Seitenueberschrift

Börsenpsychologie

Ein Mann mit verbundenen Augen balanciert auf einem Hochseil über einer Stadt

Anlegerfehler

Fehler 1: Selbstüberschätzung

von Detlev Landmesser

Stand: 24.10.2013, 10:40 Uhr

Man kann sie getrost "die Mutter aller Fehler" nennen: Viele systematische Anlegerfehler gehen auf Selbstüberschätzung zurück. Diese lässt sich zwar kurieren, aber nur schwer. Sie ist einfach allzu menschlich.

Welcher vernunftbegabte Anleger wollte sich davon völlig frei sprechen? Hier ein glückliches Händchen, da ein gutes Timing, dort ein Kursverdoppler - schon naht die Gewissheit, das Börsenspiel durchschaut zu haben. Ein paar Erfolgserlebnisse später ist man geneigt zu glauben, der souverän agierende Macher zu sein, der den Markt im Griff hat.

"Den Markt im Griff" - von wegen

Dass die Anlageideen vielleicht gar nicht auf dem eigenen Mist gewachsen sind, oder andere Titel besser abgeschnitten haben als die eigenen Lieblinge, wird dabei gerne unterschlagen. Denn allzu leicht wird pures Glück mit eigenem Können verwechselt.

Zwangsläufig verleiten solche Allmachtsgefühle zu typischen Fehlern bei der Geldanlage: Der Anleger wird sorglos, trifft vorschnelle Entscheidungen, handelt mehr als zuvor und verliert den Blick für allgemeine Trends, Depotstruktur und Timing. Auch wenn das eine Weile gutgehen kann - kein Mensch wird damit auf Dauer positive Renditen erzielen.

Dokumentieren Sie Ihr Verhalten!

Zwar ist es durchaus rational, vor einer Entscheidung nicht sämtliche denkbaren Informationen zu sammeln - die Kosten dafür würden in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Chancen stehen.

Doch ein gewisses System mit klaren Handelsgrundsätzen sollte sich jeder Anleger angewöhnen. Der erste Schritt wäre, vor jeder Anlageentscheidung Risiko und erwarteten Ertrag bewusst abzuschätzen und einander gegenüberzustellen - das ist schon mehr, als viele Börsianer tun. Wer danach auch einmal eine verlockende Anlageidee verwirft, ist auf dem richtigen Weg.

Zur Selbstkontrolle ist auch eine Art Börsentagebuch empfehlenswert: Wann habe ich welches Papier gekauft - und vor allem warum? Automatisch werden dabei Fehler dokumentiert - der erste Schritt zur Selbsterkenntnis. Wer bereit ist, sich eigene Fehler einzugestehen, wird sein Anlageverhalten schrittweise verbessern.

Lehrgeld ist die beste Investition

Der beste Lehrmeister bleibt aber der Markt selbst. Wer Verluste erleidet, hat den größten Anreiz, es künftig besser zu machen. Und wer aus Fehlern lernt, kann das gezahlte Lehrgeld als Investition verbuchen - eine der besten, die es an der Börse gibt.

Lesen Sie hier über den Fehler Nr. 2 - das folgenschwere Missachten von Trends.

Darstellung: