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Urlaub online buchen

Online-Reiseportale auf der Sonnenseite der Börse

Geld verdienen mit der schönsten Zeit des Jahres

von Notker Blechner

Stand: 19.05.2017, 17:30 Uhr

Schon den Sommerurlaub gebucht? Früher taten dies die meisten über das klassische Reisebüro, heute genügen ein paar Klicks im Internet. Online-Reiseportale boomen. Auch an der Börse läuft's rund – mit wenigen Ausnahmen.

In wenigen Wochen beginnt für viele die schönste Zeit des Jahres, der Sommerurlaub. Immer mehr Erholung Suchende nutzen dabei das Internet. Laut der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (Fur) buchten die Deutschen im vergangenen Jahr 38 Prozent der Reisen online. Vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei 14 Prozent.

Skandinavier buchen bevorzugt im Internet

Laut Experten-Schätzungen dürfte schon 2020 die Mehrheit der Deutschen ihren Urlaub im Internet buchen. In einigen Ländern ist das jetzt schon der Fall: In Großbritannien und vor allem in Skandinavien werden die meisten Reisen online verkauft. Die Tui verkauft in Nordeuropa 80 Prozent ihrer Produkte übers Internet.

2015 lagen die Umsätze im Online-Reisemarkt bei über 500 Milliarden Dollar. 2021 könnte das Volumen erstmals die Billionen-Dollar-Grenze überschreiten. Vom digitalen Reiseboom profitieren die Buchungsportale wie Priceline (Booking.com) und Expedia sowie bei Übernachtungen Trivago und Airbnb. Sie wachsen rasant.

Priceline und Expedia im Höhenflug

Die Aktien von Priceline und Expedia haben auf Mehrjahres-Sicht kräftig zugelegt. In den letzten fünf Jahren verdreifachte sich der Kurs von Priceline. Auf Ein-Jahres-Sicht betrug das Plus immer noch stolze 45 Prozent. Anfang Mai erreichte Priceline sein Rekordhoch von 1.911 Dollar. Danach gab es einen kleinen Knick, weil der Booking.com-Konzern die Erwartungen im ersten Quartal verfehlte.

Die Aktien von Expedia sind ebenfalls im Höhenrausch. Der Kurs hat sich seit Mai 2012 nahezu vervierfacht. Auf Ein-Jahres-Sicht haben die Titel 29 Prozent zugelegt und den höchsten Stand seit 2002 erreicht.

Erfolgsstory Trivago

Auch die Hotelsuchmaschine Trivago erlebte ein furioses Debüt an der Nasdaq. Die Aktien schossen seit dem IPO kurz vor Weihnachten 2016 um 70 Prozent in die Höhe. Im ersten Quartal verdiente Trivago 7,7 Millionen Euro, der Umsatz stieg um 68 Prozent. Das Düsseldorfer Startup sieht noch viel Potenzial. Nur jede dritte Hotelbuchung erfolge momentan übers Smartphone oder über den Computer.

Bei Bewertungsportalen ist die Luft raus

Bei Online-Bewertungsportalen scheint indes der erste Hype abgeklungen zu sein. Die Aktien von TripAdvisor zum Beispiel sind nach einem Rekordhoch von 110 Dollar Mitte 2014 inzwischen auf 44,37 Dollar abgestürzt. Auf Ein-Jahres-Sicht betrug das Minus 25 Prozent.

Ähnlich erging es HolidayCheck - wenn auch auf geringerem Niveau. Die Aktien sprangen vor zwei Jahren bis auf 5,49 Euro. Danach rutschten sie wieder ab – bis auf 2,31 Euro im Oktober 2016. Seither haben sie sich ein bisschen berappeln können, notieren aber immer noch unter drei Euro. HolidayCheck ist das größte deutschsprachige Meinungsportal für Reise und Urlaub im Internet. "Wir vergleichen und vermitteln Angebote von Reiseveranstaltern und bekommen eine Provision", sagt HolidayCheck-Chefin Anja Keckeisen.

Airbnb, Google und Ryanair greifen an

Der ganz große Hype dürfte für Trivago, Priceline und Expedia vorbei sein. In Zukunft dürfte nämlich die Konkurrenz im Online-Reisemarkt größer werden. Airbnb nimmt den Hotelportalen Kunden weg. Die Internetplattform, die inzwischen von Analysten mit über 30 Milliarden Dollar bewertet wird, vermittelt online Privatunterkünfte an Urlauber und Städtereisende. Auch Google erwägt zunehmend den Einstieg in den Online-Reisemarkt.

Und selbst die klassischen Reiseveranstalter und Fluggesellschaften setzen zunehmend auf den digitalen Vertriebsweg. Tui und Thomas Cook verzeichnen die größten Zuwächse bei denOnline-Buchungen. Und Ryanair will zu einer Art "Amazon des Reisens" werden. Über Ryanair Holidays werden ganze Reisen mit Hotel angeboten. "Die Kunden haben jahrelang zu viel für Pauschalreisen bezahlt", sagt Ryanair-Chef Michael O'Leary.

nb

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