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Elektro-Smart auf einer Automesse in Peking

Zwangsquoten bestätigt

China macht bei E-Autos Druck

Stand: 19.06.2017, 10:41 Uhr

Können Diplomaten den Riss noch kitten? Entgegen der jüngsten Absprachen legt China jetzt einen 'neuen alten' Entwurf über Zwangsquoten bei E-Autos vor. Keine guten Nachrichten für die deutschen Autobauer.

Denn den heimischen Autofirmen läuft die Zeit davon. Schon ab dem 1. Januar 2018 verlangt China in einer jetzt vorgelegten Verordnung Mindestquoten für E-Autos. Danach sollen die umweltfreundlichen Antriebe im Jahr 2018 acht und in den beiden Folgejahren zehn beziehungsweise zwölf Prozent der PKW-Absätze mit Verbrennungsmotor im Reich der Mitte ausmachen.

Kommt diese Verordnung durch, wäre das ein herber Rückschlag für die deutschen Hersteller, die die strengen chinesischen Forderungen derzeit nicht erfüllen können - und das Thema wohl zu lange unterschätzt haben.

Letzte Hoffnung Diplomatie

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang im Gespräch

Angela Merkel und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang.

Genau um dieses Szenario abzuwenden, hatte die Bundesregierung bei der chinesischen Führung darauf gedrungen, dass erst im Jahr 2019 die Quote eingeführt wird - zuletzt beim Besuch des chinesischen Premierministers Li Keqiang in Berlin Anfang des Monats. Offensichtlich aber ohne Erfolg, trotz zuvor anderslautender Versicherungen der chinesischen Führung.

Die deutschen Diplomaten werden also noch mal in den Ring steigen müssen in Sachen Mindestquote. Doch die Zeit wird knapp, nur noch bis zum 27. Juni können Änderungswünsche eingereicht werden. Ansonsten drohen empfindliche Strafen in Form eines von den Chinesen eingeführten komplexen Punktesystems. Dabei gilt, je effizienter ein E-Auto ist, je mehr Punkte bekommt es. Das können fünf Punkte sein für solche Fahrzeuge mit einer Reichweite von mehr als 350 Kilometern - weit entfernt von dem, was deutsche Hersteller derzeit leisten können. Können sie die Vorgaben nicht erfüllen, müssen sie Punkte von der Konkurrenz "kaufen", die die Vorgaben schon erfüllen.

Ärger mit der EU

Midea steigt bei Kuka ein

Midea und Kuka. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Von den ursprünglich mit der deutschen Diplomatie vereinbarten Ausnahmereglungen ist in der neuen Verordnung jedenfalls nichts mehr zu sehen. Dies könnte eine Retourkutsche der Chinesen sein für Brüsseler Pläne, staatliche Übernahmen von Unternehmen in der EU künftig näher zu durchleuchten. Bis September will die EU-Kommission dazu einen Gesetzesvorschlag präsentieren und dabei das Thema gleichzeitig auf die europäische Ebene verlagern.

Zuletzt hatte es Unbehagen gegeben über den Einkaufsreigen chinesischer Käufer bei europäischen, oftmals deutschen Wissensträgern. Ein Beispiel, das besonders der Bundesregierung sauer aufstieß, war die Übernahme der High-Tech-Roboter-Schmiede Kuka durch die chinesische Midea-Gruppe. Bei dieser waren der Regierung die Hände gebunden, denn ein Veto ist derzeit nur bei sicherheitssensiblen Bereichen (Rüstung) oder strategisch wichtigen Infrastrukturen (Netze) möglich.

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Ungleiche Wettbewerbsbedingungen sollen mit den geplanten Neuregelungen verhindert werden - ein deutlicher Wink in Richtung chinesischer Firmen in Staatsbesitz. Auf dem kommenden EU-Gipfel aller 28 EU-Staaten diese Woche sollen die Dinge ins Rollen gebracht werden.

Autoaktien stabil

Die Anleger lassen sich zumindest heute bei Autoaktien nicht aus der Ruhe bringen, trotz des aufziehenden Sturms aus China. Die Papiere der großen Hersteller und Zulieferer tendieren mit dem Markt freundlich.

rm

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Tesla

Tesla lehrt die europäischen Autohersteller das Fürchten. Das Unternehmen aus Palo Alto hat mit Elektrofahrzeugen den Markt aufgemischt. Auch in Deutschland hat Tesla die Elektromobilität vorangetrieben - wenn auch nur auf bescheidenem Niveau. Die von der Bundesregierung beschlossene Kaufprämie könnte den Stromern neuen Auftrieb geben.

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