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Gold

Bulle, Bär und kleiner Goldstapel

Krisenschutz in der Krise

Starker Dollar schickt Gold auf Talfahrt

Stand: 31.10.2014, 15:57 Uhr

Die Geldpolitik der Fed hat Folgen: Gold notiert gegenüber dem Dollar derzeit auf dem tiefsten Stand seit über vier Jahren. Und viele Experten sind der Ansicht, dass der Preis für das einst so begehrte Edelmetall noch weiter sinken dürfte.

Wie sich die Zeiten ändern. Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte der Preis für eine Feinunze des Edelmetalls noch bei mehr als 1.700 Dollar gelegen. Heute sackte der Preis unter die Marke von 1.180 Dollar. Das Tagestief lag am frühen Nachmittag bei 1.161 Dollar. "Spekulanten steigen aus und schauen sich nach renditestärkeren Alternativen um", sagt Analyst Jasper Lawler vom Handelshaus CMC Markets. Edelmetalle werfen nun einmal keine Zinsen ab. Hat das Gold als Krisenschutz ausgedient?

Inflationsfurcht lässt nach

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
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Das könnte durchaus sein. Ein Ende der Talfahrt des Goldpreises sei nicht in Sicht, sagte beispielsweise Analyst Chen Min von Jinrui Futures. Mit dieser These steht er nicht allein. Und er liefert auch plausible Gründe: die guten Aussichten für die US-Konjunktur und die Erwartung steigender Zinsen in den USA. Denn Zinserhöhungen dämpfen die Furcht der Anleger vor einer anziehenden Teuerung. Damit verlieren Edelmetalle als Absicherung gegen Inflation an Attraktivität. Der Fachmann rechnet deshalb mittelfristig mit einem Rückgang des Goldpreises auf 1.000 Dollar.

Im Übrigen lohnt sich vielleicht auch ein Blick auf aktuellen Daten zur Inflation. In der Eurozone liegt sie im Oktober bei 0,3 Prozent. In den USA erreicht die Teuerung derzeit 1,5 Prozent. Der Zielwert von 2,0 Prozent wurde dort schon seit rund zwei Jahren nicht mehr erreicht.  

Die Notenbanken drücken den Goldpreis

Die US-Notenbank Fed hatte am Mittwoch beschlossen, das konjunkturstützende Anleihekaufprogramm zu beenden. Wenn die Wirtschaft in den USA das Wachstumstempo erhält oder noch steigert, stünde in den kommenden Monaten eine Erhöhung des Leitzinses an. Zumindest wird eine weitere Straffung der Geldpolitik aus der Sicht vieler Marktbeobachter wahrscheinlicher.

Die etwas gebremste Liquiditätsschwemme in den USA hat zudem bereits seit Wochen zur Folge, dass der Dollar gegenüber anderen Währungen steigt. Das macht das Edelmetall für Anleger außerhalb der Staaten teurer und dämpft so die Nachfrage.   

Wende

Und obwohl die Notenbank in Japan den entgegengesetzten Kurs zur Fed fährt, hat die Entscheidung, weitere Billionen Yen auf den Markt zu werfen, dem Goldpreis einen weiteren Stoß versetzt. "Die japanische Währung ging daraufhin in die Knie, der USD wertete auf", kommentiert LBBW-Fachmann Thorsten Proettel. "Und da Gold oftmals als eine Art Gegenwährung zum Dollar angesehen und gehandelt wird, brach der Preis des Edelmetalls ein."

Wichtige Marke wurde durchstoßen

Aus charttechnischer Sicht spricht nach Ansicht der Fachleute von HSBC ebenfalls einiges für ein weiteres Absinken. Bei 1.185/81 Dollar haben sie eine wichtige Unterstützungslinie ausgemacht. "Fällt die beschriebene Bastion, muss auch ein Bruch des langfristigen Aufwärtstrends seit Beginn des Jahrtausends (auf Quartalsbasis aktuell bei 1.164 Dollar) einkalkuliert werden", heißt es in einem Marktkommentar.

Goldpreis in Euro stärker

Gold in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
1.173,90
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Es heißt also aufmerksam sein, denn diese Marke wurde heute bereits unterboten. Der Goldpreis in Euro sieht dagegen etwas entspannter aus. Hier hat die relative Schwäche der Gemeinschaftswährung dazu beigetragen, dass Goldanleger auf Euro-Basis in diesem Jahr weiterhin im Plus liegen.

ts

Alle Kommentare (6)

Kommentar von "Wolff" am 31.10.2014, 17:40 Uhr

Wenn ich es richtig deute heißt es doch wohl: Werft euer Gold weg, es ist nichts wert. Es bringt keine Zinsen und man kann es nicht essen.!!! Will heißen: der Mist ist am qualmen, die Schrottpapiere müssen noch schnell raus. Mein Tipp: Kauft keine P a p i e r e und legt Euer Geld nicht bei der Bank an. Wenn wir günstige Einkaufsmöglichkeiten für Gold und Silber haben, ja was ist denn? kauft es, was sonst. Mir fällt immer wieder ein Spruch ein: "Der Fuchs sagte zum Bauern, hey Bauer, lasst eure Hühner frei im Wald laufen, da haben sie mehr zum Scharren"!

Kommentar von "Roland Schmiermund" am 31.10.2014, 16:06 Uhr

Der Goldpreis steigt immer in der Krise, weil Gold immer die harte Ersatzwährung ist. In günstigen Zeiten kaufen und in schwierigen Verkaufen. Viel wichtiger scheint mir die Frage, ob die deutschen Goldreserven überhaupt real existieren. Ein Kritik will noch anbringen: Der Dollar ist nicht stark, sondern Scheinstark. Die DMark war eine starke Währung, der Schweizer Franken ist eine starke Währung. Letztere können auf Sicherheiten und eine soldige Wirtschaft bauen. Der US-Dollar ist meineserachtens völlig überbewertet und hat mit der Realwirtschaft nichts mehr zu tun.

Kommentar von "Berlinerin" am 31.10.2014, 16:00 Uhr

Ca. 45 Prozent unserer Goldreserven (1536 Tonnen) lagern ja angeblich bei der US-Notenbank Fed in New York. Ist das so? Wer kann mich aufklären?

Kommentar von "Georg Naundorfer" am 31.10.2014, 15:30 Uhr

Eigenartig ist, dass die Bundesbank, als sie ihr Gold aus den USA wiederhaben wollte, es nicht bekam. Goldzertifikate werden immer in Hunderttonnen-Paketen auf den Markt geworfen, um den Preis zu drücken (Goldmann/Sachs 2013 im April an 1 Tag 400t). Wer das kauft, bekommt aber kein Gold, sondern immer nur den Gegenwert in irgendwelchen Währungen. Das ist bekanntlich kein Betrug, auch wenn es das ist, sondern Spekulation. Falls sich herausstellen sollte, dass in den USA von den treuhänderisch hinterlegten Goldreserven der Partnerstaaten gar nichts mehr vorhanden ist, weil sie schon alle unter der Hand veruntreut wurden, dann zahlen die USA den Schaden doch locker aus der Portokasse mit ganz frisch gedruckten Dollars. Sie können sich da sogar immer darauf berufen, jahrelang davor gewarnt zu haben, Gold zu kaufen ...

Kommentar von "Agent Lemon" am 31.10.2014, 15:18 Uhr

Wers glaubt. Die reinen Produktionskosten fuer Gold liegen im momentanen Bereich . Ich kaufe morgen fett nach. Asien liebt Gold und die Laeden sind heute hier voll. Und HIER liegt die Zukunft, nicht in EU oder USA.

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