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Börsenpsychologie

Stockpulse

Frühwarnsystem für Anleger

Wenn Geschäftszahlen börsennotierter Unternehmen Furore machen, wenn ein neues Produkt einschlägt oder ein Börsengang floppt, dann haben Anleger oft das Nachsehen. Denn Aktien reagieren oft in Sekundeschnelle, in beiden Richtungen. Wer als privater Investor noch schneller sein will, kann jetzt das Wissen der Internet-Gemeinde nutzen.

Stimmungsbild durch Social Media

Social Media Twitter Facebook Stockpulse Keywords 1408. | Montage: boerse.ARD.de, picture-alliance/dpa

Deutsche Bank-Chef Anshu Jain hält seine mit Spannung erwartete erste Rede auf der Hauptversammlung des Branchenprimus Ende Mai. In den sozialen Netzwerken bahnt sich ein Stimmungsumschwung an. Der neue Co-Chef kommt in der Online-Gemeinde offenbar besser an als gedacht, Tweets und Facebook-Einträge mit positivem Unterton mehren sich. Die Aktie der Deutschen Bank, die verhalten in den Handelstag gestartet war, legt am Mittag einen kleinen Sprung aufs Börsenparkett.

Das Beispiel illustriert, wie Stockpulse idealerweise im  kurzfristigen Bereich funktioniert: Die Stimmungen, neudeutsch „Sentiment“, die sich aus den Äußerungen der vielen Internet-Nutzer in Foren und Netzwerken bilden, beeinflussen Aktienkurse. Oder sie sind zumindest geeignet, Kursbewegungen erahnen zu lassen, bevor sie überhaupt stattfinden. In der Theorie ein Traum für Anleger. Wer weiß, in welche Richtung sich die Kurse bewegen, kann sich vorkommen, wie jemand, der die Lottozahlen bereits vor der Ziehung kennt.

Aus Forschung wird ein Unternehmen

Dass die Meinungsäußerungen aus der Gemeinde der internetaffinen Privat- und Profianleger tatsächlich eine Früherkennungs-Funktion für die Bewegungen der Aktien wahrnehmen können, dessen sind sich die Stockpulse-Gründer Jonas Krauß und Stefan Nann sicher. Ihr im Jahr 2011 aus einer wissenschaftlichen Arbeit heraus gegründetes Start-up mit Sitz in Köln fußt auf eigenen Forschungen der beiden Geschäftsführer - an der Kölner Universität und dem renommierten Massachussets Institute of Technology (MIT) in den USA.

Mittels einer Analysesoftware scannt Stockpulse ununterbrochen die Tausenden von Quellen mit bis zu 200.000 einzelnen Nachrichten täglich, so Krauß gegenüber boerse.ARD.de (s.a. unser Interview). Dabei werden die Äußerungen aus dem Netz nach ihrem Inhalte überprüft, sprich einzelnen Unternehmen oder Assetklassen, wie dem Rohstoffmarkt, zugeordnet. Zum anderen wird die Tendenz herausgefiltert. Aussagen wie „diese Aktie kaufe ich“, sind dabei noch klare zuzuordnen. Mit weniger klaren Stellungnahmen oder Ironie tut sich das System zum Teil noch schwer, so Krauß.

Wenn die Stimmung umschlägt

Stimmung zur Deutschen Bank schnellt nach Vorstandsreden ins Positive

Chart Deutsche Bank Stimmungsumschwung Kurve 1408. | Grafik: boerse.ARD.de, stockpulse

Das Sentiment zu einer Aktie oder einem Währungspaar wird auf einer Skala von -100 bis +100 eingeordnet. Im Beispiel der Deutschen Bank schwankte sich binnen weniger Minuten von einem Wert von minus 55 auf plus 63 Punkte,  ein starker Hinweis auch auf die Kaufbereitschaft von Investoren bei dem Titel. (s. unsere Abbildung). Die Stimmung zu einzelnen Unternehmen oder anderen Anlageklassen ist aber nicht nur für kurzfristige Daytrader interessant, so Krauß und Nann. Die Empfehlungen, die Stockpulse vor Börseneröffnung übermittelt, können auch im längerfristigen Zeitrahmen genutzt werden. Die Trefferquoten liegen nach Aussage des Unternehmens bei rund 60 bis über 90 Prozent.

Den Unterschied zu „traditionellen“ Sentiment-Erhebungen, die bereits seit vielen Jahren stattfinden, sehen die Stockpulse-Macher einerseits in der Geschwindigkeit: „Wir stellen Anlegern die Erhebungen ja praktisch in Echtzeit zur Verfügung“. Üblicherweise werden Umfragen sonst eher in wöchentlichen oder monatlichen Abständen wiederholt. Zudem ist Stockpulse nicht „aktiv“ im Sinne eines Interviewers tätig. Die Äußerungen der Internet-Nutzer werden stattdessen passiv, ohne direktes Abfragen, eingefangen.

Entscheidungshilfe bei der Aktienanalyse

Stockpulse will aber nicht nur eine gute Idee in den Finanzmarkt einbringen, sondern auch Geld verdienen. Vor allem in der Vermarktung der Stimmungsindikatoren an Finanzplattformen und Broker sieht das Unternehmen Potenzial. So ist Stockpulse bereits auf der Seite von Onvista vertreten. Die Sentiment-Einschätzungen zu Einzelaktien befinden sich übrigens auf der Analyseseite des nicht weit von Musterdepots des Social-Trading-Anbieters Wikifolio entfernt. Auch beim CFD-Broker Gekko Global Markets ist Stockpulse mit seinen Diensten bereits angebunden. Beide Unternehmen sind auch über die Beteiligungs-Gesellschaft Next Generation Finance Invest (NextGFI) verbunden, die ihren Sitz in der Schweiz hat.

Daneben bieten die Kölner auch privaten und professionellen Tradern ihr Know-how an. Dabei werden die Ergebnisse der Erhebungen wahlweise aufs das Smartphone oder den PC der Nutzer gespielt, gegen eine monatliche Gebühr. Ab 2014 dann soll das Geschäft mit den Stimmungen aus der Internet-Community auch für Stockpulse profitabel werden.

Stand: 14.06.2013, 15:45 Uhr

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