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Hilfe, da war doch was!

Ring! Ring! Ölpreisanstieg rüttelt Anleger wach

von Angela Göpfert

Wie gebannt starren die Anleger seit Wochen auf die drohende Fiskalklippe in den USA. Dabei scheinen sie ein großes Risiko für die Aktienmärkte völlig aus den Augen verloren haben – an das sie nun unliebsam erinnert werden.

Ist es wirklich schon fünf vor zwölf im Nahen Osten?

Nach den US-Wahlen treten die geopolitischen Risiken wohl eher in den Hintergrund, meinten die Rohstoff-Experten der Helaba noch in der vergangenen Woche – und dürften damit gründlich daneben gelegen haben.

Schließlich haben zahlreiche Marktbeobachter eher mit genau dem Szenario gerechnet, das nun auch einzutreten scheint: Ein Stillhalten Israels bis zur US-Präsidentschaftswahl – und nach der Wahl die große Eskalation im Nahen Osten.

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Wehe, wenn Netanjahu auf den Knopf drückt
Tatsächlich scheint im Gaza-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern trotz internationaler Vermittlungsbemühungen kein Ende der Gewalt in Sicht. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Sonntag: "Die Operation im Gazastreifen geht weiter, und wir sind dazu bereit, sie noch bedeutend auszuweiten."

Experten befürchten nun, die Region könne auf einen neuen Krieg zusteuern. Eine israelische Bodenoffensive werde immer wahrscheinlicher.

Auch eine drohende Eskalation des Atomkonflikts zwischen Israel und Iran beunruhigt die Märkte. Erst zu Monatsbeginn hatte Netanjahu bekräftigt er, sei "natürlich bereit den Knopf zu drücken", um die iranischen Atomanlagen auch im Alleingang anzugreifen.

Zwei Ölförderpumpen (Quelle: photos.com)

"Politische Risikoprämie" zieht an
Das hat selbstverständlich auch Folgen für die Ölpreise, die zu Wochenbeginn kräftig zulegen: Brent notiert 0,8 Prozent höher bei 109,84, WTI klettert um rund ein Prozent in die Höhe auf 87,85 Dollar.

"Nur eine kurze Schonfrist nach dem Ende der US-Wahl endet die trügerische Ruhe zwischen Israel und Palästina", kommentiert Rohstoffexperte Frank Schallenberger von der LBBW die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten. Die "Störfaktoren in Nahost" ließen die "politische Risikoprämie" auf den Ölpreis weiter ansteigen.

Bislang hat das aber für die Aktienmärkte noch keine Auswirkungen. Der Dax zeigt sich am Montagmorgen völlig unbeeindruckt – und zieht um 1,3 Prozent an. Ist das eine kluge Reaktion? Oder unterschätzen die Investoren nach wie vor die Gefahr, die von einer Eskalation im Nahen Osten für die Aktienmärkte ausgeht?

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Der Ölpreis, das unterschätztes Risiko?
Diese Meinung vertreten zumindest die Analysten der Bank of America. In einer aktuellen Umfrage unter ihren Kunden haben sie herausgefunden, dass nur 6 Prozent der Anleger sich um das Risiko eines steigenden Ölpreises scheren. Dagegen treibt mehr als 80 Prozent die Sorge um die Fiskalklippe in den USA um.

Der Ölpreis sei somit das von den Anlegern am stärksten unterschätzte Risiko. Schließlich könne ein Stopp der iranischen Öllieferungen den Ölpreis mal eben um 20 bis 40 Dollar in die Höhe treiben.

Keine Panik?!

Das muss aber kein Anlass sein, direkt in Panik zu verfallen. Schließlich gibt es durchaus gute Gründe, für die Ölpreise derzeit eher bearish gestimmt zu sein. Der Ölmarkt bleibe bei schwächelnder Nachfrage fundamental gut versorgt, meint Rohstoffexperte Frank Schallenberger von der LBBW.

Wellenreiter-Invest-Analyst Robert Rethfeld

Robert Rethfeld

Auch technisch betrachtet, spricht derzeit nicht viel für rasant steigende Ölpreise. So hat WTI erst vor kurzem eine Schulter-Kopf-Schulter abgeschlossen, eine klassische charttechnische Umkehrformation, die fallende Kurse andeutet. Erst bei einem Überwinden der Nackenlinie (aktuell etwa bei 89 Dollar) würde die SKS-Formation negiert werden, betont Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. In diesem Falle müssten sich Anleger auf einen Anstieg des WTI-Preises bis auf 95 Dollar einstellen.