Produktion bei Fiat Chrysler Automobiles

Zu wenig Tempo Autoaktien fahren dem Börsenzug hinterher

Stand: 06.03.2017, 15:25 Uhr

Deutschland ist Autoland. Entsprechend hoch sind die Aktien der Branche im Dax gewichtet. Aber zuletzt konnten sie mit dem Rekordtempo der Börse nicht mehr mithalten. Nur eine schlechte Phase oder steckt mehr dahinter?

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.263,86
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Wer in Nullzinszeiten bisher auf Aktien gesetzt hat, ist nicht schlecht gefahren. Der deutsche Leitindex Dax ist nur noch knapp von seinem Rekordhoch aus dem April 2015 entfernt, als 12.390 Punkte erreicht wurden. Das hohe Niveau des Index täuscht aber darüber hinweg, dass andere Indizes besser gelaufen sind.

Ob es auf nationaler Ebene mit MDax & Co. die Indizes aus der zweiten Reihe sind oder die Boom-Leitbörse in Amerika - alle haben neue Rekorde erreicht, nur der Dax eben nicht. Warum kommt er nicht so in die Gänge wie andere Indizes? Bei dem Versuch, sich dieser Frage zu nähern, fallen vor allem die im Dax gewichtig vertretenen Autoaktien ins Auge.

Dax hinkt den Autoaktien hinterher

Diese sind derzeit nicht so begehrt wie noch vor zwei Jahren, abzulesen an den vergleichsweise geringeren KGVs der im Index vertretenen Aktien aus der Branche als 2015. Anders ausgedrückt, die Börse billigt der Branche in der Zukunft nicht mehr ein so hohes Gerwinnwachstum zu - und genau darum geht es ja bekanntlich beim Geschäft mit Aktien. Kein Wunder also, dass der Dax bei diesen Gewinnperspektiven nur unterdurchschnittlich in die Gänge kommt. Zum Vergleich: Im US-Leitindex Dow Jones sind überhaupt keine Autowerte enthalten.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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60,52
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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129,80
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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80,14
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Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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193,25
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+2,03%

Im Dax sind mit den Herstellern VW, Daimler, BMW sowie dem Zulieferer Continental dafür gleich mehrere Schwergewichte vertreten. Sie stehen immerhin für gut ein Drittel der in diesem Jahr erwarteten Gewinne, so Commerzbank-Experte Andreas Hürkamp gegenüber dem "Handelsblatt".

Zudem gelten sie als solide Dividendenzahler. So ist Daimler das Unternehmen im Dax, das mit 3,48 Milliarden Euro für 2016 die höchste Ausschüttung überhaupt auszahlt, noch vor der Allianz.

Von Dieselgate bis Donald Trump

Trotz blendender Absatzahlen und glitzernder Autoshows - gleich mehrere dunkle Wolken trüben an der Börse den Autohimmel. So ist die Zukunft des Dieselmotors nach dem VW-Skandal immer noch ein großes Thema. Hat der Diesel überhaupt eine Zukunft, nachdem sogar im Hersteller-Autoland Deutschland über Fahrverbote aus Umweltgründen nachgedacht wird?

Und wenn nicht, was könnte die Alternative sein? Der Vormarsch der E-Autos scheint nicht mehr aufzuhalten, die entsprechenden Äußerungen der Verantwortlichen in den Konzernen sind eindeutig.

Was aber müssen die Anleger denken, wenn die Innovation derzeit zumindest gefühlt nicht aus Deutschland, sondern aus den USA kommt? Der reinrassige E-Autohersteller Tesla sorgt da gewaltig für Fantasie, wie der Blick auf den Chart der Aktie zeigt. Auch Apple, Google & Co. werden immer wieder mit dem selbstfahrenden Auto in Verbindung gebracht.

Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender Continental

Continental-Chef Elmar Degenhart. | Bildquelle: Unternehmen

All diesen Entwicklungen ist aber gemeinsam, dass eigentlich niemand so genau weiß, wann das E-Auto wirklich aus dem Versuchsstadium heraustreten und auch wirtschaftlich eine echte Alternative zu den aktuellen Modellen sein wird. Continental-Chef Elmar Degenhart erwartet, dass dies nicht vor dem Jahr 2020 sein wird. Aber an der Börse möchte so lange eben niemand auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Bliebe noch Donald Trump und sein Hang zum Protektionismus, stellvertretend für zuletzt gestiegene politische Risiken. Gerade die exportstarke deutsche Autoindustrie wäre von denen von Trump angedrohten höheren amerikanischen Zöllen oder einer Brexit-bedingten Abschottung des britischen Marktes besonders hart betroffen.

Das Auto bleibt faszinierend

Ein Arbeiter reinigt das Firmenschild eines Volkswagen-Autohauses in der Nähe von Shanghai

VW China Shanghai. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Aber vielleicht sind das auch alles Unkenrufe - die aktuellen Absatzahlen, zuletzt von Daimler für den Februar, zeigen, dass das Automobil trotz hoher Produktionszahlen bei den Kunden nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Und auch wenn Anleger und Analysten derzeit nicht mehr so euphorisch sind - abschreiben sollte man die Faszination Auto daher nicht zu schnell, gerade nicht in Schwellenländern wie China.

Das Innovationstempo steigt darüber hinaus im Hinblick auf die digitale Vernetzung drastisch an und sollte für weitere Nachfrage sorgen. Eine Herausforderung für die deutsche Automobilwirtschaft, der sie sich derzeit stellt. Besteht sie sie, wäre dies dann wohl spätestens der Zeitpunkt, ab dem auch der "Auto-Dax" wieder mehr Schwung entwickeln dürfte.

rm

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