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Versicherer

Blaue und ein rotes Prozentzeichen

Versicherungsbranche im Niedrigzins-Dilemma

BaFin: Lebensversicherer in Not

Stand: 19.02.2016, 13:39 Uhr

Die Niedrigzinsen machen den deutschen Lebensversicherern ohnehin schon das Leben schwer. Das wird tendenziell noch schlimmer, warnt die BaFin.

Auf die Branche kommen nach Ansicht ihres obersten Aufsehers in diesem Bereich deutlich höhere Sonder-Rückstellungen zu. "In diesem Jahr wird die Zinszusatzreserve sicher nicht sinken", sagte Frank Grund, der seit Oktober 2015 amtierende Exekutivdirektor der BaFin-Versicherungsaufsicht, der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Freitag veröffentlichten Interview.

Er rechne vielmehr mit einem "signifikanten" Anstieg. "2018 und 2019 kommt dann noch ein zusätzlicher Schub dazu." Die Versicherer müssten sich also auf eine lange Niedrigzinsphase einstellen. "Alles andere wäre fahrlässig."

Bittere Medizin

Die deutschen Lebensversicherer haben allein 2015 gut zehn Milliarden Euro zurückgestellt, um ihre Zinsversprechen aus Hochzinszeiten noch erfüllen zu können. Seit 2011 summiert sich diese Zinszusatzreserve auf 32 Milliarden. Das bringt einige Versicherer allmählich an ihre Grenzen, wie Grund einräumt.

"Als Medizin ist sie auch völlig richtig", sagte er. Sie werde aber "zunehmend anspruchsvoll" für die Versicherer. "Bei ihrer Einführung hätte niemand mit einer so langen Niedrigzinsphase gerechnet. Wir halten die Belastung noch für vertretbar, sehen uns das aber genau an."

"Provisionen müssen sinken"

Einige Lebensversicherer erwägen, die Reißleine zu ziehen. Sie wollen aus dem Neugeschäft aussteigen und ihre Vertragsbestände verkaufen. In Großbritannien ist das seit Jahren gang und gäbe. Unter anderem die von der Hannover Rück und dem Finanzinvestor Cinven gegründete Heidelberger Leben lauert darauf, mehr solcher Bestände aufzukaufen.

Das aber muss die BaFin genehmigen - die Frankfurter Leben des chinesischen Investors Fosun und der BHF-Bank warten noch darauf. Grund sieht solche Pläne skeptisch: "Ich halte es für fraglich, ob eine Konsolidierung durch Übernahme von Beständen die Probleme der Branche löst." Mehrere Bestände zusammenzuführen, sei zunächst sehr aufwändig, die erhofften Größenvorteile seien unsicher.

Zunächst sollten die Firmen selbst ran. Die Kosten für den Abschluss einer Lebensversicherung, zu denen vor allem die Provisionen für die Vermittler gehören, müssten sinken - "und zwar signifikant", forderte Grund. Das erwarte der Gesetzgeber und das liege auch im Interesse der Branche.

bs

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