Seitenueberschrift

Gold

Mehrere Reihen Goldbarren

"Rückführung" der Bundesbank

Das Gold kommt nach Hause

Stand: 21.12.2015, 13:20 Uhr

Die Bundesbank überführt derzeit tonnenweise Gold nach Deutschland. Ein Großteil unseres Schatzes lagerte nämlich im Ausland - das ändert sich nun aber.

Es ist der zweitgrößte Goldschatz der Welt, noch mehr haben nur die Amerikaner: Mehr als 270.000 Barren, insgesamt ganze 3.384 Tonnen - so groß ist der Goldbestand der Bundesrepublik. Doch ein Großteil des Edelmetalls ist gar nicht in greifbarer Nähe - sondern lagert in Frankreich, in Großbritannien und in den Tresoren der Fed.

Das will die Bundesbank ändern: Bis 2020 möchte sie mehr als die Hälfte des Goldbestandes wieder in der Bundesrepublik haben. Wie viele Barren sich derzeit im Frankfurter Keller stapeln, ist allerdings nicht klar:

  • Ende 2012 langen 31 Prozent der Goldreserven in Deutschland - das sind 1.036 Tonnen.
  • In den Jahren 2013 und 2014 kamen insgesamt 157 Tonnen nach Frankfurt. Nach Adam Riese lagerten also Anfang 2015 über 1.190 Tonnen Gold bei uns.
  • Dementsprechend waren die Währungshüter zu diesem Zeitpunkt noch etwa 520 Tonnen von ihrem Ziel entfernt.
  • Wie viele Barren im Laufe des Jahres 2015 überführt wurden, verriet die Bundesbank allerdings nicht.

Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele betonte allerdings: "Wir holen das Gold nicht zurück, denn es war nie hier. Bis zur deutschen Einheit hatten wir nur 77 Tonnen in Deutschland." Das sind schlappe zwei Prozent des Gesamtbestands.

Warum lagert so viel Gold im Ausland?

In den 1950er und 1960er Jahren wuchs der deutsche Goldschatz rasant: Das Wirtschaftswunder brachte dem Land viele Dollar ein, da ordentlich exportiert wurde. Deutschland tauschte seine Dollar-Überschüsse daraufhin bei der US-Zentralbank gegen Gold ein. Ab 1967 verzichtete die Bundesbank dann auf diese Praxis.

Während des Kalten Krieges wurde deutsches Gold indes gezielt außerhalb der Landesgrenzen aufbewahrt. Man wollte die Barren im Krisenfall in Devisen umtauschen können. Doch seit es den Euro gibt, ist das Argument zumindest für die Lagerung in Paris hinfällig.

Das gilt aber nicht für die USA und Großbritannien. Deshalb lässt die Bundesbank die Finger von den 445 Tonnen in London. Und von den 1.500 Tonnen Gold im Keller der New Yorker Regionalbank soll nur ein Fünftel nach Deutschland kommen.

Wieso holt die Bundesbank das Gold überhaupt?

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.217,60
Differenz absolut
12,02
Differenz relativ
+1,00%

Selbst der Bundesrechnungshof bezweifelte, dass die Goldreserven im Ausland sicher sind - und dass man, wenn nötig, darauf zugreifen könne.

Die Initiative "Holt unser Gold heim!" wettert sei geraumer Zeit gegen die Lagerung im Ausland. Sie wird beispielsweise von mehreren Uni-Professoren, dem FDP-Mitglied Frank Schäffler und einem Analysten der Bremer Landesbank unterstützt.

Die Initiative legt den Finger allerdings in eine andere Wunde: Sie vertritt die Meinung, dass es zukünftig notwendig sein wird, die Währungen zumindest teilweise wieder mit dem Gegenwert in Gold zu hinterlegen. So war es früher üblich.

"Die endgültige Lösung der Währungen von Gold 1971 ist der Hauptgrund für die seitdem explodierenden Geldmengen", so die Initiative. Um die Währungen wieder an die Goldbarren koppeln zu können, müssten die Bestände allerdings im Land gelagert werden.

Das Ranking

Den größten Goldschatz hat die US-Notenbank Fed mit 8.134 Tonnen unter ihren Fittichen. Rechnet man den Goldbestand allerdings auf die Köpfe um, sieht das Ranking ganz anders aus.

Dann ist die Schweiz nämlich der Spitzenreiter mit 129 Kilogramm je 1.000 Einwohner. Danach folgt der Libanon mit 64 und dann Deutschland mit 42 Kilo pro 1.000 Bürger. Die USA landen im Pro-Kopf-Vergleich nur auf Rang neun. "Die größten Euroländer liegen pro Einwohner in einer ähnlichen Größenordnung wie wir", so Bundesbank-Vorstand Thiele.

cw

Alle Kommentare (6)

Kommentar von "Fred Kurresch" am 22.12.2015, 01:47 Uhr

Die Schweiz importiert und exportiert jedes Jahr 1500 Tonnen Gold. Warum werden fuer Deutschlsand immer "logistische" Probleme bei der Rueckholung des deutschen Goldes genannt?

Kommentar von ": von Freising" am 21.12.2015, 23:21 Uhr

Respekt, Prof. Frank Schäffler, diesbezüglich bin Ich schon mal Ihrer Meinung. Wenn die Depot-Papiere dann q ich noch das Deutsche Reich-Emblem tragen und auch ein verantwortungsbewusstes Team der Reichsbank die Goldkontenverwaltung durchführt, die ein gutes Beamtensold erhalten, dann zweifle Ich nicht mehr an die ordentliche Umsetzung. Vergewissern Sie sich, daß die Beamten vom Prinzen von Bayern ins Amt berufen werden, denn seinen werten Segen sollte man schon haben. Gruß aus dem Oberbayernland

Kommentar von "Kuttig" am 21.12.2015, 23:21 Uhr

Also jeder Einwohner 42 Gramm, ungefähr 1400 € wie hoch waren die Staatschulden pro Kopf , jeder sollte sich fragen ob das noch lange Gut geht.

Kommentar von "Bernard Mayr" am 21.12.2015, 21:51 Uhr

Nur soviel zur Stabilität unseres EURO: " Selbst der Bundesrechnungshof bezweifelte, dass die Goldreserven im Ausland sicher sind - und dass man, wenn nötig, darauf zugreifen könne."

Kommentar von "Wolfgang Ziegler" am 21.12.2015, 18:38 Uhr

Man kann doch nur zurückholen, was noch vorhanden ist! Wer an das noch Vorhandensein unseres Goldes glaubt, der glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet. Warum wurde nie eine Inventur gemacht? Warum müssen Barren umgeschmolzen werden? Warum geht die Rückholung so langsam? Das stinkt gewaltig...

1
2

Mein Kommentar

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert. Es können leider keine weiteren Kommentare abgegeben werden.

Darstellung: