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Saisonalität

Monatliche Durchschnittsperformance des Dax seit 1965

Schlechtester Börsenmonat

Ach Du Schreck, September!

Stand: 31.08.2015, 15:57 Uhr

Kaum geht ein denkbar mieser August zuende, beginnt mit dem September der statistisch gesehen schlechteste Börsenmonat des Jahres. Warum bloß? Und könnte es diesmal anders kommen?

Der Sommer ist vorbei, die Tage werden kürzer und die Nächte zunehmend kälter. Dieser langsame Wetterumschwung scheint sich auf das Gemüt der Börsianer durchzuschlagen. Denn zum Herbstauftakt geht es traditionell mit den Aktienkursen nach unten. "Sell in May and go away… but remember to come back in September" - soll heißen, dass der September meist den Tiefpunkt der Sommerflaute enthält.

Ausreißer in den 2000ern

Sowohl am deutschen Aktienmarkt als auch an der Wall Street ragte in der Vergangenheit der September meist negativ heraus. Durchschnittlich büßte der Dow seit 1927 bis 2013 rund 1,2 Prozent ein, rechnet Robert Rethfeld vom "Wellenreiter-Invest" vor. Der Dax verlor seit 1965 bis 2013 gar deutliche 2,1 Prozent. In den vergangenen 67 Jahren beendete der deutsche Leitindex den September 36 Mal im Minus. Auch der vergangene September 2014 war ein schlechter Monat.

Für die schwache Performance sind allerdings gerade in den 2000ern besondere Ausreißer mitverantwortlich, während der September immerhin in acht der elf vergangenen Jahre sogar ein guter Börsenmonat war. In besonders schlimmer Erinnerung ist der September 2008, als der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers die Börsen in schwere Turbulenzen stürzte. Ähnlich dramatische Kurseinbrüche gab es nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Und ein Jahr später stürzte der Dax im September um mehr als 20 Prozent ab.

In den USA war der allerschlimmste Börsenmonat während der Weltwirtschaftskrise der September 1931 mit einem Minus von fast 31 Prozent. Zwar passierten die bekanntesten Börsenkrachs im Oktober (1929 und 1987), im September hatte es allerdings auch schon heftige Kursverluste gegeben, was nachträglich als Alarmsignal gesehen werden kann.

Monatliche Durchschnittsperformance des Dow Jones

Monatliche Durchschnittsperformance des Dow Jones. | Bildquelle: Wellenreiter-Invest

Anleger empfänglich für negative Nachrichten

Ein Grund für den saisonal schwachen Börsenmonat könnte die nachrichtenarme Zeit sein. Die Dividenden-Saison und die Halbjahres-Berichte sind vorbei, neue Impulse fehlen. Da können negative Nachrichten wie schlechte Konjunkturdaten oder politische Ereignisse besonders stark durchschlagen.

Hinzu kam in der Vergangenheit das Phänomen, dass die Erwartungen der Analysten und Unternehmen häufig zu positiv waren und nach den Halbjahres-Zahlen im Spätsommer revidiert werden mussten. Das äußert sich auch zuweilen in Gewinnwarnungen der Unternehmen anlässlich der Erstellung ihrer Neunmonats-Bilanzen. "Das schlägt sich dann im Herbst in fallenden Kursen nieder", erklärte Aktienstratege Volker Borghoff von HSBC Trinkaus vor ein paar Jahren zum "September-Effekt". Inzwischen aber sind die Analysten vorsichtiger geworden.

In den USA gibt es eine weitere These, die mit dem Wetter zu tun hat. Demnach würden die gut gelaunt aus dem Sommerurlaub zurückgekehrten Anleger angesichts der kürzeren und kühleren Tage trübsinnig und risikoscheuer. Wissenschaftlich belegt worden ist diese These freilich bis heute nicht.

In den letzten Jahren war alles anders

Anleger sollten sich auch nicht blind auf die saisonalen Effekte verlassen. Wie angedeutet, überwogen gerade in den vergangenen Jahren die positiven Ausnahmen. "2010 und 2012 wurde das September-Gespenst durch Eingriffe der Zentralbanken vertrieben", sagt Experte Rethfeld von "Wellenreiter-Invest". Und 2013 machte der Dax im September gar einen satten Sprung von sechs Prozent nach oben und schaffte ein Rekordhoch. Dafür war es im August leicht nach unten gegangen - in diesem Jahr wäre durchaus dasselbe Muster möglich.

2013 jedenfalls hätte sich die alte Börsenweisheit "Sell in May… but remember to come back in September" schon seit Anfang des Monats bewährt. Ab Anfang September legte der Dax eine beeindruckende Rally hin und schoss um rund 16 Prozent bis Jahresende nach oben. Manchmal ist der Horror-Monat eben doch besser als sein Ruf!

nb

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