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Schreck am Vormittag
Waren die Anleger zu sorglos?
von Angela Göpfert
Seit Jahresbeginn sind die Anleger weltweit in Feierlaune. Doch am Dienstag bricht der Dax zeitweise kräftig ein. Ist die Party nun vorüber? Erste Warnsignale sind jedenfalls vorhanden.
Haben die jüngsten Kursgewinne den Anlegern die Sicht vernebelt?
So absurd es klingen mag: Die wohl größte Herausforderung für die Märkte ist wahrscheinlich die gute Laune der Anleger. Bis zum Dienstagvormittag ließ sich die Stimmung bei Profis wie Privatanlegern am besten durch Adjektive wie optimistisch, bullish, euphorisch oder sorglos beschreiben. Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest hatte vor diesem Hintergrund jüngst vermehrt auf das "überhitzte Sentiment" hingewiesen.
Renne nicht mit der Herde…
So genannte Sentiment-Werte, die sich auf die Stimmung unter den Anlegern oder Marktbeobachtern beziehen, werden von Profis häufig als Kontraindikatoren herangezogen: Sind die Anleger zu optimistisch, werden die Kurse fallen. Sehen die Investoren hingegen nur noch schwarz, dürften die Kurse schon bald wieder anziehen.
Nicht anderes verbirgt sich hinter dem bekannten Ratschlag von Starinvestor Warren Buffett, Anleger sollten sich über die allgemeine Stimmung an den Finanzmärkten hinwegsetzen: "Sie sollten ängstlich sein, wenn andere Investoren gierig sind, und gierig sein, wenn die anderen Angst haben."
Warren Buffett
… sonst wirst Du niedergetrampelt!
Dahinter steckt eine in der Tat überzeugend einfache Logik: Sind die Anleger sehr pessimistisch, sind sie auch kaum investiert. Weitere Kursabschläge sind dann nur schwer machbar. Denn woher sollen neue Verkäufer kommen, wenn alle Verkaufswilligen schon verkauft haben?!
Umgekehrt tun sich immer dann Abwärtsrisiken für die Märkte auf, wenn der Durchschnittsinvestor blindlings die Aktienquote erhöht und dem Glauben anhängt, die Börse könne nur noch steigen.
Zu großer Optimismus
Tatsächlich deuteten alle wichtigen Sentiment-Indikatoren zuletzt genau in diese Richtung: So waren laut Investors Intelligence nur noch 22,3 Prozent der US-Börsenbriefschreiber pessimistisch gestimmt. Das war der niedrigste Wert seit Mai 2012.
Auch die Institutionellen schwelgten in Optimismus. Der Index der nordamerikanischen Fonds-Manager (NAAIM-Index) befand sich zu Jahresbeginn oberhalb von 80 Punkten. "Ähnliche Werte wurden an früheren Hochpunkten registriert", so Rethfeld.
Kodiakbär mit offenem Maul
Ein hervorragender Vorlauf-Indikator
Selbst die US-Privatanleger setzten vor anderthalb Wochen ein neues Ausrufungszeichen: Bei der wöchentlichen Umfrage der American Association of Individual Investors (AAII) unter ihren Mitgliedern hatte sich der Anteil der Bullen mit 46,4 Prozent der 50-Prozent-Marke stark angenähert. Bei solchen Extremwerten hatte der Markt in der Vergangenheit häufig nach unten gedreht. Zum Vergleich: Der Langzeitdurschnitt für den Bullen-Anteil liegt bei 39,0 Prozent.
Dass der "Sentiment Survey" der AAII ein guter Vorlaufindikator für die Marktentwicklung ist, hat er in der jüngeren Börsengeschichte vermehrt unter Beweis gestellt. So war etwa der außergewöhnlich hohe Bären-Anteil von 48,8 Prozent im November (boerse.ARD.de berichtete) zugleich der Startschuss für die jüngste Kursrally. Auch in den Jahren 2010/2011 sowie im Frühsommer 2012 hatten die Börsen auf Bären-Niveaus jenseits der 40-Prozent-Marke Tiefs ausgebildet.
Stand: 22.01.2013, 14:08 Uhr