Tim Cook stellt die Apple Watch 3 vor

Jetzt startet die Smart Watch durch Vergesst die Smartphones!

von Bettina Seidl

Stand: 14.09.2017, 12:55 Uhr

Ist jetzt das Ende der Smartphone-Ära eingeleitet? Mit der neuen Apple Watch, die telefonieren kann, werden neue Maßstäbe gesetzt. Sie ist schon jetzt die Nummer 1 auf dem Uhrenmarkt - auch ohne Telefonfunktion. Das sichert Apples Zukunft und läutet - mit Verspätung - eine neue Ära ein.

Als Apple 2014 stolz seine Apple Watch und Google seine Datenbrille Google Glass präsentierten, wurde das Ende des Smartphones ausgerufen: In 10 Jahren sei das Smartphone tot, sagten Experten, es werde aus unserem Alltag verschwinden. Statt dessen würde die Ära der so genannten Wearables übernehmen, smarte Uhren, Datenbrillen oder gar Kontaktlinsen. Der englische Zukunftsforscher Ian Pearson etwa sagte, das Thema der Zukunft sei die Augmented Reality, die Verschmelzung der realen Umgebung mit der virtuellen Welt - wie etwa bei einer Datenbrille möglich.

Revolution verspätet sich

Der Erfolg von Apple Watch und Google Glass blieb zunächst aus, es fehlte an der breiten Akzeptanz in der Bevölkerung. Die smarte Uhr war zwar ein kleines Technikwunder - doch genutzt wurde sie hauptsächlich zum Lesen von Textnachrichten und als Fitness-Armband. Die Google Glass wurde wieder begraben. Vorbei die revolutionäre Ablösung?

Keineswegs. Die Revolution kommt jetzt erst in Gang. Mit der neuen Apple Watch, die jetzt telefonieren kann und der wieder auferstandenen Google Glass. Es gibt die Datenbrille zwar nicht für den privaten Konsumenten, aber für Unternehmen zum Einsatz im Arbeitsalltag.

Wie unsere Telefon-Zukunft aussieht, ist zuverlässig nicht vorhersagbar. Die Kommunikationswelt ist zu schnelllebig. Wer hätte früher schon gedacht, dass die Wählscheibe beim Telefon vom Smartphone abgelöst wird? Und auf die Unternehmen bezogen: Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass das alles dominierende Nokia-Handy in der Versenkung verschwindet.? Noch 2008 kamen die Finnen auf einen Marktanteil von über 50 Prozent. Trotz schwindender Marktanteile hält sich Nokia weiter an der Weltmarktspitze. Erst 2012 - vor fünf Jahren also - wird der finnische Handy-Hersteller vom Thron gestoßen. Und aus heutiger Sicht betrachtet? Kann sich an Nokia kaum noch jemand erinnern, und ganz normale Handys sind weitgehend von der Bildfläche verschwunden.

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Weltweite Handy-Verkäufe 2000

Nokia dominert den Markt im Jahr 2000

Damals – anno 2000 – ist die Handywelt noch eine völlig andere. Weltmarktführer Nokia beherrscht den Markt mit fast einem Drittel Marktanteil. Dahinter kommt Motorola auf Platz 2 mit rund 15 Prozent und Ericsson auf Platz 3 mit 10 Prozent. Siemens und Panasonic gebührt Platz 4 und 5. Ja, tatsächlich, Siemens. In Deutschland wurden damals noch Handys gebaut. Inzwischen sind viele der großen Namen nur noch Schall und Rauch.

Apple Watch rollt den Markt auf

Wie stehen die Chancen, dass die Wearables das nächste große Ding werden? Das Marktforschungsinstitut IDC sieht den Wearable-Markt in eine "neue Phase" eintreten und prognostiziert Auslieferungen von insgesamt 240 Millionen Geräten im Jahr 2021. Apple dürfte einen Großteil davon abgreifen.

Die Apple Watch rollt gerade den ganzen Uhren-Markt auf. Laut Apple-Chef Tim Cook ist sie nicht mehr nur die best verkaufte Computer-Uhr, sonderrn mittlerweile auch Nummer 1 aller Uhren. Apple hat damit Rolex vom Thron gestoßen und Fossil, Omega und Cartier auf die Ränge verwiesen.

Zwar nennt Apple wie gehabt keine konkreten Verkaufzahlen, weder Umsätze noch Stückzahlen, was lange Zeit als Beweis für die Erfolglosigkeit des Produkts gewertet wird. Doch inzwischen haben auch die Marktforschungsinstitute wie IDC und Strategy AnalticsApples durchschlagenden Erfolg bestätigt. Laut Schätzungen der Analysten von IDC wurden im Sommer-Quartal insgesamt sieben Millionen smarte Uhren verkauft - und fast die Hälfte der weltweiten Umsätze habe Apple eingestrichen: satte 49,6 Prozent oder 3,4 Millionen Uhren. Strategy Analytics sprach von 3,8 Millionen Apple Watches. 2015 war Rolex noch auf dem Thron der Uhrenhersteller.

Marktbericht neutral

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Dabei läuft es längst nicht für alle Smartwatch-Hersteller gut. Samsung verkauft laut IDC gerade einmal 800.000 Exemplare, obwohl man damit schon längst telefonieren kann. Manch Hersteller zieht sich angesichts der schwachen Verkäufe komplett aus dem Smartuhren-Geschäft zurück, wie etwa Motorola. Huawei und Asus spielen angeblich mit dem Gedanken, keine Nachfolger ihrer intelligenten aber erfolglosen Uhren herausbringen.

Kannibalisiert sich Apple selbst?

Die Frage ist, ob Apple der Erfolg seiner Uhr so recht ist. Schließlich könnte sie das iPhone verdrängen - und die ist der Goldesel des Konzerns. Trotz schwindender Marktanteile beim iPhone, verdient Apple damit mehr als alle anderen Konzern zusammen. 2016 griff der Konzern rund 80 Prozent der weltweit erzielten Smartphone-Gewinne ein. Was auch an dem stolzen Preis des iPhone liegt. Das neue iPhone X soll in Deutschland zwischen 1.149 Euro und 1.319 Euro kosten. Die Apple Watch mit Mobilfunk-Funktion ist ab 450 Euro zu haben.

Das Wachstum der Apple Watch ist beeindruckend. Laut früheren Schätzungen der taiwanesischen Publikation DigiTimes dürften im Jahr 2015 fünf Millionen Uhren verkauft worden sein, in diesem Jahr könnten es schon 15 Millionen sein und im nächsten Jahr 20 Millionen. Seit Apple-Chef Tim Cook von einem Wachstum von 50 Prozent sprach, dürften diese Schätzungen aber sogar überholt sein.

Die Apple-Umsätze
Laut der US-Bank KeyBanc dürfte Apple im Geschäftsjahr 2018 schätzungsweise 17,4 Millionen Uhren verkaufen, was für 7,6 Milliarden Dollar zusätzlchen Umsatz sorgen dürfte. Das ist allerdings noch ein Bruchteil der erwarteten Konzernerlöse von 271 Milliarden. Mehr als die Hälfte - 180,5 Milliarden - gehen wohl noch auf das Konto des iPhone.

Allerdings besteht derzeit nicht die Gefahr, dass die Uhr das iPhone kannibalisiert. Denn man kann mit der Apple Watch zwar ohne Handy in der Tasche telefonieren, doch gänzlich ohne iPhone geht es noch nicht. Kannibalisierungstendenzen gibt es sicher, das kennt man aus dem Hause Apple schon: Das iPad macht dem Macbook Konkurrenz, das iPhone dem iPad, und jetzt bekommt die Apple Watch immer mehr iPhone-Funktionen. Doch Apples Schaden war es letzlich nicht. Der Konzern schafft es mit seiner umfangreichen Produktwelt immer wieder, mehr Bedürfnisse bei seinen Fans zu schaffen statt sie zu verdrängen.

In Deutschland nur über die Telekom

In Deutschland muss man einen Mobilfunk-Vertrag mit der Telekom haben, um die Mobilfunk-Funktion der Apple Watch zu nutzen. Monatlich müssen für den Handyvertrag mindestens knapp 28 Euro gezahlt werden, für die Aktivierung der Zusatz-SIM-Karte für die Uhr kommen noch einmal 4,95 Euro monatlich dazu.

bs

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