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Branchen
Historisches Tief im Mai
Europas Automarkt im Abwärtssog
Für die Autobranche gibt es in Europa derzeit nichts zu holen. Die Pkw-Neuanmeldungen sanken auf den niedrigsten Stand in einem Monat Mai seit 20 Jahren. Das Debakel zieht die Autowerte im Dax geschlossen in die Verlustzone.
Die letzten drei Positionen im deutschen Leitindex belegen die Branchengrößen BMW, Daimler und Volkswagen mit Abschlägen um rund ein Prozent. In den vergangenen drei Monaten konnten lediglich die Titel von Daimler leicht um knapp drei Prozent zulegen. Das entspricht ungefähr dem Plus des Dax im gleichen Zeitraum.
Wie einst im Mai
Angesichts der anhaltenden Konjunkturschwäche in Europa haben viele Konsumenten offenbar keine Ressourcen mehr übrig für neue Automobile. Nach Daten des Herstellerverbandes ACEA kamen im vergangenen Mai in den 27 EU-Staaten und den drei EFTA-Ländern Schweiz, Island und Norwegen rund 1,1 Millionen Fahrzeuge neu auf die Straßen. Das sind 5,9 Prozent weniger als vor Jahresfrist.
Besonders bedenklich ist, dass die aktuellen Zahlen dem niedrigsten Stand in einem Monat Mai seit 20 Jahren entsprechen. Und das ist ganz schön lange her: Vor 20 Jahren war die breite Masse noch weit davon entfernt, einen Internetanschluss zu besitzen. Selbst Handys gehörten damals noch nicht zur persönlichen Standardausrüstung. Europas Auto des Jahres war seinerzeit der Nissan Micra.
Wann dreht sich der Trend?
Besserung ist nicht in Sicht. Die Pkw-Märkte in Europa befinden sich seit langem im freien Fall. 2012 war mit zwölf Millionen verkauften Fahrzeugen das schlechteste Autojahr seit 1995. Vor allem im schuldengeplagten Süden des Kontinents kaufen die Menschen wegen der hohen Arbeitslosigkeit und den düsteren wirtschaftlichen Aussichten kaum neue Autos.
Zu Beginn des laufenden Jahres hatten die Neuzulassungen mit unter eine Million bereits das niedrigste Niveau seit Beginn der ACEA-Aufzeichnungen im Jahr 1990 markiert.
Übersee: Die Rettung für satte Märkte
Unter den großen Herstellern verbuchte der angeschlagene französische Peugeot-Citroen-Konzern mit minus 13,3 Prozent den schärfsten Rückgang. Marktführer Volkswagen kam mit einem blauen Auge davon. Insgesamt sanken die Neuzulassungen des Wolfsburger Konzerns im vergangenen Monat um 2,8 Prozent.
Unter den Premiumautobauern schlug sich die Daimler-Tochter Mercedes-Benz am besten. Die Neuzulassungen der Stuttgarter stiegen um einen halben Prozentpunkt, während der Münchner Rivale BMW Federn mit minus 6,6 Prozent deutlicher zurückfiel.
Während in Europa keine Erholung absehbar ist, konnten sich die Automanager über Zuwächse in Übersee freuen. Auf dem weltgrößten Pkw-Markt in China legten die Pkw-Verkäufe im Mai um 14,4 Prozent zu, in den USA rollten acht Prozent mehr Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zu den Käufern. In Brasilien wurden um fast zehn Prozent mehr Autos verkauft als vor Jahresfrist.
ts
Stand: 18.06.2013, 11:45 Uhr