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Medizintechnik

Markus Safaricz Spectaris

Interview

Hat der 3D-Druck in der Medizin bessere Chancen?

Stand: 09.10.2015, 15:09 Uhr

Bisher bleibt der große Durchbruch des 3D-Drucks in vielen Branchen aus. Innovations-Experte Dr. Markus Safaricz vom Industrieverband Spectaris gibt eine Einschätzung, ob es um den 3D-Druck in der Medizintechnik genauso steht.

boerse.ARD.de: In der 3D-Druckbranche an sich sieht es bisher eher durchwachsen aus. Aber dem medizinischen 3D-Druck werden gute Chancen vorausgesagt. Sehen Sie das genauso?

Markus Safaricz: Ja, ganz sicher. Gerade bei der alternden Gesellschaft in Deutschland hat der wachsende Bedarf an Gelenkprothesen, Zahnimplantaten und auch Organen ein enormes Marktpotenzial. Bisher kann davon aber erst ein kleiner Teil durch die junge 3D-Drucktechnik bedient werden. Die rasante Entwicklung wird aber die medizinische Versorgung revolutionieren.

boerse.ARD.de: Was sind die Produkte, die vielfach aus dem 3D-Drucker kommen?

Safaricz: Augenprothesen, Zahnersatz, Kieferrekonstruktionen, Hüftimplantate - die Vielfalt des 3D-Drucks ist groß. Sehr hilfreich sind Modelle, die individuell für einen Patienten angefertigt werden, um Implantate optimal anzupassen. Oft setzt man sie vor Operationen ein. Die Dauer von Operationen lässt sich mithilfe dieser Modelle erheblich verkürzen. Dadurch wird auch die Belastung für den Patienten minimiert.

Zurzeit forscht man unter anderem an gedruckten, sich um das Herz schließenden Hülsen. Mit 3D-gedruckten Nervenbahn-Gerüsten kann Nervenwachstum angeregt werden. Das kann in Zukunft bei der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten helfen und dabei, Prothesen mental zu steuern.

Ein wenig Zukunftsmusik ist noch der Druck von funktionellem Gewebe aus lebenden Zellen wie beispielsweise Hautpartien. Es ist auch noch zu komplex, Organteile zu drucken. Wenn in 30 bis 50 Jahren beispielsweise Nieren oder andere Organe gedruckt werden könnten, wäre die medizinische Versorgung eine vollkommen andere als heute.

3D-Implantat Halswirbelsäule

3D-Implantat Halswirbelsäule. | Bildquelle: picture alliance / dpa

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