere Million Passagiere an“ sagt der Deutschland-Chef des Kreuzfahrtverbandes CLIA, Michael Ungerer. Zahlen zum vergangenen Jahr werden im März auf der Tourismus-Messe ITB in Berlin vorgelegt. Zum Vergleich: 1993 gingen nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) gerade einmal 183.000 Bundesbürger auf eine große Seereise.

Immer mehr Schiffe

Prestige Cruises-Kreuzfahrtschiff Seven Seas Mariner

Prestige Cruises-Kreuzfahrtschiff Seven Seas Mariner. | Bildquelle: Unternehmen

Kein Wunder, dass sich auch die auf Luxus-Reisen spezialisierte Tui-Tochter Hapag-Lloyd Cruises zuversichtlich zeigt. "Wir werden im Luxus-, Expeditions- und Mainstream-Segment noch gute Wachstumsraten sehen", ist Firmenchef Karl Pojer überzeugt. Im vergangenen Jahr schaffte das Unternehmen nach einer langen Flaute endlich den Turnaround. Genaue Zahlen wurden nicht veröffentlicht. Die Flotte von Hapag-Lloyd Cruises umfasst derzeit vier Schiffe, jüngstes ist die "Europa 2". Es wurde 2013 neu in Dienst gestellt und zuletzt für 278 Millionen Euro übernommen, um die jährlichen Mietkosten von 14 Millionen Euro einzusparen.

Für das in Hamburg ansässige Unternehmen ist 2016 übrigens ein besonderes Jahr, begeht Hapag-Lloyd doch das 125. Jubiläum der Reiseform "Kreuzfahrt". Am 22. Januar 1891 startete das damalige Flaggschiff der Hapag, die "Augusta Victoria", von Cuxhaven aus zu einer ersten Vergnügungsreise auf See.

Nicht nur in Deutschland, auch in anderen teilen der Welt wird kräftig in neue Schiffe investiert. Im Mai sticht das größte Kreuzfahrtschiff der Welt in See – die "Harmony of the Seas" von Royal Caribbean. Mit 16 Passagierdecks, 2.747 Kabinen und Platz für 5.497 Gäste sprengt sie alle Dimensionen. Die erste siebentägige Reise geht am 29. Mai von Southampton nach Barcelona.

Wachstum, Wachstum, Wachstum

Weltweit sollen bis 2022 laut Kreuzfahrtverband CLIA rund 45 neue Kreuzfahrtschiffe zu Wasser gelassen werden. Das wären gut zehn Prozent mehr Schiffe, als derzeit auf den Weltmeeren unterwegs sind. Allein in den Auftragsbüchern der europäischen Werften stehen 29 neue Schiffe mit einem Investitionsvolumen von 16 Milliarden Euro, die bis 2018 vom Stapel gehen sollen.

Über einen Mangel an Kundschaft kann sich die Branche tatsächlich nicht beklagen: Laut Verband sollen in diesem Jahr weltweit 24 Millionen Menschen auf Kreuzfahrt gehen. 2014 waren es 22 Millionen. Von diesem Boom profitieren sowohl die Kreuzfahrtanbieter wie auch die Werften sowie zahlreiche meist mittelständische Unternehmen, die sich auf die Ausstattung der Schiffe spezialisiert haben.

Wie Privatanleger profitieren können

Anleger können sich vor allem auf zwei Wegen an der Kreuzfahrt-Branche und ihrem Boom beteiligen. Am einfachsten ist es, Anteile an den teils börsennotierten Anbietern oder großen Touristikkonzernen wie Tui zu erwerben. Es gibt aber auch die Möglichkeit, in Schiffsbeteiligungen zu investieren.

Diese Form der unternehmerischen Beteiligung ist zwar wegen des Rückgangs der Containerschiffahrt in Verruf geraten, doch haben sich einige Anbieter inzwischen auf die Finanzierung von Kreuzfahrtschiffen spezialisiert. Ohne Risiken sind diese Beteiligungen aber trotz Boomzeiten nicht.

Denn oftmals handelt es sich um geschlossene Fonds. Das bedeutet, dass Fondsanleger gleichzeitig Miteigentümer sind. Folglich werden sie auch an eventuell anfallenden Verlusten beteiligt. In der Finanzkrise war sogar vereinzelt der Totalverlust mancher Schiffsbeteiligung zu beobachten. Auch handelt es sich bei Schiffsfonds um langfristige Geldanlagen mit einer Haltedauer von 10 bis 25 Jahren.

Für Verbraucher, die viel Wert auf die Sicherheit ihres Geldes legen, wie das im Rentenalter regelmäßig der Fall ist, eignen sich diese Produkte deshalb nicht.

lg

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Investieren in die Kreuzfahrtbranche

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Mit der Aktie von Europas größten Reisekonzern Tui ließ sich im vergangenen Jahr kaum Geld verdienen. Doch die Perspektiven sind rosig. Mit einem bereinigten Betriebsergebnis (Ebita) von 1,07 Milliarden Euro steigerte der Reiseanbieter aus Hannover 2015 den Vorjahreswert um 15,4 Prozent. Als größter Wachstumstreiber erwies sich vor allem die Kreuzfahrtbranche, wo Tui mit den Töchtern Tui Cruises und Hapag-Lloyd Cruises gut vertreten ist. Die Aktionäre können sich freuen: Tui will die Dividende auf das letzte Jahr von 33 auf 56 Cent erhöhen.

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