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Interview mit Philipp Häßler, Equinet

"Mittelfristig mache ich mir keine Sorgen"

Die Anlagezinsen sind auf Rekordtief und die Lebensversicherer suchen händeringend nach Alternativen. Aber wie lange kann das noch gut gehen? boerse.ARD.de sprach mit Philipp Häßler, Versicherungsanalyst bei Equinet.

Philipp Häßler

Philip Häßler, Versicherungsanalyst bei Equinet

boerse.ARD.de: Die deutschen Lebensversicherer leiden unter den außergewöhnlichen, extremen Niedrigzinsen. Wie lange kann die Branche ihre Garantieversprechen den Kunden gegenüber überhaupt noch durchhalten?

Philipp Häßler:
Sofern die Zinsen nicht noch weiter fallen, mache ich mir mittelfristig keine Sorgen. Mittelfristig, das bedeutet etwa fünf Jahre. Die Gesellschaften erzielen aktuell im Schnitt noch Renditen um die vier Prozent bei fallender Tendenz. Zudem dauert es, bis sich die niedrigeren Zinsen der Neuanlagen in die Anlageportfolios fressen.

Die Gesellschaften leben somit größtenteils von ihren Altbeständen bei den festverzinslichen Papieren, die noch höhere Kupons aufweisen. Entscheidend wird deshalb sein, wohin sich die Zinsen entwickeln. Wenn wir japanische Tendenzen bekommen, die Zinsen also dauerhaft niedrig bleiben oder sogar noch weiter fallen, dürfte die Lage für einige Gesellschaften immer kritischer werden.

boerse.ARD.de: Versicherungen steuern immer mehr mit alternativen Anlagen gegen. Wird das reichen?

Häßler:  Auf diese Weise können die Versicherungen zumindest teilweise den Renditeverfall im Anleiheportfolio mindern. Der Großteil der Kapitalanlagen bleibt immer noch in festverzinslichen Papieren investiert. Aber der Anteil der alternativen Anlagen steigt und wird ausgebaut. Dabei kommt es für Lebensversicherer, die ja eine langfristige Verbindlichkeit gegenüber ihren Kunden haben, auf ebenso lange Laufzeiten bei verlässlichen Ausschüttungen an. 

Zu nennen wären Infrastrukturprojekte wie beispielsweise Stromnetze, Windparks oder auch gewerbliche Immobilienkredite, die für die Banken nicht mehr so interessant sind. In Immobilien sind die Gesellschaften schon immer investiert, wenn auch der Anteil insgesamt nicht sehr hoch ist.

boerse.ARD.de: Machen die Versicherungen jetzt also den Banken Konkurrenz?

Häßler: Die Banken werden sicher nicht begeistert sein, wenn ihnen bei mittelständischen oder privaten Krediten Konkurrenz gemacht wird. Aber bei gewerblichen Ausleihungen wären sie wohl nicht undankbar, denn insgesamt fahren die Banken ja ihre Kreditportfolios eher zurück im Moment.

boerse.ARD.de: Bleibt noch die Aktie. Warum ist der Anteil trotz guter Dividendenrenditen so niedrig?

Häßler: Das hat hauptsächlich mit der Regulierung zu tun. Denn für Aktien, die als Risikopapiere gelten, muss mehr Eigenkapital vorgehalten werden, um mögliche Verluste auszugleichen. Sonst wären Aktien durchaus eine gute Alternative, so aber sind sie im Vergleich mit anderen Anlageformen, beispielsweise Staatsanleihen, zu teuer.

Das Gespräch führte Robert Minde

Stand: 20.11.2012, 17:04 Uhr