Ein Auto führt über einen überfluteten Highway in Woodland, Texas

Hoffnung auf neuen Absatzschub in den USA Autobauer könnten von "Harvey" profitieren

Stand: 02.09.2017, 21:24 Uhr

Zwar hat der Wirbelsturm "Harvey" im August den US-Automarkt gebremst. Lediglich VW, GM und Toyota konnten mehr Fahrzeuge verkaufen. Doch schon ab Mitte September könnte die Konjunktur wieder anziehen- wegen "Harvey".

Anja Kohl

Viele neue Autos dank Harvey

Hersteller und Händler rüsten sich bereits für den erwarteten Nachfrageschub infolge von "Harvey". "Unsere Kunden haben eine Menge Fahrzeuge verloren, für die wir Ersatz liefern müssen", sagte Pete DeLongchamps vom drittgrößten US-Autohändler Group 1 Automotive. Der Branchenführer AutoNation hofft darauf, dass das Geschäft ab Mitte September anspringen wird, wenn zahlreiche Kunden die Schadensfälle mit ihren Versicherern geklärt haben. Viele der durch "Harvey" zerstörten Fahrzeuge werden wohl zügig ersetzt. Ford-Manager Mark LaNeve sagte, die Schätzungen dazu reichten von 200.000 bis zu einer Million Autos. Den Autobauern und Händlern könnte dabei ein Umstand zugute kommen, der zuletzt noch kritisch gesehen wurde: Sie haben relativ viele Fahrzeuge auf Lager.

"Harvey" bremst im August den US-Automarkt

Der "Harvey"-Effekt könnte den schwächelnden US-Automarkt wieder ankurbeln. Im August sank dem Fachblatt "Automotive News" zufolge der Absatz um 1,9 Prozent auf 1,48 Millionen Neuwagen. Schuld daran war teilweise "Harvey", der im Süden USA zu Geschäftsausfällen führte. Eigentlich hatten Experten im August dank eines Verkaufstags mehr als im Vorjahr mit einem kleinen Absatzplus gerechnet.

VW überwindet Abgasskandal

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zu den wenigen Autoherstellern, die im August mehr Autos losschlugen, zählte VW. Die Wolfsburger verkauften 32.015 mehr Neuwagen. Das ist ein Plus von neun Prozent. Besonders gefragt war der neue Tiguan-SUV. Auch beim wichtigsten US-Modell Jetta und der Golf-Serie gab es deutliche Zuwächse. Offenbar gelingt es VW, zunehmend den Abgas-Skandal abzuschütteln. Seit Jahresbeginn ist der Absatz um 6,4 Prozent wieder angesprungen.

Die VW-Tochter Audi brachte im vergangenen Monat 2,8 Prozent mehr Autos auf die Straße. Vor allem der neue A5 und das SUV-Modell Q7 erfreuten sich hoher Nachfrage.

Mercedes und BMW verkaufen weniger

Für die anderen deutschen Premium-Autobauer lief es weniger gut. Die Verkäufe von Mercedes-Benz-Pkws gingen um fast elf Prozent auf 25.373 Autos zurück. Auf Jahressicht hat Daimler ein Minus von 2,9 Prozent verbucht. BMW setzte 28.001 Fahrzeuge und damit 8,2 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. In den bisherigen acht Monaten des Jahres haben die Münchener 5,8 Prozent eingebüßt.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gemischtes Bild bei den US-Herstellern

Bei den großen US-Herstellern ergab sich ein gemischtes Bild. Während Marktführer General Motors einen Zuwachs um 7,5 Prozent verzeichnete, mussten Ford und Fiat Chrysler Einbuße hinnehmen. Ford  verkaufte 2,1 Prozent weniger Autos, bei Fiat Chrysler betrug das Minus sogar elf Prozent. Neben VW und GM konnte auch Toyota mit einem Absatzplus von 6,8 Prozent punkten. Die anderen japanischen Wettbewerber Nissan und Honda verkauften indes weniger Fahrzeuge.

Aktien von Ford und FiatChrysler springen an

Die Aussicht auf einen Nachfrageschub durch "Harvey" in den nächsten Monaten stimmte die Anleger optimistisch. Die Aktien der drei großen US-Autobauer zogen am Freitag an der Wall Street an. Die Titel von Fiat Chrysler verteuerten sich um knapp fünf Prozent, die Aktien von Ford legten drei Prozent zu. Nur die Passpiere von GM hinkten etwas hinterher und stiegen nur um 0,4 Prozent.

nb

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