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Automobile

Glühendes Auto fliegt vor schwarzem Hintergrund

Zukunft der Autobranche

Heiße Kiste oder Fehlzündung?

Stand: 16.02.2017, 15:17 Uhr

Keine leichten Zeiten für deutsche Autobauer und ihre Zulieferer. Die Unsicherheit durch Trump und Brexit ist es nicht allein. Es gibt auch etliche andere Probleme. Finger weg also von Auto-Aktien?

Analysten haben zurückgeschaltet. In den Schleichgang. Reihenweise stufen sie deutsche Autoaktien herunter, unter anderem Merrill Lynch. Die Materialkosten steigen, die Kauffreude der Verbraucher lässt mit anziehender Inflation nach. Dann noch die stärkere Konkurrenz aus China. Für Unruhe sorgt auch der geplante Brexit. Und wer weiß schon, was Trump so alles macht. Die Kursrally der Branche erscheint deshalb fast schon ausgereizt, glaubt Marktstratege Tommy Ricketts.

ARD-Börsenstudio: Mischa Ehrhardt

Autoabsätze sind gestiegen. Der Pkw-Absatz in Europa hat zu Jahresbeginn kräftig zugelegt. Vor allem die großen Volumenhersteller glänzten mit hohen Zuwachsraten: VW als Platzhirsch steigerte die Verkäufe um mehr als 10 Prozent. Mischa Ehrhardt berichtet.

Die Bewertungen seien nicht länger so günstig, dass Anleger die tiefgreifenden Herausforderungen für die Hersteller ignorieren könnten, schrieb er kürzlich in einer Studie. Kurz gesagt: Für Anleger ist nicht mehr viel zu holen. Investoren, die von einer Wiederbelebung der Inflation profitieren wollten, sollten lieber auf Banken-, Chemie- oder Ölbranche setzen, weil sie stärker vom erwarteten Wirtschaftswachstum profitieren dürften.

Amerika: Der neue Taktgeber

Der US-Markt - für Autobauer ob seiner Größe immens wichtig - ist ein Damoklesschwert. Er ist zwar äußerst stark, wenn man von den traditionellen Bremsspuren zu Jahresanfang mal absieht. Die Absatzzahlen steigen seit sieben Jahren, 2016 war ein Rekordjahr.

Auch 2017 halten Analysten dies für möglich, weil sie wegen der Wirtschaftspolitik Trumps auf einen Konjunkturaufschwung setzen. Das große Aber ist jedoch: ebenfalls Trump. Anleger sorgen sich wegen seiner Unberechenbarkeit, die es schwer macht, die Entwicklung in den kommenden vier Jahren abzuschätzen. Die Aktienkurse zeigen in den letzten Wochen entsprechende Bremsspuren.

Was kostet Trump?

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Analysten der Schweizer Großbank UBS haben nachgerechnet, was Trump die Autobranche kosten könnte. Die geplanten Strafzölle würden besonders hart die deutschen Hersteller belasten – allen voran VW. Bei den Wolfsburgern würden die Kosten um gut 17 Prozent steigen, ebenso stark bei BMW. Audi müsste mit 16 Prozent höheren Kosten rechnen, Daimler mit gut 13 Prozent mehr. Bei einem so genannten Mexiko-Tarif, einer Einfuhrsteuer von 35 Prozent auf Produkte, die aus Mexiko importiert würden, wäre die Belastung noch höher.

Allerdings ist gut möglich, dass es nicht zu den Strafzöllen kommt. Die UBS schätzt die Wahrscheinlichkeit auf unter 50 Prozent - nicht zuletzt auch deshalb, weil die Autobauer ganz Lobby-Arbeit leisten werden.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Umwälzungen durch E- und Roboter-Auto

Was die etwas fernere Zukunft betrifft, stehen technologisch und gesellschaftlich massive Umwälzungen an: Das Roboter-Auto kommt. Das E-Auto dürfte endlich in die Gänge kommen, jetzt, da die Branche es für massentauglich erklärt hat. Keine leichten Zeiten für die Branche, die vom Trend zum Car-Sharing zusätzlichen Druck erfahren wird. Morgan Stanley gab der Autobranche daher nur noch fünf bis zehn Jahre. "Tod eines Auto-Analysten", titelte der Forschungschef der Bank, Adam Jones, reißerisch seine Studie. Demnach bedeutet der gewaltige Umbruch für viele Konzerne den Tod - beerdigt von Google, Amazon und Uber.

Insolvenzverwalter sehen mit dem Elektroauto auch eine Pleitewelle auf die deutsche Zulieferindustrie zurollen. Dabei dürften mehr als 100.000 Arbeitsplätze verloren gehen, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht im Deutschen Anwaltverein, Martin Prager. Vom Kolben über das Getriebe bis zum Auspuff werden viele Teile beim E-Motor überflüssig. Das stelle hoch spezialisierte Zulieferer vor existenzielle Herausforderungen, vom Mittelständler bis zum Konzern. "Viele werden die Anpassung nicht schaffen", sagte Prager.

bs

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Deutschlands Schlüsselbranche

Aktien der Autobauer und Zulieferer

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 2 Jahre

Volkswagen VZ

Die VW-Aktie steht natürlich noch unter dem Einfluss des Diesel-Skandals. Sie hat sich zwar schon wieder erholt, aber ist längst nicht wieder auf alten Höhen. Und sie zeigte wie viele Auto-Aktien in diesem Jahr Schwäche.

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