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Einige Aktien profitieren vom Weihnachtsgeschäft

Hoffen auf die große Bescherung

von Notker Blechner

Süßer die Kassen nie klingeln: Angesichts der guten Lage am Arbeitsmarkt und der niedrigen Sparneigung werden die Deutschen in diesem Jahr deutlich mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Die wachsende Konsumfreude könnte einigen Aktien neuen Schub geben.

Weihnachtsmarkt in der Leipziger Innenstadt

Weihnachten Weihnachtsmarkt Weihnachtsgeschäft . | Quelle: picture-alliance/dpa

Selten waren die Aussichten für das Weihnachtsgeschäft so gut wie dieses Jahr. Während in vielen Teilen Europas der Konsum schrumpft, sitzt den Deutschen das Geld locker. 285 Euro will durchschnittlich jeder Bundesbürger für Geschenke hinlegen - das sind neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Die Deutschen werden es zu Weihnachten krachen lassen", prophezeit Peter Thormann, Einzelhandelsexperte der Unternehmensberatung Deloitte & Touche in der "Euro am Sonntag".

Die zuletzt deutlich gestiegenen Löhne, die niedrige Arbeitslosigkeit und die Angst vor der schleichenden Inflation haben die Konsumlust angeheizt. Weil sich Sparen aufgrund der geringen Zinsen derzeit nicht lohne, geben die Verbraucher lieber Geld für Geschenke an ihre Liebsten aus, meint Rolf Bürkl vom Marktforschungsinstitut GfK, das regelmäßig die Konsumlaune misst.

Einzelhandel erwartet 1,5 Prozent mehr Umsatz

Die beliebtesten Weihnachtsgeschenke der Deutschen

Trotz eines ernüchternden ersten Advent-Wochenendes setzt der Einzelhandel auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet mit einem Umsatzplus von 1,5 Prozent auf erstmals mehr als 80 Milliarden Euro in den Monaten November und Dezember. Der Geschenke-Kaufrausch dürfte laut der GfK dem deutschen Einzelhandel knapp 15 Milliarden Euro in die Kassen spülen.

Die beliebtesten Weihnachtsgeschenke der Deutschen

Am häufigsten dürften in diesem Jahr Bücher, Parfums, Spielzeug, Kleidung und Hightech-Geräte unter dem Weihnachtsbaum liegen. Nach Berechnungen der GfK geben die Deutschen 2012 deutlich mehr Geld für gute Kleidung, Kosmetikartikel und Parfums aus. Allein bei Kleidung und Accessoires steigen die Investitionen um 17 Euro auf durchschnittlich 92 Euro pro Bundesbürger.

Mode- und Kosmetiktitel als Profiteure?

An den Börsen könnte der Weihnachts-Effekt Modeaktien wie Tom Tailor, Hugo Boss und Gerry Weber neuen Glanz verleihen. Sie sind in diesem Jahr bereits gut gelaufen. Die Titel von Hugo Boss und Gerry Weber kletterten um gut 50 Prozent nach oben. Nur die Papiere von Tom Tailor hinkten mit einem Plus von gut 25 Prozent hinterher. Auch die Kursentwicklung von Kosmetikaktien könnte sich verschönern. Als mögliche Profiteure gelten der Nivea-Konzern Beiersdorf, Henkel mit den Pflegemarken Fa, Bac und Schwarzkopf sowie der französische Beauty-Konzern L'Oréal. Sie haben in diesem Jahr bereits outperformt und Rekordhöhen erreicht.

Neben Kosmetik und Kleidung sind Pralinen und hochprozentige Getränke ein Dauerbrenner unter den Geschenken. Vor allem für Schokoladenhersteller wie Lindt & Sprüngli oder die ostdeutsche Halloren ist das Weihnachtsgeschäft die wichtigste Saison des Jahres. Hier verdienen sie das meiste Geld. Auch der Hamburger Weinhändler Hawesko setzt auf die Konsumfreude an den Festagen. Fast 40 Prozent des Umsatzes erzielt die Firma in der Weihnachtssaison.

Jahrelang galten Metro und Douglas als klassische Weihnachtsaktien. Metro vertreibt über Media Saturn die beliebten High-Tech-Präsente wie Smartphones, Computer und Fernseher. Douglas mischt mit seinen Parfumläden, dem Thalia-Buchhandel und den Schmuckgeschäften von Christ gleich dreifach im Weihnachtsgeschäft mit. Doch zuletzt stand Douglas im Übernahmevisier. Bei Metro hat der "Oh-du-fröhliche"-Effekt ebenfalls an Bedeutung verloren. Anleger schauen eher darauf, wie die Baustellen des Konzerns geschlossen worden.

Die "neuen Weihnachtsaktien"

Experten wie Klaus Kränzle von Westend Brokers Research haben inzwischen einen Favoritenwandel bei Weihnachtsaktien festgestellt. "Früher war das eine Douglas oder eine Metro, heute sind das andere Titel", sagte er gegenüber dem Deutschen Anleger-Fernsehen. Als "neue Weihnachtsaktie"  sieht er zum Beispiel Cewe Color. Der Fotodienstleister fährt mit seinen Fotobüchern im vierten Quartal den Großteil seiner Gewinne ein.  

Und auch ein Dax-Schwergewicht wie die Deutsche Post wird inzwischen als "Weihnachtsaktie" gehandelt. Der Logistik-Konzern profitiert vom wachsenden Online-Versandhandel zur Weihnachtszeit und rechnet mit einem Rekordgeschäft. Der Einzelhandelsverband HDE prognostiziert zweistellige Zuwachsraten für den Online-Einkauf von Weihnachtspräsenten.

E-Commerce-Anbieter wie Ebay und Amazon dürften von der zunehmenden Verlagerung des Weihnachtsgeschäfts ins Internet profitieren. Der Einfluss von Deutschland wird dabei allerdings gering sein. Entscheidend ist eher der Markt in den USA. Dort setzten am "Black Friday" Ende November amerikanische Online-Händler an einem Tag erstmals mehr als eine Milliarde Dollar um. Von solchen Zahlen ist Deutschland noch weit entfernt.  

Stand: 05.12.2012, 17:06 Uhr

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