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Börsenpsychologie

Bulle, Bär und Börsenkurse auf einem Notebook

Kommentar

Warum steigt der Dax?

von Detlev Landmesser

Stand: 10.11.2016, 11:38 Uhr

Gestern war ein Börsentag, wie man ihn selten erlebt. Das Undenkbare tritt ein, das "Börsen-Monster" Trump soll Präsident werden – und was tut der Aktienmarkt? Nach einem Schreckmoment steigen die Kurse – und zwar so richtig.

Und auch heute Morgen dauert die Rally an! Auch gestandene Börsenprofis gaben offen zu, über das Geschehen bass erstaunt zu sein. Aber was ist der Grund dafür? Ist es etwa so, dass die Börse Donald Trump jetzt doch für den besseren Kandidaten hält - oder er gar ihr heimlicher Favorit war?

Mitnichten. Die Ausschläge rund um die Aufs und Abs der beiden Kandidaten haben die Präferenz der Märkte eindeutig verraten. Man denke allein an die Rally nach den Sex-Enthüllungen zu Trump oder der Absolution Clintons durch das FBI.

Die Macht der vollendeten Tatsache

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
Kurs
12.733,41
Differenz relativ
-0,47%

Aber warum feiern die Märkte dann das genaue Gegenteil des Gewünschten? Der Grund ist ein Börsenphänomen, dessen Mächtigkeit immer wieder unterschätzt wird. Es ist die Erleichterung über die vollendete Tatsache, das fait accompli.

Börsianer sind politischen Prozessen gegenüber manchmal geduldig – aber auch sie sind erleichtert, dass die unwürdige Schlammschlacht ein Ende gefunden hat, die Amerika für mehr als ein Jahr im Bann hielt.

Jetzt endlich gibt es eine Situation, auf die sich die Investoren einstellen können. Es ist endlich klar, wer in den kommenden vier Jahren die Geschicke der Welt mitbestimmt. Wenn auch noch keineswegs klar ist, wie.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
21.394,76
Differenz relativ
-0,01%

Aber der Börse bleibt nun bis zum 20. Januar Zeit, sich auf das Wie einzustellen. Und immerhin gibt es erste Hinweise. Freihandelsgegner Trump bleibt auf wirtschaftspolitischem Feld zunächst unberechenbar. Aber es lässt sich schon erkennen, dass die Fed ihren Zinsschritt im Dezember eben nicht verschieben wird, wie von manchen Krisenpropheten orakelt wurde. Auch die ersten Branchen, die tendenziell von Trump profitieren, scheinen ausgemacht: Rüstung, Pharma, Bau.

Präsidiale Worte von Trump, nach dem Motto "ich bin doch gar nicht so schlimm", nimmt der Markt dabei begierig auf. Ob Trump den Schafspelz später wieder abstreift, ist dafür erst einmal gar nicht wichtig (wie übrigens schon häufiger die Börsenreaktionen auf wichtige Putin-Reden gezeigt haben).

Bleibt Trump bis zu seinem Amtsantritt bei dieser Tonalität, steht von dieser Seite einem weiteren mächtigen Börsenphänomen wenig im Wege: Der Jahresendrally.

Alle Kommentare (1)

Kommentar von "Rudolf Gammel" am 10.11.2016, 16:25 Uhr

...es ist ein rein liquiditätsgetriebener Markt der politisch nicht beeinflusst ist...

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