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Geldanlage 2013

Hardware-Branche

Machtkampf im High-Tech-Dschungel

Für Hersteller von Computern, Halbleitern oder Unterhaltungselektronik ist eine Zeitenwende im Gange. Das mobile Internet hat die Macht- und Marktverteilung durcheinander gewirbelt. Die IT-Giganten der Vergangenheit werden von Emporkömmlingen bedrängt. 2013 könnte zum Jahr der Wachablösung werden.

Jahresausblick 2013 Hightech 784. | Quelle: picture-alliance/dpa

Intel: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Hewlett-Packard: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Ende 2012 ist nichts mehr wie es noch vor wenigen Jahren oder sogar Monaten war. Die größten Computer-Hersteller der Welt, Hewlett-Packard und Dell, stecken in der Krise. Das rasante Wachstum der High-Tech-Gesellschaft hilft dem führenden Chip-Hersteller Intel nicht mehr. Die einst größten Hersteller der Handy-Branche sind wie Nokia ins Abseits gedriftet oder - wie Motorola - erst zerschlagen und dann von Google übernommen worden. Die Herrscher des Unterhaltungs-Elektronik-Marktes wie Sony oder Sharp kämpfen mit dem Rücken zur Wand.

Markt verfünffacht sich bis 2016
Der Treiber des Wandels ist das mobile Internet. Smartphones und Tablet-PCs sind die beiden Segmente, in denen Wachstum noch dynamisch stattfindet und das wohl in den kommenden Jahren. Nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts IDC wird der Markt der "smart connected devices", also der Geräte mit schnellem Internet-Zugang von 140,4 Milliarden Dollar 2012 auf knapp 800 Milliarden Dollar im Jahr 2016 wachsen. Mehr als 2,1 Milliarden "smarte" Geräte werden danach im Jahr 2016 verkauft werden.

Innerhalb dieses Marktes werden die mobilen Geräte wie Smartphones und Tablet-PCs die Führung übernehmen. Die Computer in Handy-Gestalt werden alleine 66,7 Prozent des Zukunftsmarktes ausmachen, Tablets sollen in vier Jahren 13,4 Prozent der Geräte ausmachen. Und der Anteil der Personal Computer wird von derzeit 39,1 auf 19,9 Prozent halbiert werden (s. dazu auch: Tablet-Markt im Aufruhr).

Windows 8 als Retter?

Ein Erdrutsch, der sich im laufenden Jahr schon angebahnt hat. Die PC-Nachfrage ging im dritten Quartal 2012 um acht Prozent zurück, das größte Minus seit einem Jahrzehnt. Auch die Auslieferung des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows 8 kann die Talfahrt der Industrie nicht stoppen: In den USA etwa gingen die Verkaufszahlen bei Desktop- und Laptop-Rechnern in den vergangenen Wochen sogar um ein Viertel zurück.

Für PC-Hersteller wie Hewlett-Packard oder Dell ist dies eine kleine Katastrophe. Umsatz- und Gewinnprognosen werden reihenweise kassiert, Entlassungswellen schwappen auch auf auf Deutschland über, die Aktienkurse der einstigen Herrscher über die High-Tech-Welt bröckeln (s. dazu auch unsere Chartserie).

Taktfrequenz ist nicht alles

So wie viele altehrwürdige PC-Größen den Wandel hin zu Smartphones und Tablet-Computern verpasst haben, geht es auch den arrivierten Zulieferern: Chip-Hersteller wie Intel oder AMD sind in den kleinen mobilen Geräten bei weitem nicht so stark vertreten wie auch den "großen" Rechnern. Jetzt zählen nicht mehr die schiere Rechenleistung und Taktfrequenz, sondern der Energieverbrauch eines Chips und sein Preis in der Massenfertigung (s. auch unser Hintergrund: Intel vor der Entscheidung).

Neue Anbieter im Chipbereich wie die britische ARM und das US-Unternehmen Qualcomm waren von Anfang an auf den mobilen Geräten vertreten und schicken sich nun sogar an, in den PC-Bereich und damit in das angestamme Revier von Intet und AMD vorzustoßen.

Preisverfall und mobile Konkurrenz

Sony: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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14.62
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Der Einschlag durch die mobilen Geräte erschüttert aber auch die Branche der Unterhaltungs-Elektronik. Videos und Musik kann man übers Internet und in ausgezeichneter Qualität auch via Smartphone und Tablet genießen. Entsprechend ging der Umsatz mit LCD-Fernsehern in Europa etwa seit Jahresbeginn um sieben Prozent zurück. Das liegt zusätzlich am galoppierenden Preisverfall bei den Geräten. Größen der Branche wie Sony, Sharp oder LG kämpfen nicht nur gegen Umsatz- und Gewinnschwund, sondern sogar um ihre nackte Existenz.

Im kommenden Jahr wird der Verdrängungs-Wettbewerb, der durch die mobile Revolution ausgelöst wurde, daher wohl den einen oder anderen Konkurrenten vom Markt drängen. Wer sich in der High-Tech-Industrie halten will, muss schnell, anpassungsfähig und günstig sein, vor allem aber mobil.

Stand: 20.12.2012, 11:23 Uhr

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