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Anlegerfehler

Fehler 5: Zu viel Hin und Her

von Detlev Landmesser

Stand: 30.10.2013, 08:10 Uhr

Börse macht Spaß! Welcher aktive Anleger wollte das bestreiten? Doch manche handeln zu hektisch und verschenken damit eine Menge Geld. Das hat einen eher technischen sowie einen psychologischen Grund.

"Hin und her macht die Taschen leer" lautet eine der bekanntesten Börsenweisheiten. Sie bestand schon, als es noch keine Wissenschaft gab, die sie genauer überprüft hätte. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Studien, die zeigen, wie Anleger ihre Rendite durch zu häufiges Umschichten und damit zu hohe Kosten zerstören.

Das Ergebnis: Besonders aktive Börsianer schneiden nach Transaktionskosten fast immer deutlich schlechter ab als ein Aktienindex. Bevor der Anleger an Gewinne denken kann, wollen jedes Mal die teils noch immer stattlichen Provisionen, Maklergebühren, fremden Auslagen und/oder Spreads verdient sein.

Das gilt für Börsenprofis nur eingeschränkt. Aktienhändler bei den Investmentbanken zum Beispiel handeln oft ein und denselben Titel mehrmals am Tag hin und her, um Mini-Trends zu nutzen oder Arbitragegewinne zu realisieren. Dies allerdings mit Transaktionskosten nahe Null. Und ohne Erfolgsgarantie übrigens, denn auch die Eigenhandelsergebnisse der Banken fallen oft peinlich schwach aus. Dabei unterliegen die Börsenprofis einer scharfen Beschränkung durch ausgeklügelte Kontrollsysteme, die Risikopositionen begrenzen und Fehlentwicklungen früh erkennen - von spektakulären Ausnahmen einmal abgesehen.

Umso leichter geht es schief, wenn sich Privatanleger ohne solche Sicherungen als "Daytrader" versuchen - die Erfahrungen aus den Zeiten der New-Economy-Blase sind eindeutig.

Psychofalle Selbstüberschätzung

Das liegt aber nicht allein an den Transaktionskosten - die wahren Gründe liegen tiefer. Wer rasche, riskante Entscheidungen bei unvollkommener Information trifft, darf sich als "Macher" fühlen. Und stellt sich dabei Erfolg ein, sind Allmachtsfantasien nicht weit. Allzu leicht wird dabei Glück mit Urteilsvermögen verwechselt - Stichwort Selbstüberschätzung. Vorschnelle Entscheidungen und erhöhte Handelsaktivität lassen da nicht lange auf sich warten.

Wie sehr sich die Strategie des "buy and hold", also kaufen und halten, lohnen kann, mag ein Beispiel illustrieren: Wer Anfang 2013 ein simples Indexzertifikat auf den Dax gekauft hat, könnte derzeit rund 18 Prozent Rendite nach Kosten einstreichen. Ohne das ganze Jahr über auch nur einen Finger krumm gemacht zu haben. Auch wenn es keiner zugeben mag - mit aktivem Handeln haben das längst nicht alle Anleger geschafft.

Stillhalten nicht übertreiben!

Erst recht auf lange Sicht wird der selige André Kostolany mit seinem berühmten Rat "Kaufen Sie Standardaktien und eine Packung Schlaftabletten und legen Sie sich ein paar Jahre hin" Recht behalten. Allerdings - wie der Chart des Dax seit seinem 25-jährigen Bestehen zeigt - sind die Zeiten seit der Jahrtausendwende schwieriger geworden: Auch die Standardwerte schwanken stärker als zuvor. Die "paar Jahre" dauern also unter Umständen etwas länger als früher.

Entsprechend kann man es mit dem Stillhalten auch übertreiben. Auch passive Anleger mit erprobten Standardwerten im Depot sollten sich regelmäßig um ihre Schätzchen kümmern. Bei eindeutigen Fehlentwicklungen ist es ein Muss, das Depot umzuschichten und die Verluste zu begrenzen. Handlungsbedarf besteht etwa, wenn der Gesamtmarkt einen klaren Abwärtstrend etabliert oder wenn ein Unternehmen seinen bisherigen Gewinnpfad verlässt und wiederholt enttäuscht.

Chart Dax seit 1988. | Grafik: boerse.ARD.de

Lesen Sie zum Abschluss unserer Serie über Fehler 6: Selektive Wahrnehmung, und was man dagegen tun kann.

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