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Filmplakate zu Kinofilmen mit Wall Street-Bezug und ein abstürzender Chart

Börsenfilm-Start

Lässt Hollywood die Kurse purzeln?

von Astrid Rasch

Stand: 13.01.2016, 16:51 Uhr

Am 14. Januar kommt mit "The Big Short" der nächste Börsenfilm in die deutschen Kinos. Ein schlechtes Zeichen für Aktienbesitzer? Denn in Vergangenheit folgten Wall-Street-Blockbustern oft Kursverluste in New York.

Wann ein- und wann aussteigen? Eine, wenn nicht die zentrale Frage, die Analysten und Anleger seit Jahrzehnten an den weltweiten Aktienmärkten beschäftigt. In der Regel sind es rationale Gründe, die zu einer Entscheidung führen. Doch es gibt auch Börsianer, die eher skurrile Indikatoren anführen.

Von Wolkenkratzern und Hollywood

Das bekannteste Beispiel ist wohl der Wolkenkratzer-Index. Der Bau von Wolkenkratzern ist demnach ein Zeichen für wirtschaftlichen Niedergang, da die größten Investitionen getätigt würden, wenn der Gipfel des Konjunkturzyklus bereits überschritten ist.

Wenn also hohe Gebäude gebaut werden, sehen Vertreter des Index schlechte Zeiten kommen. Und es gibt Indizien: Der Bau des Burj Khalifa, des höchsten Wolkenkratzers der Welt, fiel in die Zeit der Finanzkrise 2007.

Börsenfilme als Marktindikator?

Eine ähnliche Korrelation könnte zwischen Börsenfilmen und dem Kurs bestehen - zumindest, wenn man den Verlauf des Dow Jones in den Erscheinungsjahren von Hollywood-Blockbustern zum Thema Börse analysiert. Auf den ersten Blick fällt auf: Filme, die an der Börse spielen, erscheinen oft im Umfeld von markanten Hochs und Tiefs.

Chart zum Erscheinen von Kinofilmen zur Wall Street und dem Verlauf des Dow Jones

Wall Street-Filme & Dow Jones. | Grafik: boerse.ARD.de

Der legendäre Film "Wall Street" mit Michael Douglas als Finanzhai Gordon Gekko etwa erschien 1987, rund um den "Black Friday" am 19. Oktober 1987 und dem dramatischsten Kurseinsturz des Dow Jones in seiner Geschichte. 22,6 Prozent fiel der Index innerhalb nur eines Tages.

"Gier ist gut", der Leitspruch Gekkos, traf den Nerv der Zeit. Was zum Crash geführt hat, ist bis heute umstritten - vielleicht war es der Film?

Viele Börsenfilme = Crash?

Eher unwahrscheinlich. Die breite Öffentlichkeit nämlich bekam "Wall Street" erst am 11. Dezember 1987 in den Kinos zu sehen - fast zwei Monate nach dem "Black Friday".

Doch es gibt noch mehr Beispiele. Nach dem Start des Films "Boiler Room" am 18.2.2000 brach der Kurs des S&P-Index um 46 Prozent ein, der Dow Jones fiel unter die 10.000er-Marke. Überhaupt lässt sich rund um die Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre eine Häufung von Börsenfilmen beobachten: Neben "Boiler Room" erschienen "Rogue Trader" (Die Nick-Leeson-Story) (1999) und "The Bank" (2001) - dann ging es abwärts mit den Kursen.

Stimmungsbarometer Hollywood

Rund um die Bankenkrise von 2007 sind mit den Dokumentationen "Floored" und "Inside Job" sowie den Dramen "Wall Street II", "Too Big To Fail" und "Margin Call" fünf Filme erschienen. Hier war Hollywood allerdings etwas spät dran: Ab 2009, als "Floored" startete, hatte der Dow Jones das tiefste Tal bereits verlassen. Es ging sogar langsam wieder aufwärts: Den Tiefstwert von 9310 Punkten, die der Dow zum Start des Films hatte, kam er seitdem nicht mehr nahe.

Hochs und Tiefs an der Börse sind ein gutes Futter für die Hollywood-Produzenten. Denn freilich versucht die Filmindustrie, den Nerv der Zeit zu treffen und das Stimmungsbild der Menschen einzufangen. Manchmal gelingt es sogar, Entwicklungen vorauszusehen: Wie etwa bei "Wall Street", das im Vorfeld des "Black Friday" gedreht wurde.

Dass die zuletzt erschienenen Börsenfilme "The Wolf of Wall Street" und "The Big Short" deshalb auf den nächsten Crash hindeuten, kann man aber bezweifeln - dafür gibt es zu viele Gegenbeispiele. Und auch Hollywood kann nicht hellsehen.

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