Seitenueberschrift

Direktinvestment in Holz, Wald, Forst

"Da tummeln sich viele schwarze Schafe"

Direktinvestments in Wald- und Forstwirtschaft sind nichts für den kleinen Privatanleger. Das passt nicht zum Wunsch nach beständiger Rendite, sagt Bernhard Renger von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Noch dazu ist es schwer, einen seriösen Anbieter zu finden.

Bernhard Renger Hauck & Aufhäuser

Bernhard Renger, Leiter Alternative Investments, Hauck & Aufhäuser

boerse.ARD.de: Auf der Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten stoßen Anleger auf Holzinvestments. Besonders aggressiv werben Anbieter von Direktinvestments. Was ist von dieser Anlageform zu halten?

Bernhard Renger: Für die breite Schar der Anleger ist diese Anlageklasse nicht geeignet. Direktinvestments in Wald- und Forstwirtschaft sind eher für vermögende Investoren, die ihr Risiko breit streuen möchten. Ähnlich wie bei Gold haben sie dabei aber vor allem das Ziel im Auge, ihr Vermögen vor Inflation und anderen Verwerfungen zu schützen, und nicht die Rendite. Als „kleiner“ Privatanleger muss man sich die Frage stellen, ob man das ebenso will. Dazu kommt, dass sich im Bereich viele schwarze Schafe tummeln und zum Beispiel mit adelig klingenden Namen beim Anleger Assoziationen wie Tradition und Seriosität wecken.

boerse.ARD.de: Inwiefern ist die Anlageklasse für den kleinen Privatanleger nicht geeignet?

Renger: Das hängt mit der ganz natürlichen Entwicklung der Waldparzelle zusammen. Sie bietet nämlich keinen laufenden Ertrag. Angenommen, Sie kaufen eine gerade aufgeforstete Fläche. Dann gibt es ein erstes Ausforsten nach acht bis zehn Jahren, das heißt, einige Bäume werden gefällt, wenn die Abstände zwischen ihnen zu klein werden. Das deckt aber im besten Fall die Kosten und wirft noch keinen Ertrag ab. Nach 12 bis 15 Jahren gibt es die zweite Runde des Ausforstens mit geringen Überschüssen. Erst nach 20 bis 25 Jahren kann man den Wald komplett fällen und das Holz verkaufen. Dann erst winkt ein richtiger Ertrag. Aber der private Anleger will ja regelmäßige Erträge und nicht erst nach Jahren des Wartens.

boerse.ARD.de: Alternativ könnte sich der interessierte Anleger an einem Wald- Fonds beteiligen. Sie müssten doch die gleichen Probleme haben.

Renger: Fonds versuchen dieses Problem zu lösen, indem Sie Wälder unterschiedlichen Alters kaufen, um so regelmäßiger Erträge für die Anleger erwirtschaften zu können. Wenn man dagegen sieht, dass viele der so genannten Direktinvestments ebenfalls mit regelmäßigen Ausschüttungen werben, stellt dies einen gewissen Widerspruch dar, da man sich hier an einzelnen Bäumen oder Parzellen beteiligt.

boerse.ARD.de: Wenn der Privatanleger einen langen Atem mitbringt, dann kann er aber ruhig ein Direktinvestment wagen?

Renger: Nein, keinesfalls - davon würde ich dringend abraten. Die erste Frage ist, was heißt überhaupt Direktinvestment. Wahrscheinlich assoziiert er, dass er sich an eigenen Parzelle mit Grundbucheintrag beteiligt, was wohl nicht zutreffend ist. Insofern stellt sich hier bereits die Frage, wie transparent solche Strukturen sind, und welche Risiken hier lauern. Sehr bedenklich finde ich, dass auf den Internetseiten vieler Anbieter das Wort „Sicherheit“ extrem strapaziert wird. Eine sichere Anlageform ist Wald bzw. Holz im Wortsinn aber keinesfalls. Gerade wo Anleger Sicherheit suchen, tummeln sich schwarze Schafe, die quasi mit der Angst der Anleger um das Ersparte ein Geschäft machen wollen. Überstrapaziert wird bei vielen Direktinvestments auch die Aussicht auf das angeblich so enorme Wachstum.

boerse.ARD.de: Sind die Wachstumschancen denn so unrealistisch?

Renger: Ja, da wird zum Teil unterstellt, dass in anderen Regionen aufgrund anderer klimatischer Bedingungen höhere Wachstumsraten möglich sind und in schnellwachsende Holzarten investiert wird. Was dabei in den Hintergrund tritt sind die massiven rechtlichen Risiken zum Beispiel in Ländern in Mittel- und Südamerika.

boerse.ARD.de: Länder wie Costa Rica gelten doch als so sicher, das Land wird in puncto Sicherheit als die Schweiz Mittelamerikas bezeichnet.

Renger: Sicherheit ist relativ und je langfristiger ein Investment angelegt ist, desto eher können sich politische Rahmenbedingungen auch verändern. Bei Holz handelt es sich nun einmal um ein sehr langfristiges Investment .Neben poltischen Risiken gibt es ja auch eine Reihe anderer Risiken, wie zum Beispiel Schädlinge, Waldbrände, Überflutungen und Dürre und die Frage der Zuverlässigkeit der eigentlichen Bewirtschaftung und Pflege der Flächen. Last but not least ist auch der Abnahmemarkt für Holz Schwankungen unterworfen. Insgesamt stellt also auch ein Waldinvestment eine stark unternehmerisch geprägte Investition dar.

boerse.ARD.de: Es gibt also durchaus auch seriöse Anbieter?

Renger: Selbstverständlich gibt es auch seriöse Angebote, man muss sich jedoch auch hier der Risiken bewusst sein. Seriöse Anbieter klären darüber immerhin auf.

boerse.ARD.de: Worauf muss man als Anleger in jedem Fall achten?

Renger: Von einem seriösen Angebot kann man umfassende Transparenz erwarten, zum Beispiel wie hoch Vermittlungsprovisionen und andere Honorare ausfallen, sprich: wie viel vom investierten Kapital letztlich wirklich in den Erwerb von Flächen und deren Bewirtschaftung investiert wird. Besondere Vorsicht sollten Anleger immer dann walten lassen, wenn Anbieter Ihren Sitz im Ausland haben, denn dies erschwert gegebenenfalls die Durchsetzung von Ansprüchen in entscheidendem Maße. Bedenklich finde ich aus Anlegersicht zudem, dass Direktinvestments nicht unter die Aufsicht durch die BaFin fallen. Anders als bei Fonds muss der Anbieter keinen Verkaufsprospekt erstellen. Im Vergleich dazu müssen geschlossene Fonds deutlich höhere Transparenzanforderungen erfüllen. Die werden Mitte dieses Jahres durch die Einführung des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) noch deutlich erhöht.

Das Interview führte Bettina Seidl.

Stand: 14.06.2013, 16:45 Uhr

Darstellung: