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Finanzdienstleister

Chart-Kurven und Balkendiagramme vor Notebook

Digitaler Wandel in der Bankenbranche

Die Fintech-Revolution

von Notker Blechner

Stand: 08.10.2015, 10:04 Uhr

Wird es bald keine klassischen Bankfilialen mehr geben? Kleine Finanz-Startups, kurz Fintechs, mischen derzeit mit neuen einfachen Konzepten die traditionelle Bankenbranche auf. Anleger können vom Fintech-Hype profitieren.

Schon mal von Simcorp, Temenos, Lendingclub, Number26, Vaamo oder Auxmoney gehört? In ein paar Jahren könnte der eine oder andere cool klingende Name zu einer bekannten Adresse in der Bankenwelt werden. Simcorp, Lendingclub, Vaamo & Co gehören zur Armada der Fintechs, die derzeit in die Bankenlandschaft drängen und den etablierten Geldhäusern Konkurrenz machen.

Kredite und Zahlungsabwicklung ohne Bankfiliale

Sie wollen das Bankgeschäft vereinfachen - mit Apps für die Kontoführung, mit privaten Plattformen für Kreditfinanzierungen sowie mit Robotern als Anlageberater. Die Fintechs könnten die traditionelle Bankenlandschaft revolutionieren und die klassischen Bankfilialen überflüssig machen. Denn sie bieten Kredite und Zahlungssysteme übers Smartphone an. Banken sind da nur noch für die formale Abwicklung nötig.

Experten wie Dirk Schiereck, Bankenprofessor in Darmstadt, teilen die Fintechs in drei Kategorien ein: Startups, die sich auf die Kreditvergabe konzentrieren, solche, die den Zahlungsverkehr regeln und drittens Firmen, die neue Modelle im Bereich der Geldanlage anbieten.

Milliarden-Investitionen in die Branche

In der jungen Branche herrscht Goldgräberstimmung. Laut Accenture haben sich 2014 die weltweiten Investitionen in die Fintechs auf 12,2 Milliarden Dollar mehr als verdreifacht. Inzwischen gibt es weltweit 12.000 Fintechs, die meisten davon in den USA und Großbritannien.

In Deutschland existieren laut Berechnungen von Barkow Consultung erst 272 Fintechs. Doch die Zahl wächst. Derzeit sprießen in Berlin, Frankfurt und anderen Städten Fintechs wie Pilze aus dem Boden. Zu den bekanntesten Namen zählen Kreditech, Number26, Vaamo, Zendcap, Auxmoney, Weltsparen, TransferWise und Lendstar. Die einzigen börsennotierten deutschen Fintechs sind Wirecard (falls man das Unternehmen noch als Start-up sehen kann) und die FintechGroup.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
41,98
Differenz absolut
1,03
Differenz relativ
+2,52%

Banken wachen erst langsam auf

Viele traditionelle Banken haben lange den Digitalisierungs-Trend verschlafen. Jetzt sind einige von ihnen aufgewacht. In den USA rüsten Großbanken mit Milliarden-Investitionen in die Digitalisierung zum Gegenangriff. Goldman Sachs zum Beispiel hat keine Berührungsängste mit den Fintechs und kooperiert mit ihnen. So sind die "Goldmänner" unter anderem an Square und an Bluefin Payments beteiligt.

In Deutschland spielt das Fintech-Thema bisher vor allem auf Finanzkonferenzen eine zunehmende Rolle. So stand die jüngste Handelsblatt-Bankentagung ganz im Zeichen der Fintechs. Im Alltag tun sich die hiesigen Geldinstitute allerdings noch schwer mit neuen Technologien und Innovationen. Viele unterschätzten die Digitalisierung des Bankwesens noch immer, meinte jüngst Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies an der Uni Frankfurt, bei der ersten Konferenz für Finanztechnologie im Frankfurter House of Finance.

Was ist FinTech?

Tablet mit Charts

FinTech steht für Financial Technology. Eine Zukunftsbranche. Das Gegenmodell zu den Banken. FinTech-Unternehmen bieten alles, was die Banken bieten: Kontoverwaltung, Aktiengeschäfte, Kredite. Nur einfacher: über Webseiten oder Apps. Meist sogar günstiger als die Banken. Eine echte Konkurrenz für die etablierten Finanzdienstleister. Sie sind schneller und innovativer als die klassische Finanzindustrie. Auch Crowdfunding-Plattformen gehören dazu.

Deutsche Bank sieht Fintechs als "Bereicherung"

Langsam aber bewegt sich was: Die Deutsche Bank kündigte im Frühjahr an, rund eine Milliarde Euro in digitale Projekte zu stecken. Noch aktiver ist ausgerechnet die Commerzbank. Sie hat 2014 einen Inkubator und einen Wagniskapitalfonds eingerichtet. Bisher hat die Commerzbank in drei Start-ups investiert. Weitere Beteiligungen sollen bald folgen, verspricht Christian Hoppe, Geschäftsführer des "Main Incubator".

"Die Fintech-Industrie ist eine Bereicherung", sagte kürzlich Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen auf der Handelsblatt-Bankentagung. Sie setzen die Banken unter Druck, sich mehr um die Innovationen zu kümmern. "Die Fintechs geben Anstöße zu Veränderungen, aber sie werden die Banken nicht ersetzen."

Wie Anleger am Fintech-Hype partizipieren können

Damit dürfte er vorerst recht haben. Allerdings dürften Fintechs zumindest teilweise Bankfilialen verdrängen. Laut einer Studie von Boston Consulting werden Privatkundenbanken 2019 nur noch 45 Prozent ihrer Erträge über die Filialen erwirtschaften. Derzeit sind es noch zwei Drittel. Der Marktanteil der Fintechs dürfte in den nächsten vier Jahren auf acht bis zwölf Prozent steigen.

Anleger können von der Fintech-Revolution profitieren und direkt in Aktien der Branche investieren. Die meisten Titel kommen aber aus dem angelsächsischen Raum. Wer sein Investment breiter streuen will, kann auf das Zertifikat der UBS auf den Solactive Fintech 20 Index setzen. Dieser bildet die 20 größten börsennotierten Fintechs ab.

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Fintechs - die neuen Börsenstars

Von Ingenico bis Wirecard

Simcorp: Kursverlauf am Börsenplatz Berlin für den Zeitraum 1 Jahr

Simcorp

Star unter den europäischen Fintechs ist die dänische Simcorp. Der Kurs hat sich binnen eines Jahres verdoppelt. Die Dänen bieten Investment-Management-Software und weitere Dienstleistungen für Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter an. Vor kurzem wurde die UBS als Neukunde gewonnen.

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