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Öl

Zwei Erdölpumpen in der Dämmerung

Dubiose Vorschläge aus Moskau

Weniger Öl? Alles nur geträumt

Stand: 29.01.2016, 15:13 Uhr

Da war wohl einer ein wenig voreilig. Die Aussagen des russischen Energieministers über ein baldiges Treffen mit den Opec-Staaten stoppten zwar den Verfall der Ölpreise, doch könnten sich die Wünsche Moskaus als Luftnummer erweisen.

Die Opec-Vertreter haben nämlich keine Lust auf Beratungen mit Moskau. Es gebe bislang kein Datum für ein Treffen von Mitgliedern des Kartells und anderen Ölproduzenten, sagte ein Sprecher der organisation erdölfördernder Staaten.

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Ein Opec-Delegierter nannte als möglichen Termin Februar oder Anfang März. Ein zweiter erklärte, es gehe um Gespräche auf Expertenebene. Von einer Kürzung der Ölfördermengen kann also keine Rede sein. Der russische Energieminister, Alexander Nowak, hatte am Mittwoch erklärt, dass er sich im kommenden Monat mit Vertretern der Opec-Staaten treffen wolle, um mögliche Maßnahmen zur Drosselung der Fördermenge von Rohöl zu diskutieren. Zudem verbreitete die russische Nachrichtenagentur Tass die Meldung, Saudi-Arabien habe eine Drosselung der Fördermenge vorgeschlagen.

Analysten erwarten keine Änderung

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Die Meldung hatte dazu beigetragen, die Ölpreise, die in den vergangenen Wochen immer wieder unter die 30-Dollar-Marke gerutscht waren, zu stabilisieren und zwischenzeitlich sogar auf ein Drei-Wochen-Hoch zu hieven.

Analysten erwarten jedoch keine größeren Förderkürzungen. Im Kampf um Marktanteile haben die größten Ölförderstaaten bislang bewusst auf eine Drosselung der Produktion verzichtet und stattdessen den Markt geflutet - auch, um Konkurrenten wie die USA aus dem Markt zu drängen.

Jetzt soll Lawrow intervenieren

Angesichts der mehr als verhalten ausgefallenen Reaktion aus den Opec-Staaten rudern die Russen nun etwas zurück. Energieminister Alexander Nowak äußerte sich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg zurückhaltend zu den Erfolgsaussichten von Verhandlungen der Opec. "Wir sind bereit zu Beratungen, aber das ist noch keine Entscheidung", sagte er.

Aufgaben wollen die Russen ihre Bemühungen deshalb aber noch lange nicht. Im Februar will Außenminister Sergej Lawrow deshalb in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Oman für eine geringere Fördermenge und steigende Ölpreise werben, sagte eine Sprecherin des Ministers am Freitag.

Auch Moskau kürzt Förderung nicht

Doch auch Moskau macht keinerlei Anstalten, die Ölförderung zu drosseln. Die Branche befinde sich zu einem erheblichen Teil nicht unter der direkten Kontrolle des Staates, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Arkadi Dworkowitsch. "Wenn die Preise lange niedrig bleiben, wird es unausweichlich zu einer Korrektur bei den Investitionen kommen, was zu einer geringeren Förderung führen wird. Aber das ist kein bewusster Akt der Regierung."

Die schwindende Hoffnung auf baldige Förderkürzungen haben der Ölpreis-Rally am Freitag ein vorläufiges Ende gesetzt. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich zeitweise sogar wieder.

lg

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