Börsenpsychologie

Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

Anlegerfehler Fehler 2: Missachten von Trends

von Detlev Landmesser

Stand: 25.10.2013, 10:36 Uhr

Trends an der Börse lassen sich mit den Naturgewalten vergleichen: Allzu oft unterschätzen Anleger deren Macht - und bezahlen teuer dafür. Wer dagegen ihre Kräfte für sich nutzt, hat mehr von der Börse.

Trends haben nämlich eine äußerst wichtige Eigenschaft: Es ist schlicht ungleich wahrscheinlicher, dass ein Kurstrend anhält, als dass er endet. Das gilt sowohl für Aufwärts- als auch für Abwärtstrends und ist eine der wenigen tatsächlichen Gesetzmäßigkeiten der Börse.

Und doch werden Trends selbst von erfahreneren Anlegern immer wieder missachtet. Schließlich ist die Versuchung groß, "schlauer als der Markt" zu sein und gegen einen etablierten Trend zu handeln. Leider zahlt sich das aber in den seltensten Fällen aus - Stichwort Selbstüberschätzung.

Der fahrende Zug

So gilt es allgemein als Fehler, "auf einen fahrenden Zug aufzuspringen" - das betreffende Papier scheint einfach schon zu teuer, was es betriebswirtschaftlich gesehen vielleicht auch ist. Trotzdem ist genau das oft das Klügste, was ein aktiver Anleger machen kann.

Allerdings sollte ein Trend dafür schon etabliert, das heißt die Trendlinie durch mehrere Wendepunkte im Chart bestätigt sein. Außerdem sollte das Engagement mit einer Stop-Loss-Order abgesichert werden (vgl. den Beitrag "Die Stop-Loss-Order - gewusst wie"). Denn irgendwann endet an der Börse jeder Trend - und wenn dies geschieht, fällt die Gegenbewegung oft heftig aus.

Idealtypischer Aufwärtstrend

Idealtypischer Aufwärtstrend. | Bildquelle: boerse.ARD.de, Grafik: boerse.ARD.de

Die ebenso simple wie kluge Methode, nur Aktien zu kaufen, die sich gerade auf Rekordniveau befinden, wird oft auf den ungarischen Tänzer Nicolas Darvas zurückgeführt, der in den fünfziger Jahren nach dem Motto "Der Markt hat immer Recht" an der Wall Street ein Millionenvermögen machte.

Das fallende Messer

Ein typischer Anfängerfehler ist es auf der anderen Seite, eine Aktie zu kaufen, die gerade abstürzt oder sich in einem stabilen Abwärtstrend befindet. Der Reflex "Die ist jetzt aber billig, da steig ich ein" ist schon unzähligen Anlegern zum Verhängnis geworden. Denn die Börsenweisheit "Greife nie in ein fallendes Messer" kommt nicht von ungefähr: Hinter einem plötzlichen Kurseinbruch oder einem anhaltenden Abwärtstrend stehen meist handfeste fundamentale Gründe, deren ganze Tragweite erst im Nachhinein offenbar wird.

Bei einem solchen Kursverlauf den Boden zu erwischen, ist daher reine Glückssache und gelingt nur in den seltensten Fällen.

Viel klüger ist es in solchen Fällen abzuwarten, bis sich ein Papier wieder fängt und den Abwärtstrend eindeutig verlassen hat, beziehungsweise noch besser: in einen stabilen Aufwärtstrend übergegangen ist. Die anfänglichen Gewinne einer Kurserholung sind dann zwar verpasst. Aber die Chance, seinen Einstieg nicht teuer zu bezahlen, ist ungleich höher. Die Suche nach dem Boden kann man dagegen getrost anderen überlassen.

Lesen Sie hier über den Fehler Nr. 3 - mangelnde Diversifikation.

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