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Geldanlage 2013

Auto-Branche im Fokus

Deutsche Autobauer bleiben "Outperformer"

von Alexander Schmitt

Das nächste Jahr wird zu einer echten Herausforderung für die erfolgsverwöhnten deutschen Autokonzerne. Auf ihrem Heimatmarkt und in Europa herrscht Flaute. Das Wachstum kommt aus China und Amerika.

Die nächste Autokrise kommt bestimmt - aber nicht 2013

Nur wenige Auto-Aktien konnten in diesem Jahr den Dax schlagen. Spitzenreiter bei der Performance ist der Titel von Volkswagen, der den Dax 2012 klar schlägt. BMW und Porsche liegen auf Augenhöhe im Mittelfeld, Daimler etwas darunter. Die Autoaktien sind also gut gelaufen, wenn auch nicht ganz so stark wie zum Beispiel die Papiere der Pharma- und Chemieunternehmen oder der Airlines.

Die Zukunft heißt USA und China
Gemessen an den Verkaufszahlen hätten die Aktien mehr verdient, könnte man meinen. Denn mit Ausnahme von Daimler melden die deutschen Autoproduzenten 2012 Rekordmarken - sowohl bei den Verkaufszahlen als auch bei den Ergebnissen. Zu verdanken haben sie das vor allem dem boomenden Geschäft in den USA und China. Der US-Markt wird nach jüngsten Projektionen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) 2013 um fünf Prozent auf 15 Millionen verkaufte Fahrzeuge zulegen, der chinesische um sechs Prozent auf rund 14 Millionen Neuwagen.

Luxus-Sportwagen mit größten Zuwächsen
Porsche hat in puncto Wachstum die Konkurrenz hinter sich gelassen, die Verkaufszahlen lagen Ende November schon weit über denen des gesamten Jahres 2011. Die Konkurrenten Audi, BMW und die Konzernmutter Volkswagen melden ebenfalls Bestwerte. Die schiere Größe des chinesischen Marktes hat Daimler und Volkswagen sogar dazu veranlasst, eigene Konzern-Vorstände für das Land zu berufen. Die Stuttgarter sieht Jürgen Pieper, Autoanalyst beim Bankhaus Metzler, allerdings noch etwas hinterherhinken. Das hänge mit der Modellpolitik, dem Vertrieb und Fehleinschätzungen aus der Vergangenheit zusammen. Bei Daimler erkennt er zwar eine Umorientierung, an der etwas schwächeren Entwicklung auf dem weltgrößten Automarkt werde sich vorerst aber nichts ändern.

"Der Gegenwind nimmt zu"

Die Krise in der Eurozone wird im nächsten Jahr andauern - davon geht der Automobilverband aus: "Der Gegenwind nimmt zu", sagte VDA-Chef Matthias Wissmann. "Wir rechnen 2013 mit einem Marktvolumen von 11,4 Millionen Neuwagen, das entspricht einem Rückgang um drei Prozent."

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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67.29
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Porsche: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Willi Dietz, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen geht davon aus, dass erst ab 2014 wieder mit steigenden Neuwagenverkäufen in Europa und Deutschland gerechnet werden kann. Jürgen Pieper sieht im zweiten Halbjahr 2013 "den Boden erreicht". Will heißen: dann geht es wieder bergauf. Bis Jahresende erwartet er ein globales Wachstum des Automarktes von bis zu vier Prozent. Die deutschen Hersteller hätten mit einem Zuwachs von fünf Prozent die Nase vorn.

Abhängigkeit von der Eurozone sinkt

Da einige deutsche Autobauer aus Furcht vor zu großen Lagerbeständen die Inlandsproduktion in den vergangenen Monaten etwas heruntergefahren haben, rechnet Wissmann für 2013 mit einem leichtem Wachstum bei Produktion und Exporten. Als einen Grund für den Erfolg der deutschen Automobilindustrie sieht Wissmann die globalen Ausrichtung der deutschen Autoindustrie. Nur noch weniger als ein Viertel der Fahrzeuge, die deutsche Hersteller exportierten, gehe in die Eurozone. "Das zeigt, dass die Eurozone für uns wichtig ist, dass wir aber - anders als viele andere Wettbewerber in Europa - uns auf dem Weltmarkt viel erfolgreicher tummeln und damit unsere Abhängigkeit von der Eurozone weiter sinkt."

Premium macht den Unterschied

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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195.75
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Ein weiterer Erfolgsgarant für die deutschen Konzerne ist laut Wissmann vor allem die konsequente Premiumstrategie. In der Oberklasse hätten die deutschen Hersteller einen Weltmarktanteil von 80 Prozent. Weltmarktführer ist BMW gefolgt von Audi und Mercedes-Benz. Besonders erfolgreich waren sie in China. Alle verbuchten dort zweistellige Zuwachsraten. Autoanalyst Pieper sieht hier im nächsten Jahr auch die größten Chancen. Er rechnet für die deutschen Hersteller mit einem Plus von rund 20 Prozent. Besonders gut sei dort Volkswagen mit einem Marktanteil von 15 Prozent aufgestellt, auch wegen seiner im Vergleich zu BMW neueren Modellpalette.

Deutsche Outperformer in den USA

Auch in den USA, der weltweit zweitgrößten Markt, sieht Metzler-Analyst Pieper die deutschen Hersteller im nächsten Jahr als "Outperformer". Nach seiner Schätzung würden dort vor allem BMW und VW weiter kräftig zulegen. Hintergrund ist eine im internationalen Vergleich überalterte Fahrzeugflotte. Der Autofachmann erwartet aber auch für Südamerika und Osteuropa wieder steigende Verkaufszahlen.

Pro und Contra Autoaktien
ProContra
- weiteres Wachstum aus China und den USA- Starke Abhängigkeit von der Nachfrage in China und den USA
- Analysten setzen vor allem auf BMW und Volkswagen
- Elektrofahrzeuge bieten zusätzliche Chancen
- Einbruch in Europa macht Gewinnsprünge der Hersteller unwahrscheinlich

Fazit: Für Volkswagen, BMW und Porsche war 2012 ein einziger Erfolg. Für das nächste Jahr sagen die Fachleute ein stabiles Wachstum, aber keine großen Gewinnsprünge voraus. Das dürfte die Investoren zumindest positiv stimmen. Die große Unbekannte ist Europa: geht hier die Krise im zweiten Halbjahr zu Ende, könnte das der Branche zusätzliches Wachstum bescheren. Ein weiteres Rekordjahr ist daher möglich.

Stand: 19.12.2012, 16:56 Uhr

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