Neubaugebiet in Gelsenkirchen

Geldanlage Immobilien-Boom unter Dampf

Stand: 23.06.2017, 10:22 Uhr

Von Blasenbildung auf Deutschlands Immobilienmarkt ist einstweilen noch keine Spur. Landauf, landab wird gebaut. Für Häuslebauer und Anleger sind die Chancen auf Wertsteigerungen aber unterschiedlich groß.

Deutschland im Immobilien-Rausch, daran hat sich trotz höherer Preise für Bauland in vielen Regionen und Preishochs bei Bestandsobjektten in den vergangenen Monaten nichts geändert. Am Freitag meldete das Statistische Bundesamt einen Zuwachs bei den Auftragseingängen im Baugewerbe von 0,9 Prozent von März auf April, das ist gleichzeitig eine Steigerung um 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Mit 6,3 Milliarden Euro lag das Auftragsvolumen so hoch wie seit 23 nicht mehr.

Preiserwartungen drastisch unterschiedlich

Die Preise und auch die weiteren Aussichten für Preisveränderungen schwanken allerdings in Deutschland heftig je nach Region. Der "Wohnatlas 2017" der Postbank zeigt, welche Preisveränderungen bis zum Jahr 2030 in den Landkreisen deutschlandweit die Experten erwarten. Nicht überraschend, dass in Ballungsräumen wie München, Frankfurt oder auch Berlin und Hamburg die Preisentwicklung weiterhin aufwärts zeigt.

Wohnatlas Deutschland 2017

Wohnatlas Deutschland 2017. | Bildquelle: Postbank

Wer als Bauherr oder Investor aber eine höhere Wertsteigerung als in den Metropolen erreichen will, muss sich in der Peripherie umschauen. Noch bezahlbare Immobilien finden sich danach zum Beispiel im Umland von Hamburg, etwa Stade oder Segeberg. Wen es Richtung Hauptstadt zieht, der kann im Westen Berlins in den Landkreisen Oberhavel oder Potsdam-Mittelmark die höchsten Preissteigerungen in den kommenden Jahren erwarten.

"Erwartete Wertgewinne in den Preis eingeflossen"

Dagegen spannt sich das Preisniveau in den "Top-Regionen" wie München, Berlin oder Hamburg bereits so stark an, dass weitere Preissprünge in den kommenden Jahren wohl etwas kleiner ausfallen werden. In den drei Millionenstädten werden bereits jetzt 30 Jahresnettokaltmieten als Kaufpreise verlangt. Damit bestehe das Risiko, "dass erwartete Wertgewinne bereits spekulativ in die aktuellen Wohnungspreis eingeflossen sind", so Georg Hoogendijk, Geschäftsführer der Postbank Immobilien.

Angebot und Nachfrage nach Immobilien passen in Deutschland nur selten richtig zusammen. Deshalb dürfte es landesweit in den kommenden Jahren zu erheblichen Preisverzerrungen kommen. Dafür sorgt paradoxerweise zum Teil auch der Bauboom selbst. Denn angestachelt durch extrem niedrige Zinsen wollen immer mehr Familien ins Eigenheim. Und immer mehr Gemeinden weisen Baugebiete aus - auch solche, in denen der Bedarf eigentlich gar nicht (mehr) in dem Maß besteht.

Am Bedarf vorbeigebaut

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat hierzu eine Baubedarfsanalyse entwickelt, die erstaunliche Ergebnisse zutage fördert. So hat die Bauwut in einigen - vor allem ländlichen Gebieten dazu geführt, dass viele Gemeinden in den vergangenen Jahren deutlich mehr Wohnraum geschaffen haben als nötig. Kreise wie der Main-Spessart-Kreise liegen bei Neubauten um das Drei- bis Fünffache über dem tatsächlichen Bedarf. Ein scharfer Preisverfall in den kommenden Jahren könnte die Folge sein. (s. dazu unsere interaktive Grafik).

Ballungsräume "unterversorgt"

Gleichzeitig zeigt die "Unterversorgung" der Ballungsräume mit Neubauten, dass hier die Preise wohl weiterhin im Steigen begriffen bleiben werden: In Frankfurt am Main etwa wurde der Baubedarf in den vergangenen Jahren danach nur zu 59 Prozent gedeckt, in Berlin sogar nur zu 40 Prozent.

Wer nicht als Bauherr oder Immobilienkäufer vom weiter steigenden Preisniveau profitieren will, kann dies auch über geeignete Instrumente als Anleger tun. Der Fonds- und Aktienmarkt hält dafür die geeigneten Produkte bereit (s. unsere Übersicht: Mit dem Bauboom anlegen).

AB

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Mit dem Bauboom anlegen Galerie

Uni Immo: Kursverlauf am Börsenplatz Fonds für den Zeitraum 5 Jahre

Uni Immo

Offene Immobilienfonds sind das Mittel der Wahl für viele Anleger. Nach der Krise der Branche besteht für die Anteile allerdings eine Mindesthaltedauer von zwei Jahren. Die Fonds bieten eine breit gefächerte Streuung über eine Vielzahl von Objekten. Der Uni Immo Deutschland ist je zur Hälfte in deutschen und europäischen Immobilien investiert.

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