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Reform des Glückspielmarktes ausgebremst

Keine Bedrohung für Wettaktien

Stand: 19.06.2017, 16:11 Uhr

Der Wahlausgang in Schleswig-Holstein hat einen Nebeneffekt auf die Wettbranche. Eine Reform zur Kontrolle des Glücksspielmarktes scheint erst einmal nicht mehr möglich. Ein neuer Glücksspielstaatsvertrag wird unwahrscheinlicher.

Die jahrelange Uneinigkeit der Bundesländer in Sachen Kontrolle des Glücksspielmarktes in Deutschland könnte weiter gehen. Eine Ländermehrheit hatte sich im März auf Grundzüge eines neuen Staatsvertrages geeinigt, der die Lizenzierung von Glücksspielanbietern in Deutschland vereinheitlichen sollte. Aus dieser Mehrheit scheidet die neue "Jamaika"-Koalition aus CDU, FDP und Grünen aber nun offenbar aus. Da alle Länder den Vertrag ratifizieren müssen, steht eine grundlegende Neuregelung möglicherweise in den Sternen.

Staatliches Monopol, aber...

In Deutschland sind weitgehend die Bundesländer für die Regulierung von Lotterien, Sportwetten oder Kasinospielen zuständig. Für die meisten Glücksspiele gilt nach wie vor ein staatliches Monopol. Lediglich für private Sportwettenanbieter wurde der Markt geöffnet. Online-Glücksspiel ist verboten, denn der Staatsvertrag sieht keine bundesdeutschen Online-Casino-Lizenzen vor. Nur einige Ausnahmen mit einer Lizenz aus Schleswig-Holstein sind beschränkt zugelassen. Auch diese Lizenzen stehen damit womöglich zur Debatte.

Laut Beobachtern könnte eine Chance der Länder vergeben werden, den illegalen Internet-Glücksspielmarkt besser zu kontrollieren. Derzeit tummeln sich viele Anbieter von Wetten und Glücksspielen aller Art in einem rechtlichen Graubereich. Da die wichtigen Branchenvertreter über einen "EU-Pass" verfügen, wird ihre Tätigkeit in Deutschland "geduldet" und sie dürfen ihre Dienste - auch geschützt von einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs - hierzulande anbieten.

Börsennotierte Anbieter unbeeindruckt

Die börsennotierten Anbieter Bet-at-home mit Sitz in Österreich und Zeal Network (ehemals Tipp24), das seinen Hauptsitz in London hat, sind denn auch relativ unbeeindruckt von der neuen Entwicklung. Der "nicht regulierte" Wetten- und Glücksspielmarkt wächst laut Studien seit Jahren auch in Deutschland deutlich schneller als der staatliche Markt. 2015 hatte er ein Volumen von 2,3 Milliarden Euro. Demgegenüber kam der staatlich gelenkte Markt von 10,4 Milliarden Euro.

Entsprechend wenig reagierten am Montag die Aktien der beiden Branchenvertreter auf die Nachrichten aus Schleswig-Holstein. Beide Titel rangierten in einem freundlichen Marktumfeld leicht im Plus.

AB

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