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Sentiment liefert Einstiegssignal
Gut gebrüllt, Bär!
von Angela Göpfert
Eigentlich ist der Bär an der Börse kein gern gesehenes Tier, steht er doch symbolisch für fallende Kurse. Doch dass US-Privatanleger so bearish gestimmt sind, wie seit langem nicht mehr, ist eindeutig eine gute Nachricht für die Aktienmärkte!
Ein Bär, juchuh!?
Die wöchentliche Umfrage der American Association of Individual Investors (AAII) unter ihren Mitgliedern ist einer der weltweit meistbeachteten Sentiment-Indikatoren. Vor einer Woche setzten die US-Privatanleger nun ein neues Ausrufungszeichen. Der Anteil der Bären schoss auf 48,8 Prozent. Das war der höchste Wert seit dem August-Crash der Aktienmärkte 2011.
Ungewohnt viele Bären
In dieser Woche ging der Anteil der Bären zwar auf 40,8 Prozent zurück. Damit geht aber nach wie vor eine überwältigende Mehrheit der Privatinvestoren in den USA von fallenden Kursen für die nächsten sechs Monate aus. Nur 35,8 Prozent der Anleger sind bullish gestimmt, 23,4 Prozent neutral.
Zum Vergleich: Der langjährige Durchschnitt für das Bären-Lager liegt bei 30 Prozent, die Bullen haben für gewöhnlich 39 Prozent der Anleger auf ihrer Seite.
Renne nicht mit der Herde...
Damit steht die Anlegerstimmung steigenden Kursen nicht im Wege. Im Gegenteil: So genannte Sentiment-Werte, die sich auf die Stimmung unter den Anlegern oder Marktbeobachtern beziehen, werden von Profis häufig als Kontraindikatoren herangezogen: Sind die Anleger zu optimistisch, werden die Kurse fallen. Sehen die Investoren hingegen nur noch schwarz, dürften die Kurse schon bald wieder anziehen.
Nicht anderes verbirgt sich hinter dem bekannten Ratschlag von Starinvestor Warren Buffett, Anleger sollten sich über die allgemeine Stimmung an den Finanzmärkten hinwegsetzen: "Sie sollten ängstlich sein, wenn andere Investoren gierig sind, und gierig sein, wenn die anderen Angst haben."
... sonst wirst Du niedergetrampelt
Dahinter steckt eine in der Tat überzeugend einfache Logik: Sind die Anleger sehr pessimistisch, sind sie auch kaum investiert. Weitere Kursabschläge sind dann nur schwer machbar. Denn woher sollen neue Verkäufer kommen, wenn alle Verkaufswilligen schon verkauft haben?!
Umgekehrt tun sich immer dann Abwärtsrisiken für die Märkte auf, wenn der Durchschnittsinvestor blindlings die Aktienquote erhöht und dem Glauben anhängt, die Börse kenne nur eine Richtung.
Bären-Hoch gleich Aktien-Tief?
Jubel
Beispiele für diese Regel gibt es zuhauf. In der jüngeren Börsengeschichte hatten etwa die Börsen auf Bären-Niveaus jenseits der 40-Prozent-Marke häufig Tiefs ausgebildet, so etwa in den Jahren 2010/2011. Im Frühsommer 2012 lag die Bären-Quote unter den AAII-Mitgliedern sogar bei über 45 Prozent.
Das war der Startschuss für eine beeindruckende Rally im S&P 500, im Dow Jones – aber auch im Dax. Der deutsche Leitindex kletterte von seinem Juni-Tief bei 5.914 Punkten bis auf 7.478 Punkte in der Spitze.
Tatsächlich spricht auch dieses Mal vieles dafür, dass der ungewöhnlich hohe Bärenanteil mit einem Börsentief einhergegangen sein könnte. An den vergangenen sechs Handelstagen schoss der Weltleitindex S&P 500 3,6 Prozent in die Höhe. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Dax, der ausgehend von seinem Tief am 16. November bei 6.950 Zählern bis zu 4,5 Prozent zulegen konnte.
Positive Signale von der Charttechnik
Das Signal vom AAII passt perfekt zur allgemeinen Großwetterlage an den Aktienmärkten. Auch die technischen Indikatoren liefern Einstiegssignale. So konnte der Dax am Donnerstag mit einem Aufwärtsgap (7.195 zu 7.205 Punkten) über die Schlüsselwiderstände bei rund 7.200 Punkten springen. Darauf weist Jörg Scherer, Leiter Chartanalyse bei HSBC Trinkaus, in einer aktuellen Studie hin.
"Aus Sicht des Stundencharts wurde damit eine V-Umkehr vervollständigt", so der Charttechniker. Das "kalkulatorische Anschlusspotenzial" belaufe sich bis auf rund 7.400 Punkte. Hat also die Sentiment-Umfrage der American Association of Individual Investors auch dieses Mal wieder ein korrektes Kontrasignal geliefert?
Stand: 23.11.2012, 14:29 Uhr