Seitenueberschrift

Berichtssaison beginnt

Ist die Tech-Branche zu heiß gelaufen?

Stand: 17.07.2017, 13:57 Uhr

Tech-Werte wie Amazon oder Alphabet haben in den letzten Jahren stark performt. Inzwischen aber zeigen sich erste Überhitzungserscheinungen. Wie es aktuell um die Hightech-Branche steht, werden die nächsten Wochen zeigen.

Heute Abend nach Börsenschluss eröffnet Netflix die Berichtssaison der US-Tech-Konzerne. Dann geht es Schlag auf Schlag: Am Dienstag folgt IBM mit seinen Quartalszahlen, am Donnerstag stellen Microsoft, Ebay und PayPal ihre Bilanzen vor, und in der kommenden Woche geben Alphabet (Google), Amazon, Intel und Tesla Einblick in ihre Bücher. Facebook und Apple stehen eine Woche später im Rampenlicht.

Goldman Sachs warnt

Spätestens in zwei Wochen also, wenn Apple am 1. August seine Zahlen vorgelegt hat, dürfte es Aufschluss über die Lage der Hightech-Branche geben. Mitte Juni hatte Goldman Sachs die Diskussion um die Bewertung von Tech-Aktien angefeuert. Risiken würden bei einigen Titeln wie zum Beispiel Apple unterschätzt, warnten die "Goldmänner". Während im Dow-Jones-Index das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 19 liegt, beträgt es im Nasdaq 33.

Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
5.921,52
Differenz relativ
+0,01%

Prompt rauschten die US-Technologie-Aktien nach unten. Manche sprachen schon von einem kleinen Ausverkauf. Doch die Panikmache war überzogen. Inzwischen haben sich die meisten Hightech-Titel wieder erholt. Der Nasdaq 100 steuert wieder Richtung Allzeithoch. Die jüngste Korrektur sei lediglich auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen gewesen, meinen Experten wie Pieter Schop, Portfoliomanager von NN Investment Partners.

Keine Parallelen zum Internet-Crash

Eine Internetblase wie zur Jahrtausendwende sehen viele Börsianer nicht. Im Gegensatz zum Jahr 2000 verdienten die meisten Tech-Konzerne inzwischen viel Geld, hätten üppige Reserven und verfügten über ein funktionierendes Geschäftsmodell. Flossbach von Storch vergleicht in seinem aktuellen Halbjahres-Kapitalmarktbericht die Tech-Schwergewichte Cisco und Alphabet. Während Cisco im Jahr 2000 einen Börsenwert von 575 Milliarden Dollar erreichte und dabei lediglich einen Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar erzielte, verdient heute Alphabet bei einer annähernd gleichen Marktkapitalisierung von 540 Milliarden Dollar (abzüglich der Barmittel) mit rund 29 Milliarden Dollar zehn Mal so viel.

Korrelation FAANG-Performance und US-Treasuries

Korrelation FAANG-Performance und US-Treasuries. | Bildquelle: Business Insider, Credit Suisse, Thomson Reuters/ Eikon, S&P Capital IQ., Grafik: boerse.ARD.de

In diesem Jahr sind die Tech-Titel den Standardwerten vorausgelaufen. Der Nasdaq 100 hat seit Anfang Januar 19 Prozent zugelegt, während der breiter gefasste S&P 500 nur knapp zehn Prozent gewann. Über ein Drittel der Kursgewinne im S&P 500 stammten von den Tech-Giganten, den so genannten "Big Five" Apple, Alphabet, Amazon, Facebook und Microsoft. Die FAANG-Gruppe schaffte in diesem Jahr eine Performance von über 25 Prozent.

Alarmsignal für FAANG-Aktien?

Allerdings droht den FAANG-Titeln (Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google/Alphabet) nun Ungemach. Die Credit Suisse hat eine negative Korrelation zwischen den Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen und der Performance der FAANG-Aktien ermittelt. Je mehr die Rendite der US-Staatspapiere steigt, desto eher kämen die Titel der Tech-Schwergewichte unter Druck. Die jüngsten Äußerungen von Fed-Präsidentin Janet Yellen machen aber High-Tech-Anlegern wieder Hoffnung. Laut Yellen werde die Fed in den nächsten Monaten behutsam bei ihrer Zinspolitik vorgehen. Das lässt Luft nach oben für die FAANG-Aktien.

nb

© boerse.ARD.de

Stand: 17.07.2017, 13:57 Uhr

Alle Rechte vorbehalten · Vervielfältigung nur mit Genehmigung der boerse.ARD.de