Elektrotankstelle am Potsdamer Platz in Berlin

Kaum Interesse an Förderprämie Deutscher E-Auto-Markt hat Ladehemmung

von Notker Blechner

Stand: 05.07.2017, 16:16 Uhr

Revolution auf schwedisch: Mit Volvo verabschiedet sich ab 2019 die erste Traditionsmarke vom Verbrennungsmotor. Dann wollen die Schweden nur noch E- und Hybrid-Modelle anbieten. Bisher freilich sind die Öko-Autos ein Ladenhüter - in Deutschland.

Die vor einem Jahr eingeführte Prämie für Elektrofahrzeuge hat hierzulande bisher nicht "gezündet". Bis Ende Juni wurden in Deutschland lediglich 23.024 Anträge auf einen Zuschuss gestellt, davon nicht einmal die Hälfte von Privatpersonen.  Das berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf die Bilanz des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Für reine Elektrowagen gibt es eine Prämie von 4.000 Euro, für Hybridautos beträgt der Zuschuss 3.000 Euro.

Bundesregierung gibt Ziel von einer Million E-Autos auf

Von einem Elektroauto-Boom auf deutschen Straßen kann also keine Rede sein. Die Bundesregierung hatte damit gerechnet, dass die Prämie den Kauf von mindestens 300.000 Elektro-Fahrzeugen bis zum Sommer 2019 anschieben wird. Werden die Mittel bis dahin nicht abgerufen, verfallen sie. Vom Ziel von einer Million Elektrofahrzeuge bis 2020 hat sich Berlin längst verabschiedet.

Als Gründe für die Kaufzurückhaltung verweisen Experten auf die zu geringe Reichweite der Autos, die unzureichende Ladeinfrastruktur und den immer noch recht hohen Preis für die "Stromer". Die deutschen Autobauer hatten lange den Trend verschlafen und überließen den Markt Tesla, Renault & Co. Inzwischen sind VW, Daimler und BMW aber aufgewacht und planen eine große Elektroauto-Offensive ab 2019. Audi könnte nach Opel der zweite deutsche Autobauer sein, der 2018 mit einer Reichweite von 500 Kilometern Tesla Paroli bietet. "Die deutschen Autobauer müssen sich sputen" meint Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Mehr als ein Prozent der Neuautos elektrisch

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ARD-Börse: Volvo macht kehrt - ab 2019 alle Autos mit Elektromotor

Immerhin kommt der Markt allmählich in Bewegung. Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt hat sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres der Elektroanteil an allen Pkw-Neuzulassungen auf 1,2 Prozent verdoppelt. Matthias Wissmann, Präsident des Autoverbands VDA, sprach von Zahlen, "die Hoffnung geben".

In anderen Ländern sind die Autofahrer deutlich stärker unter Strom. Zum Beispiel in Norwegen. Dort ist fast jeder dritte Neuwagen inzwischen ein "Stromer".

China unter Strom

Elektro-Smart auf einer Automesse in Peking

China macht bei E-Autos Druck

Der größte Schub kommt derzeit aus China. Bereits 40 Prozent aller im vergangenen Jahr verkauften E-Autos rollten auf chinesischen Straßen. Peking hat spezielle Anreize zum Kauf von grünen Autos geschaffen. 2016 wuchs die Zahl der Elektroautos weltweit um 750.000 auf inzwischen zwei Millionen.

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Volvo als erster großer Autobauer dem Benzin- und Dieselmotor Adieu sagt. Ab 2019 will der schwedische Hersteller nur noch neue Modelle mit Elektromotor oder Hybridantrieb anbieten. Volvo-Chef Hakan Samuelsson sprach vom "Ende des nur mit Verbrennungsmotoren angetriebenen Autos". Volvo plant, bis 2025 eine Million "Stromer" zu verkaufen. Der Premiumhersteller gehört zum chinesischen Autobauer Geely.

Volvo läutet neue Auto-Ära ein

Seit dem Abgasskandal von VW ist das Image von Diesel in Verruf geraten. Dennoch zeigen sich einige Analysten skeptisch, dass Volvo seine Ankündigung wahr macht. Autoexperte Frank Schwope von der NordLB zum Beispiel kann sich "nicht vorstellen, dass sich Volvo komplett zurückzieht, zumal es noch genügend Ländermärkte gibt, wo Verbrennungsmotoren weiterhin vertrieben werden",.

Als Profiteure der wachsenden Elektromobilität gelten nicht nur Tesla und Volvo, sondern auch Renault, Nissan und Opel. Der Nissan Leaf ist das meistverkaufte Elektrofahrzeug weltweit. Renault punktet mit dem Zoé als beliebtester "Stromer" in Deutschland. Unter den deutschen Autoherstellern ist bislang BMW die Nummer drei auf dem deutschen E-Automarkt mit einem Anteil von 15,4 Prozent.

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Elegant, sportlich oder praktisch: Elektro-Autos Mit Sprit aus der Steckdose

Eine Hand poliert das Logo des Tesla Model S

Tesla

Tesla lehrt die europäischen Autohersteller das Fürchten. Das Unternehmen aus Palo Alto hat mit Elektrofahrzeugen den Markt aufgemischt. Auch in Deutschland hat Tesla die Elektromobilität vorangetrieben - wenn auch nur auf bescheidenem Niveau. Die von der Bundesregierung beschlossene Kaufprämie könnte den Stromern neuen Auftrieb geben.

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