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Robotik

Nao-Roboter

Das nächste große Ding?

Die "Roboter-Revolution" hat begonnen

von Notker Blechner

Stand: 22.02.2016, 17:51 Uhr

Sie schweißen Autos zusammen, operieren Menschen, entschärfen Bomben, mähen den Rasen und räumen das Kinderzimmer auf: Die Roboter dringen immer mehr in unseren Alltag ein. Anleger können an der "Roboter-Revolution" teilhaben.

In Fritz Langs "Metropolis" von 1927 war der "Maschinenmensch" noch reine Science-Fiction. Nun könnte er bald Realität werden. Denn die heutigen Roboter werden immer menschlicher: sie können reden, musizieren, Fußball spielen und mit Menschen zusammenarbeiten. Die Roboter sollen in den nächsten fünf bis zehn Jahren selbstständig handeln können, prophezeit Ludovic Righetti vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme.

Der fortgeschrittenste Android der Welt

Wie sich die Interaktion zwischen Mensch und "Maschinenmensch" abspielen könnte, demonstriert Nao an Schulen. Der 58 Zentimeter große Android schafft es, zuzuhören, Gesichter zu erkennen und sogar Gefühle auszudrücken. Vor allem in Japan und Frankreich kommt Nao zum Einsatz. Er hilft beim Lernen von Fremdsprachen, stellt Matheaufgaben und führt sportliche Übungen vor. Hierzulande soll Nao den Flüchtlingen die deutsche Sprache beibringen.

Die neue Generation der "Maschinenmenschen" könnte die Nachfrage nach Haushalts- und Dienstleistungs-Robotern beflügeln. Bisher sind sie noch kaum in den Lebensalltag der Menschen vorgedrungen. Am meisten gefragt sind Staubsaugroboter. iRobot hat vom Modell Roomba schon über zehn Millionen Exemplare weltweit verkauft. Die größte Rolle spielen Serviceroboter in Japan. Dort beraten sie im Supermarkt, führen die Bankkunden zum richtigen Schalter, motivieren Schüler zum Lernen und helfen pflegebedürftigen alten Menschen.

Absatzprognose für Service-Roboter

Absatzprognose für Service-Roboter. | Bildquelle: IFR World Robotics, Grafik: boerse.ARD.de

Einzug in die Operationssäle

Großes Potenzial sehen Experten bei Medizinrobotern. Laut dem Bankhaus Pictet dürfte sich das Marktvolumen von 1,78 Milliarden Dollar 2013 auf 3,76 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2018 verdoppeln. Schon jetzt kommen die Roboter bei Operationen in Krankenhäusern vermehrt zum Einsatz. In den letzten zehn Jahren wurden über 1,5 Millionen Eingriffe mit dem Robotersystem da Vinci von der US-Firma Intuitive Surgical durchgeführt. Zudem helfen die Roboter in den Krankenhäusern bei der Verteilung der Medikamente und bei der Rehabilitation. Assistenzroboter begleiten die Patienten bis nach Hause und übermitteln dem behandelnden Arzt die aktuellen Daten.

Industrieboter bleiben der Verkaufsrenner

Am häufigsten sind die Roboter immer noch in der Industrie anzutreffen. Dort sorgten sie für höchste Präzision in den Produktionsabläufen. Im vergangenen Jahr wurden fast zehn Mal mehr Industrie- als Serviceroboter verkauft. Der Bestand an Industrierobotern stieg um 27 Prozent. Schon jetzt wird ein Zehntel der industriellen Produktion durch Roboter erledigt. Bis 2020 wird dieser Anteil auf 45 Prozent steigen, prophezeien die Experten von Pictet. Als wichtigster Wachstumsmarkt gilt China.

Verkaufszahlen Industrieroboter

Verkaufszahlen Industrieroboter. | Bildquelle: IFR World Robotics, Grafik: boerse.ARD.de

Einen zusätzlichen Schub könnten die neuen Leichtbauroboter bringen. Dadurch wird ihr Einsatz in der Industrie noch billiger und flexibler.

Zehnprozentige Wachstumsraten

Nach einer Prognose der Boston Consulting Group wird der weltweite Robotik-Markt voraussichtlich um jährlich zehn Prozent wachsen. 2015 dürfte das Marktvolumen bei geschätzt 19,4 Milliarden Dollar liegen.

Bisher dominieren wenige Unternehmen den Weltmarkt. Die Augsburger MDax-Firma Kuka, die Schweizer ABB sowie die zwei japanischen Konzerne Fanuc und Yaskawa beherrschen rund zwei Drittel des Markts.

Kuka: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
106,50
Differenz absolut
-0,10
Differenz relativ
-0,09%

Aktien, ETF oder Robotik-Fonds

Wer an deren Erfolge teilhaben will, kann direkt in die Aktien investieren. Wer das Risiko lieber breiter streuen will, hat die Möglichkeit, sein Geld in den ETF Robo Stox Global Robotics and Automation zu stecken. Er bildet mehrere Aktien von Unternehmen der Robotik- und Automatisierungsindustrie ab.

Das Schweizer Bankhaus Pictet bietet seit kurzem einen Themenfonds, den Pictet-Robotics Fonds. Die Fondsmanager sehen das Marktsegment der Robotik am Anfang einer langen Wachstumsphase. Robotik-Aktien wiesen hohe Wachstumsraten auf. Der Gewinn pro Aktie lege voraussichtlich 20 bis 25 Prozent pro Jahr zu, der Umsatz um zehn bis 15 Prozent.

Musk malt den Teufel an die Wand

Ob Anleger mit ihrem Investment in die Roboter-Branche zum Abbau von zahlreichen Arbeitsplätzen beitragen, darüber scheiden sich die Geister. Während der Verband International Federation of Robotics (IFR) naturgemäß die Robotik nicht als Job-Killer, sondern als Wachstums-und Beschäftigungsmotor sieht, warnen die britischen Ökonomen Carl Benedikt Frey und Michael Osborne vor dem Verlust hunderttausender Arbeitsplätze. Und Tesla-Gründer Elon Musk befürchtet gar, die künstliche Intelligenz könnte gefährlicher als Atomwaffen werden. "Wir rufen den Teufel herbei", schrieb er auf Twitter. Um eine weitere Polarisierung zu verhindern, wäre eine ethische Diskussion um den zunehmenden Einsatz von humanoiden Robotern zu begrüßen!

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