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Schild mit einer stürzenden Figur

Typischer Anlegerfehler

Wer hat Angst vor Allzeithochs?

von Angela Göpfert

Stand: 07.05.2013, 12:26 Uhr

Viele Anleger leiden unter Höhenangst. Sie schrecken vor dem Kauf von Aktien oder Indizes zurück, die auf Rekordhoch notieren. Das bleibt leider nicht ohne Folgen für die Depotperformance.

Es ist immer das Gleiche. Egal, ob ein Index wie der Dax oder eine einzelne Aktie auf neue Rekordhochs steigen: Technische Analysten weisen Anleger unermüdlich darauf hin, dass die Markierung eines Allzeithoch das beste Kaufsignal überhaupt ist. Schließlich seien historische Widerstände im so genannten "uncharted territory" jenseits der alten Rekordmarken naturgemäß nicht auszumachen.

"The trend is your friend", lautet eine alte Börsenweisheit. Doch offenbar vermag kaum ein Anleger, ihr zu folgen.

Große Verlustängste
Woran das liegt, erläutert der Schweizer Vermögensverwalter Mojmir Hlinka im Gespräch mit boerse.ARD.de: "Befindet sich eine Aktie auf Allzeithoch, meldet unsere Psyche: Ein weiterer Anstieg ist unwahrscheinlich." Im Sprech der "Behavioral Finance" wird dieses Phänomen dann auch als "all-time-high bias" bezeichnet.

Verstärkt wird das Ganze noch durch den Dispositionseffekt. Dieser beruht auf dem Phänomen der Verlustabneigung, das die Psychologen Amos Tversky und Daniel Kahnemann erstmals in den späten 1970ern beschrieben haben.

Anleger empfinden demnach Verluste sehr viel stärker als Gewinne. Das führt dazu, dass Investoren Verluste viel zu spät und Gewinne viel zu früh realisieren. Beide Effekte, Dispositionseffekt und All-Time-High-Bias, kumulieren sich negativ.

Behavioral Finance

Die Behavioral Finance beschäftigt sich mit der Psychologie der Anleger. Sie widerspricht klar dem Bild des Homo oeconomicus, der alles weiß und stets effizient und rational handelt. Stattdessen will sie aufzeigen, wie Anlageentscheidungen tatsächlich zustande kommen und welche Fehler Anleger dabei immer wieder typischerweise machen.

Der Feind in meiner Psyche

Die schlechte Nachricht: Für die Anlegerpsyche bedeutet es eine gewaltige Anstrengung, dieses unbewusste Fehlverhalten (all-time-high bias, Dispositionseffekt) einfach abzustellen. Häufig ist es auch so, dass Anleger das Fehlverhalten auch deshalb nicht abstellen können, weil sie es gar nicht kennen.

Die gute Nachricht: Zumindest letzteres Problem haben Leser von boerse.ARD.de nun nicht mehr. Sie wissen immerhin, wer ihr "Feind" ist.

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